Wer hätte erwartet, daß das Sterben des Papstes Alexander VI so verlaufen würde.
Der reuevolle Heimgang eines Renaissance-Papstes: Alexander VI. im Urteil der GeschichteIn einer Fußnote des dritten Bandes der „Geschichte der Päpste“ von Ludwig von Pastor findet sich ein lateinischer Text von Caledanus über das Sterben eines Papstes. Wie lautet die Übersetzung dieser Passage:
Text: „(Caledanus) sagt a.a.O.: Quod... dum graviter aegrotaret factorum conscientia punctus contrito dolentuque animo ad lacrymas ut audio fusus sacrosanctum communionis corpus sua sponte, dilutis prius diligentissima confessione peccatis petierit, et alia sacramenta singilatim quaesita perceperit.“
Die Übersetzung dieser bedeutenden Passage lautet:
„... dass er [Caledanus berichtet dies über Papst Alexander VI.], wie ich höre, während er schwer krank darniederlag, vom Bewusstsein seiner Taten getroffen, mit zerknirschtem und schmerzerfülltem Herzen in Tränen ausgebrochen sei; nachdem er zuvor in einer sehr gewissenhaften Beichte seine Sünden getilgt hatte, verlangte er aus eigenem Antrieb nach dem hochheiligen Leib der Gemeinschaft [der heiligen Kommunion] und empfing auch die anderen Sakramente, um die er einzeln gebeten hatte.“
Anmerkung: Dieser Bericht ist besonders bemerkenswert, da es sich um Alexander VI. handelt. Dieser Papst lebte bekanntlich unsittlich, blieb aber theologisch strikt bei der kirchlichen Lehre. Es überrascht daher umso mehr, dass er nach seiner schweren Krankheit einen so reuevollen Heimgang fand.
Das ist ein kirchengeschichtlich höchst interessanter Punkt. Der Kontrast zwischen seinem Lebenswandel und seinem Sterben ist bezeichnend. Alexander VI. (Rodrigo Borgia) gilt oft als Beispiel für die moralischen Abwege seiner Zeit. Dass er jedoch laut Augenzeugenbericht mit einer „diligentissima confessio“ (einer sehr sorgfältigen Beichte) und unter Tränen starb, wird von Historikern als Zeichen gewertet, dass er trotz persönlicher Verfehlungen im Kern seines Glaubens katholisch blieb.
Wie richtig angemerkt wurde, hat er die kirchliche Lehre nie angetastet. Dies unterstreicht ein wichtiges Prinzip: Die Unfehlbarkeit des Amtes in Lehrfragen bleibt von der Sündhaftigkeit der Person unberührt. Der Bericht über seine Reue korrigiert zudem die düsteren Legenden über seinen Tod und zeigt einen Mann, der sich im Angesicht der Ewigkeit seiner Verantwortung vor Gott stellte. Die Gnade der Reue steht jedem offen, und das sakramentale Leben der Kirche hat auch in dunklen Zeiten das letzte Wort.