Besser ohne Schott
In den „Lektionen in Hohenfurth“ hat Don Reto etwas unglaublich Wichtiges gesagt: Besser ohne Schott in der Messe.Damit stellt er die gesamte Neuzeit und Moderne in Frage. Ohne diese Lektion kann man die katholische Lehre nicht wirklich verstehen. Mit Descartes wurde das ontologische Paradigma durch das mentalistische Paradigma in der Philosophie/im Weltgeist ersetzt. Wirklichkeit und Realität sind ab sofort Produkte des aktiven menschlichen Geistes, sie entstammen nicht mehr dem Sein Gottes. Im Materialismus endet das in der Überzeugung, dass alles Geistige Produkt des materiellen Geschehens im Gehirn ist. Diese mentalistische Überzeugung ist falsch.
Gott handelt. Nur er ist aktiv. Der Mensch empfängt. Das beginnt mit seinem Leben. Das endet mit seinem Heil. Der Mensch braucht nichts zu tun. Seine Aufgabe ist alleine, staunend zu schauen, wie die Engel jede Heilige Messe in den Himmel heben. Wenn er das nicht tut, ändert das nichts an der Aktivität der Engel. Es ist nur sein Problem, seine Blindheit. Die Sakramente funktionieren ex opere operato. Sie wirken aus sich. Der Mensch kann nur zuschauen. Er kann sich dafür nur kontemplativ öffnen. Dann wird er, durch den ontologischen Empfang der Sakramente, sein Weg zum Heil finden. Wenn er aus kontemplativer Blindheit nur noch sein Ding macht, wird er das Heil nicht erkennen und damit auch nicht erreichen können.
Der Mensch muss nicht denken. Er muss noch nicht mal etwas verstehen. Er muss nur das heilige Geschehen mit seiner unsterblichen Seele betrachten. Die heiligsten Männer und Frauen sind meistens sehr einfache und ungebildete Menschen. Ich verbeuge mich tief, weil sie der Wahrheit wie Wenige die Ehre geben.
Die irdischen Worte, unsere Sprache, passen zu der Welt des Herrn der Welt, der Welt der Lüge. Sie bilden Repräsentationen/Vorstellungen über unsere Welt, von denen die klügsten Köpfe keine Ahnung haben, um was es sich bei diesen handelt: Sprache, Lüge und Wahrheit.
Novus Ordo, Evangelikale, Charismatiker benutzen unablässig Worte. Sie denken sich Gebete aus, die ihren Wunschvorstellungen entsprechen. Sie folgen der modernen Denke, dass allein menschliche Aktivität und Funktion Wahrheit setzt. Sie glauben an die Performativität der Sprache an und verdrehen ihre Augen in Bezug auf ihre guten und heiligen Intentionen. Nicht einmal aber öffnen sie sich der Liebe Gottes. Nicht einmal sind sie bereit, zu empfangen. Nicht einmal folgen sie dem unbedingten Fiat der Mutter Gottes.
Das Heilige ist. Die Wahrheit ist ontologische Realität jenseits des Willens des Menschen. Der Mensch erschafft nichts. Es braucht ihn nicht. Nur der Liebeswille seines Schöpfers gibt ihm Würde und Ehre.
Jedes Mal hat mir der Herr verboten, mir konkrete Vorstellungen über Ihn zu machen. Wenn ich in meiner Zelle sitze, dann spiele ich mit Engeln vor dem Thron Gottes. Das ist Fakt. Aber mit irdischen Worten oder Begriffen kann ich das unmöglich beschreiben. Deshalb kann es niemals zu irdischen Ehr- oder Machtzwecken missbraucht werden. Die ontologische Realität ist wahr jenseits unserer Sprache. Dieses Prinzip trägt alle kontemplativen Mönche und Nonnen.
Als Kind habe ich die Formensprache und die bildlichen Darstellungen des Barocks nie gemocht. Das hätte ich damals nicht erklären können, aber heute deute ich es so: Sie laufen auf einen unlauteren Anthropomorphismus hinaus, auf einen Verlust wahren ontologischen Glaubens. Die Engel sehen anders aus. Nur in der Romanik und Gotik war das gewusst.
Das kontemplative ontologische Wissen der Wahrheit ist der Grund für die Leere der zisterziensischen Ästhetik. Sie ist voll von inniger Liebe zu und Hingabe an Gott. Das unterscheidet sie radikal von der Schmucklosigkeit der Protestanten und der Abstraktion der Moderne. Beide basieren auf der Abkehr von Gott, auf menschlicher Hybris, auf dem Willen, zu machen, was man will. Mich wundert nicht, dass die Jesuiten, die als Folge des mentalistischen Paradigmas gegründet worden sind, nicht die Kraft finden, die Macht der irdischen Sprache und Vernunft in Frage zu stellen. Versuchen sie mit FP, sich und ihre Überzeugungen zu retten? Ich vermute, dass P. Runggaldier es besser weiß.
Es gibt nur Gott. Es gibt nur Seinen Heiligen Willen. Wir Menschen können uns nur auf Ihn hin öffnen. Ihm oder Seiner Heiligen Kirche können wir nicht schaden. Wir haben keinerlei Macht, außer in die Hölle zu gehen.