M.RAPHAEL

Besser ohne Schott

In den „Lektionen in Hohenfurth“ hat Don Reto etwas unglaublich Wichtiges gesagt: Besser ohne Schott in der Messe.

Damit stellt er die gesamte Neuzeit und Moderne in Frage. Ohne diese Lektion kann man die katholische Lehre nicht wirklich verstehen. Mit Descartes wurde das ontologische Paradigma durch das mentalistische Paradigma in der Philosophie/im Weltgeist ersetzt. Wirklichkeit und Realität sind ab sofort Produkte des aktiven menschlichen Geistes, sie entstammen nicht mehr dem Sein Gottes. Im Materialismus endet das in der Überzeugung, dass alles Geistige Produkt des materiellen Geschehens im Gehirn ist. Diese mentalistische Überzeugung ist falsch.

Gott handelt. Nur er ist aktiv. Der Mensch empfängt. Das beginnt mit seinem Leben. Das endet mit seinem Heil. Der Mensch braucht nichts zu tun. Seine Aufgabe ist alleine, staunend zu schauen, wie die Engel jede Heilige Messe in den Himmel heben. Wenn er das nicht tut, ändert das nichts an der Aktivität der Engel. Es ist nur sein Problem, seine Blindheit. Die Sakramente funktionieren ex opere operato. Sie wirken aus sich. Der Mensch kann nur zuschauen. Er kann sich dafür nur kontemplativ öffnen. Dann wird er, durch den ontologischen Empfang der Sakramente, sein Weg zum Heil finden. Wenn er aus kontemplativer Blindheit nur noch sein Ding macht, wird er das Heil nicht erkennen und damit auch nicht erreichen können.

Der Mensch muss nicht denken. Er muss noch nicht mal etwas verstehen. Er muss nur das heilige Geschehen mit seiner unsterblichen Seele betrachten. Die heiligsten Männer und Frauen sind meistens sehr einfache und ungebildete Menschen. Ich verbeuge mich tief, weil sie der Wahrheit wie Wenige die Ehre geben.

Die irdischen Worte, unsere Sprache, passen zu der Welt des Herrn der Welt, der Welt der Lüge. Sie bilden Repräsentationen/Vorstellungen über unsere Welt, von denen die klügsten Köpfe keine Ahnung haben, um was es sich bei diesen handelt: Sprache, Lüge und Wahrheit.

Novus Ordo, Evangelikale, Charismatiker benutzen unablässig Worte. Sie denken sich Gebete aus, die ihren Wunschvorstellungen entsprechen. Sie folgen der modernen Denke, dass allein menschliche Aktivität und Funktion Wahrheit setzt. Sie glauben an die Performativität der Sprache an und verdrehen ihre Augen in Bezug auf ihre guten und heiligen Intentionen. Nicht einmal aber öffnen sie sich der Liebe Gottes. Nicht einmal sind sie bereit, zu empfangen. Nicht einmal folgen sie dem unbedingten Fiat der Mutter Gottes.

Das Heilige ist. Die Wahrheit ist ontologische Realität jenseits des Willens des Menschen. Der Mensch erschafft nichts. Es braucht ihn nicht. Nur der Liebeswille seines Schöpfers gibt ihm Würde und Ehre.

Jedes Mal hat mir der Herr verboten, mir konkrete Vorstellungen über Ihn zu machen. Wenn ich in meiner Zelle sitze, dann spiele ich mit Engeln vor dem Thron Gottes. Das ist Fakt. Aber mit irdischen Worten oder Begriffen kann ich das unmöglich beschreiben. Deshalb kann es niemals zu irdischen Ehr- oder Machtzwecken missbraucht werden. Die ontologische Realität ist wahr jenseits unserer Sprache. Dieses Prinzip trägt alle kontemplativen Mönche und Nonnen.

Als Kind habe ich die Formensprache und die bildlichen Darstellungen des Barocks nie gemocht. Das hätte ich damals nicht erklären können, aber heute deute ich es so: Sie laufen auf einen unlauteren Anthropomorphismus hinaus, auf einen Verlust wahren ontologischen Glaubens. Die Engel sehen anders aus. Nur in der Romanik und Gotik war das gewusst.

Das kontemplative ontologische Wissen der Wahrheit ist der Grund für die Leere der zisterziensischen Ästhetik. Sie ist voll von inniger Liebe zu und Hingabe an Gott. Das unterscheidet sie radikal von der Schmucklosigkeit der Protestanten und der Abstraktion der Moderne. Beide basieren auf der Abkehr von Gott, auf menschlicher Hybris, auf dem Willen, zu machen, was man will. Mich wundert nicht, dass die Jesuiten, die als Folge des mentalistischen Paradigmas gegründet worden sind, nicht die Kraft finden, die Macht der irdischen Sprache und Vernunft in Frage zu stellen. Versuchen sie mit FP, sich und ihre Überzeugungen zu retten? Ich vermute, dass P. Runggaldier es besser weiß.

Es gibt nur Gott. Es gibt nur Seinen Heiligen Willen. Wir Menschen können uns nur auf Ihn hin öffnen. Ihm oder Seiner Heiligen Kirche können wir nicht schaden. Wir haben keinerlei Macht, außer in die Hölle zu gehen.
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M.RAPHAEL

Vielen Dank für Ihre Kommentare. Ich will hier nur eine kurze Antwort geben. Die grundsätzliche Position wird sich immer wieder in den meisten meiner Beiträge in irgendeiner Art und Weise wiederfinden, in etwa wie eine kosmische Hintergrundstrahlung.
Wichtig ist, dass ich natürlich in keiner Weise die Notwendigkeit einer wahren Begrifflichkeit bestreite. Der Prolog des Johannesevangeliums ist die absolute Wahrheit mit genau einer, der wahren, Bedeutung. Entsprechend gilt, dass das traditionelle katholische Lehramt unverzichtbar die einzig gültigen und wahren Leitlinien für unseren Glauben darstellt. Das habe ich zu glauben, weil es unzählige andere Menschen im Heiligen Geist vor mir so gedeutet haben. In diesem Sinne ist auch das katholische Messbuch für den Gläubigen eine große Hilfe, die Wahrheit der eigenen Berufung besser zu verstehen. Ich habe es immer dabei und lese meistens mit. Dennoch hat Don Reto recht. Es ist nicht der Schott, der die Heilige Messe gültig und wahr macht, sondern die durch das göttliche Liebesgeschenk des Sakraments durchgeführte Handlung und die ist eben unabhängig von unserer Vernunft und unserem intellektuellen Verständnis. Noch einmal: ob ich es verstehe oder nicht, die Engel heben das Heilige Messopfer in den Himmel. Es hängt nicht von mir ab. Die Lehre der Heiligen Kirche erklärt mir meine Wahrheit, wenn ich ihr die Ehre geben will. Die Sprache deutet meine Erfahrungen im nach hinein. Das Erlösungsgeschehen ist vorgängig und unabhängig von meinem Intellekt. Natürlich ist das ein Skandal. Das ist nicht modern. Pech gehabt, hochmütiger Mensch, auch du musst auf die Toilette.
In diesem Sinn bin ich natürlich kein Buddhist. Schon als Menschen auf der Erde sind wir an die irdische Begriffsbildung und Logik gebunden. Wir sind in Sprachspielen gefangen, aber eben gefangen. Die mystischen Erfahrungen eines kontemplativen Menschen in seiner Zelle müssen für diese „irdische“ Sprache unbeschreibbar wenn nicht verrückt erscheinen (z.B. Zungenrede). Dennoch sind sie vor dem Thron Gottes völlig real und begrifflich konkret. Es ist eine Logik jenseits irdisch instrumenteller Vorstellungswelten. Es ist die Wahrheit des ICH LIEBE DICH!
Ich habe Descartes nur als Zeitpunkt für die philosophische Paradigmenwende zur Neuzeit genannt. Es ist richtig, Martin Luther als den entsprechenden Vertreter für die menschliche Religionsauffassung zu bezeichnen. Allein die Fragen bzgl. „echter“ Intentionalität, populäre Rezeption, Hermeneutik, usw., nicht nur bei Descartes, verdeutlichen die Lächerlichkeit des aufklärerischen Anspruchs in Bezug auf die Wahrheit der irdischen Sprachspiele. Nur net vergesse: „Aber die vollends aufgeklärte Erde strahlt im Zeichen triumphalen Unheils.“ Horkheimer, Adorno, Dialektik der Aufklärung, Frankfurt, Mai 1988, S. 9.
Man würde sich wünschen, die Heinis würden wenigstens dieses Buch auf ihrem Stuhl lesen, bevor sie sich als modernistische Novus Ordo Vertreter bekennen.

P.Andrijs

Dieses ganze Äusserungen zeigen doch das Liturgiereform in Katholisches Kirche eine gute Entscheidung war!

michael7

Hätte man die Menschen wirklich zur Liturgie, zum Gottesdienst und zu Gott hingeführt, hätte man gegen die Schlampigkeit, Hast und Oberflächlichkeit, die es bei vielen Priestern auch in der überlieferten Liturgie gab, angekämpft und zu wahrer Andacht und Mitfeier aufgerufen, dann hätte auch kein Katholik gegen ein solches Bemühen etwas gehabt! 👏
Die Wirklichkeit der angeblichen "Liturgiereform" sah aber doch ganz anders aus: Die Menschen wurden zur Oberflächlichkeit, zur Ehrfurchtslosigkeit, ja letztlich oft sogar zum Glaubensabfall "erzogen", was wir heute praktisch überall beklagen müssen!
Dass es keine wahre "Liturgiereform" war, zeigte sich spätestens dann, als die überlieferte Liturgie, wie sie die Kirche seit Jahrhunderten und Jahrtausenden gefeiert hat, plötzlich verboten und verfolgt wurde!
Jede Ehrfurchtslosigkeit und Gottlosigkeit war plötzlich erlaubt, nur die Liturgie der Kirche aller Zeiten war auf einmal fast das Einzige, wofür man nun bestraft und aus den Kirchen ausgeschlossen wurde!
Das konnte keine echte und wahre Liturgiereform und auch keine wahrhafte Vorschrift der Kirche sein! 😲 🙄 😇 🙏 🙏 🙏

Lutrina

Der Volksschott ist eine Erfindung der liturgischen Bewegung und schon allein deshalb abzulehnen.
Laien sind nunmal keine aktiven Teilnehmer der Hl. Messe. Daher sollte man auch nicht Priester spielen wollen. Ohne gründliche theologische Studien, die den Laien nunmal fehlen, ist es ohnehin nicht möglich etwas von Wesen des Hl. Meßopfers erfassen zu können. Besser den Rosenkranz oder ein paar Litaneien beten während der Priester die Messe feiert. 👌

kathvideo

Der "Schott" ist sehr nützlich, doch nicht alle brauchen ihn. Die Kirche sagt hier: heilige Freiheit!

michael7

@M.RAPHAEL: Mein erster Gedanke beim Lesen ihrer Zeilen:
Da haben Sie ganz schön viele Worte gebraucht, um uns zu erklären, dass man eigentlich keine Worte braucht! 😀 😀
Sie sehen: Nicht das Wort ist das Problem oder das Denken, sondern der Missbrauch des Wortes!
Das Evangelium beginnt bei Johannes mit: "Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott. Und das Wort war Gott! Durch dieses ist alles geworden!"
Also: Nicht das Wort ist das Problem, sondern dass unsere Worte oft nicht dem Wort Gottes entsprechen oder Ihm entgegengesetzt sind!
Seit Gottes Sohn Mensch geworden ist, ist es auch nicht mehr unmöglich, "sich konkrete Vorstellungen" von Gott zu machen. Denn "Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt! Und wir haben Seine Herrlichkeit gesehen" (Joh. 1,14).
Es kommt also schon darauf an, dass wir "denken" und "verstehen"! Dazu hat Gott uns berufen, auch dazu, dass wir Sein Wort verkündigen! All das sollen wir auch in der Liturgie vollziehen! Selbst wenn wir dabei nicht unbedingt alle Hilfsmittel benötigen, wie einen Schott, der uns im Idealfall beim Gebet unterstützen, nicht behindern sollte!
😇

michael7

@M.RAPHAEL:
Es war auch nicht Descartes, der Katholik war und mit seinen Überlegungen einen festen Grund für alles Denken und die Erkenntnis Gottes legen wollte und letztlich auch gelegt hat (mit möglichst wenigen und einfachen Worten!), sondern Luther, der das menschliche Denken von der Wirklichkeit und von Gott abgekoppelt hat, indem er die Vernunft zur "Hure" erklärt hat, die sich einmal von Gott, dann wieder vom Teufel reiten lässt, und damit auch jede wahre Erkenntnismöglichkeit Gottes für den Menschen, der nach der Hl. Schrift als "Ebenbild Gottes" (!) erschaffen ist, geleugnet hat!
Was sie oben behaupten, sind weitgehend protestantische "Märchen", die damit in der Regel von der Verantwortung der Reformation am Glaubensabfall in der Neuzeit ablenken sollen und wollen!
🤗

michael7

@kg niko @M.RAPHAEL:
Die Gefahr bei den Ausführungen von M.RAPHAEL besteht darin, dass er durch die Leugnung der Wichtigkeit von "Denken" und "Verstehen" in eine Art "buddhistisches" Ideal von "Betrachtung" verfällt, die nichts mehr mit der Wahrheit, dem Wort, das Gott ist, zu tun hat, sondern im "NICHTS" mündet!
Und wir sollten so ehrlich sein, anzuerkennen, dass es Descartes gerade darum geht, alle möglichen Irrtümer, denen wir mit unseren Sinnesorganen unterliegen, auszuschalten und Gott als die objektive und absolute Wahrheit, die nicht von unseren subjektiven und sinnlichen Eindrücken abhängt, anzuerkennen und als die absolute, von unserer subjektiven Willkür unabhängige Wahrheit zu erweisen!