"Ich hatte immer geglaubt, Schismen seien kollektive Abspaltungen, durch die sich Gruppen von Christen vom Leib der Kirche trennten, um eigene Kirchen zu bilden. Das geschieht nicht oft; doch diese Auffassung schloß jede Furcht aus, man könne für sich selbst ein kleines persönliches Schisma begründen."
In letzter Zeit ist viel vom Schisma die Rede – (1/3)
Étienne Gilson (1884–1978) war ein französischer Philosoph und einer der bedeutendsten Historiker der mittelalterlichen Philosophie im 20. Jahrhundert. Er gilt als einer der führenden Vertreter des sogenannten Neuthomismus, also der erneuerten philosophischen Auseinandersetzung mit dem Denken des hl. Thomas von Aquin. Er war u. a. Professor an der Sorbonne, Mitglied der Académie française, 1929 Gründer des Päpstlichen Instituts für Mittelalterstudien. Étienne Gilson verfaßte den folgenden kurzen Text im Jahre 1965, als sich die Wucht des nachkonziliaren Sturmes gerade zu entfesseln begann und er sich fragte, ob er nun ein Schismatiker sei. Angesichts der gegenwärtigen Lage hat sich sechzig Jahre später nicht allzu viel geändert.
Der folgende bemerkenswerten Text des französischen Philosophen Étienne Gilson (1884–1978), verfasste er 1965, als die Liturgiereform erst am Anfang war.
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Bin ich ein Schismatiker?
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