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Antonio Santorio

Die zerstörte Vigil der Osternacht (ab S. 20 im beigefügten Artikel),
Píus XII. befahl im Jahre 1946 Kardinal Carlo Salotti, den Präfekten der Ritenkongregation, einen Plan für eine Reform der Liturgie auszuarbeiten. 1948 wurde daraufhin die Pontifikalkommission für die Reform der Liturgie geschaffen.
Kardinal Clemente Micara, Präfekt der Ritenkongregation, war ihr Leiter. Mitglieder waren u.a. Kardinal Augustin Bea, der berühmte Liturgieexperte Vater Annibale Bugnini, der auch bis zur Auflösung der Kommission 1960 deren Sekretär war. 1960 wurde an ihrer Stelle die vorbereitende Kommission des Konzils Vatikan II gegründet, die die Planung einer neuen Liturgie in allen Bereichen der Kirche (genannt: Sacrosanctum Concilium) erstellte.
1951 verfaßte diese Kommission eine neue Feier der Osternacht (Ostervigil), danach der gesamten Karwoche: Am 9. Februar 1951 wurde die neue Feier zunächst experimentell für ein Jahr durch das Dekret Dominicae resurrectionis vigiliam der römischen Ritenkongregation ad experimentum genehmigt, 1952 dann für drei Jahre und 1955 noch einmal verlängert. Am Palmsonntag 1956 trat sie unbegrenzt in Kraft.
In den 12 Jahren ihres Bestehens trat die Kommission 82 Mal zusammen, wobei sie unter vollkommener Geheimhaltung arbeitete. Es war sozusagen ein kleiner esoterischer Kreis für das zentrale Mysterium der Kirche. Das Herz der Kirche. Die Ostervigil.
Die Kommission hatte das Vertrauen des Papstes: er wurde von Giovanni Battista Montini - dem künftigen Paul VI. – der später dazukam und jede Woche von Vater Bea, seinem Beichtvater, auf dem Laufenden gehalten.
Abbé Didier Bonneterre charakterisierte die Änderungen unter Pius XII. mit den Worten: "Diese Reformen stellen die ersten Etappen dar der "Auto-Demolition" - der Selbstzerstörung - der römischen Liturgie."[1] Und: sie wurden im Geheimen durchgeführt durch die zukünftigen Leiter der Liturgiereform des Konzils Vatikan II.
Man liest allenthalben, Pius XII. habe damit der Kirche die Osternacht zurückgegeben.
Mit diesem Satz oder so ähnlich wird normalerweise die Abschaffung der bisherigen tridentinischen Vigilfeier der Osternacht und ihre Ersetzung durch ein neues Konstrukt erklärt. Das stimmt aber nicht, denn die Vigilfeier der Osternacht war schon seit ihrer Festlegung durch Pius V. im Jahre 1570 am Samstagnachmittag zu feiern – nach der None („dicta Nona“ heißt es in den Rubriken), also gegen 15.30h.
Warum legte Papst Pius V. bei der Veröffentlichung des tridentinischen Meßbuchs – das bekanntlich auf alle Zeiten unveränderbar ist – als Zeitpunkt der Ostervigil fest: „Wenn man die None gelesen hat“? – Weil es ist die goldene Mitte ist: einerseits geht es schon auf den Abend zum Sonntag zu, rechnen wir 4 Stunden für die Feier, dann geht sie weit bis in den liturgischen Sonntag, der mit dem Sonnenuntergang des Vorabends beginnt. Und gleichzeitig sind die Menschen zu dieser Tagzeit noch so fit, daß sie vermutlich bis zum Ende dabeisein können, ohne einzuschlafen. Und daß sie ab 1850 mit den deutsch-lateinischen Handbüchern zur Karwoche auch bewußt am liturgischen Geschehen teilhaben können. Pius V. hat also alles bestens geregelt und bedacht. Den Inhalt und den Zeitpunkt.
Das so verbreitete Reden über die Osterfeier, die mit der Terminierung auf die Nacht den Gläubigen wiedergeschenkt worden sei, ist sachlich falsch. Historisch und praktisch. Gehen Sie doch einmal mit ihrer Familie und Kindern, auch durchaus schon herangereiften, und Opa und Oma von 22h bis 2h in eine Ostervigilfeier mit ungekürzten Texten (12 Lesungen) und sagen Sie mir hinterher, wieviel der lateinischen Liturgie Sie bewußt mitbeten konnten und wie es Ihrer Familie ging!
Nein. Pius V. hat das schon richtig gemacht. Wie alles.
Diese ganze Reden heutzutage über den anderen rechten Zeitpunkt der Ostervigil soll von einer anderen Sache ablenken: Daß nämlich die oben erwähnte geheime Papstkommission um den Liturgiewissenschaftler Bugnini die Feier der Osternacht religiös zerstört hat und ab 1951 eine ganz andere Sache an ihre Stelle setzte.
- Wie das? Das kann doch nicht sein? Das hätte ich doch bemerkt?! –
Meine Antwort: Das haben Sie nicht bemerkt, weil Bugnini die eigentliche zentrale Ritualhandlung der Kerzenweihe aus der Kirchengemeinde und der Kirche herausgenommen hat und sie draußen, außerhalb von Kirchenschiff und Gemeinde vollführen läßt.
-Und was hat er gemacht?
-In der Feier der Ostervigil feiert die tridentinische Kirche die Auferstehung des Herrn Jesus Christus vom Tode. Sinnbild des reinen Auferstehungsleibes des Herrn ist das weiße Wachs der Osterkerze, die zu 100% aus Bienenwachs besteht. Die tridentinische Liturgie weiht diese Osterkerze nach dem Exsultet mit einem Weihegebet mit 5 Weihrauchkörnern, die auf das Wachs der Kerze in Kreuzform gedrückt werden und die die fünf Wunden Christi symbolisieren, die auch nach Christi Auferstehung wahrnehmbar sind, aber in verklärter Form. Im Kirchenschiff, vor der Gemeinde, die zuschaut. Bugnini und seine päpstliche Geheimkommission haben das Weihegeschehen aus der Kirche herausgenommen; es findet draußen vor der Tür statt. Und es findet nicht mehr dieselbe Weihe statt, die vorher innerhalb der Kirche durchgeführt worden ist. Bugnini hat diese ersetzt durch die Schlachtung des göttlichen Leibes, den Gottesmord. Ein Deizid. Nach der Auferstehung!
– Das kann nicht sein!! Eine ungeheuerliche Behauptung!!
– Leider ist es doch so: Der Priester hat draußen in der Nacht mit einer Art Messer (Stylett etc) Einschneidungen in den Wachskörper der Osterkerze auszuführen und dabei kultische Worte zu sprechen. „Er schneidet ein“ – heißt es vielmals in den Rubriken. Das ist eine Praxis, die in der schwarzen Magie ausgeübt wird. Wir finden diese rituelle Praxis in Eliphas Lévis Werk: Praxis der rituellen Magie. In den so zerschnittenen Wachskörper der Osterkerze werden 5 tiefe Wunden eingebohrt, wo der Priester mit langen Stahlnägeln rote Symbole einfügt (heute oft riesige rote Nagelattrappen oder ähnliches großes Rotes) sowie bestimmte Buchstaben. Die Wunden des geschlachteten Auferstehungsleibes werden so überdeckt durch schöne künstlerisch gestaltete Buchstaben und Zahlen und Formen. Ein schönes Mäntelchen wird über die Schlachtwunden gehängt. Damit zieht der Priester nun unter Streichung der Trinität aus der ursprünglichen Liturgie in die Kirche ein. Das sieht nun alles sehr ästhetisch aus: Der geschlachtete Gottesleib ist schön hergerichtet. Das Gemetzel ist nicht mehr erkennbar. Und daß die Trinität aus dem Ritual gestrichen wurde interessiert ohnehin keinen. Und wer weiß das schon?
Die moderne Gläubige wird sagen: Das ist vollkommener Unsinn! Das kann nicht sein! Und all die traditionalistischen Priesterbruderschaften feiern doch auch diese „wiederhergestellte Ostervigil“, die uns der heilige Pius XII. geschenkt hat! Die würden das gar nicht tun, wenn das alles stimmen würde.
Meine Antwort: Dann lesen Sie meine Darstellung hier in dem Artikel über die Weihe der Osterkerze: (ab S. 20 im beigefügten Artikel)
Überprüfen Sie alles, ich gebe immer die Quellen an. Ich bin der Wahrheit verpflichtet. Und diese zeigt, was die Liturgiereform Bugninis und seiner Mitarbeiter aus der heiligen tridentinischen Weihe der Osterkerze gemacht hat. Schon 1951. Bis heute.
-Und keinen kümmert’s. Wir biegen uns das dann irgendwie hin.
(ab S. 20 im beigefügten Artikel)
- Aber 1964 wurde die Vigil der Osternacht nach Vatikan II noch mal einer Revision unterzogen?
- Meine Antwort: Bugnini war stolz auf sein Meisterwerk von 1951. Nach Vatikan II wurden deshalb nur minimale unwesentliche Änderungen an Bugninis Ostervigil durchgeführt – z.B. wurden die 8 Streichungen bei den Schriftlesungen reduziert. Ansonsten blieb es beim Deizid mit den Messerschnitten in den Auferstehungsleib. Als Leiter des mit der Liturgiereform beauftragten Consiliums hatte Bugnini diese Macht.
[1] Didier Bonneterre, "Le Mouvement liturgique", en La razón de nuestra lucha, La messe catholique, Clovis, 1999, p. 111 - Original: https:// Index of abbe-bonneterre-le-mouvement-liturgique./ Abbe_Bonneterre_Le-mouvement-liturgique..pdf

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