Mir vsjem

Erzbischof Lefebvres Standhaftigkeit immer würdigend, dennoch gab es manche widersprüchliche Tendenzen:
"Keine Autorität, auch nicht die höchste Autorität in der Hierarchie, kann uns zwingen, unseren Glauben, der vom Lehramt der Kirche seit neunzehn Jahrhunderten eindeutig formuliert und verkündet wurde, aufzugeben oder zu schmälern."
Doch ein wahrer Papst als höchste Autorität in der Hierarchie hat noch nie jemand und wird niemals einen Katholiken zwingen, den Glauben aufzugeben oder zu schmälern.
"Wenn sich zwischen seinen Worten und seinen Taten auch ein gewisser Widerspruch ergibt, zum Beispiel bei den Akten der Dikasterien, dann wählen wir das, was immer gelehrt wurde."
Hier liegt die Unverständigkeit bei ihm selbst, denn seine These des Aussortierens der päpstlichen Lehre ist nicht katholisch. Wer fühlt sich berechtigt, dieses Aussortieren zu vollziehen? Wer will eine Korrektur fällen über den Papst selbst? Hier ist wiederum bewiesen wo man hinkommt, wenn man solche Ideen vertritt. Obwohl Lefebvre erkannte, dass es einen verwaisten Stuhl Petri gibt, setzte er diese Erkenntnis nicht öffentlich durch. Allerdings wurde er von seiner eigenen Umgebung davon abgehalten. Dennoch kann sich die heutige Piusbruderschaft nicht auf Lefebvre beziehen, denn seine Aussagen diesbezüglich können nicht einfach weggefegt werden:
"Wir stehen wirklich vor einem schwerwiegenden Dilemma, einem sehr schwerwiegenden sogar, das meines Wissens in der Kirche bisher niemals existiert hat: daß der Inhaber des Stuhls Petri an der Verehrung falscher Götter teilnimmt. Ich glaube nicht, daß dies in der Kirche je vorgekommen ist. Welche Folgerungen werden wir vielleicht in einigen Monaten angesichts dieser wiederholten Teilnahme an solchen falschen Kulten ziehen müssen?
Ich weiß es nicht... Ich stelle mir die Frage. Doch möglicherweise werden wir verpflichtet sein zu glauben, daß dieser Papst nicht Papst ist. Es scheint nämlich auf den ersten Blick - feierlich und formell kann ich es noch nicht sagen - unmöglich, daß dein Papst öffentlich und formell Häresie begeht. Unser Herr hat ihm versprochen, ihm beizustehen, seinen Glauben zu bewahren, ihn im Glauben zu bewahren. Wie kann da einer, dem unser Herr verheißen hat, ihn endgültig im Glauben zu bewahren, so daß er im Glauben nicht irren kann, gleichzeitig öffentlich Häresie, ja sogar Apostasie begehen?"
(Osterpredigt Msgr. Lefebvre 1986)
Anschließend sah sich Erzbischof Lefebvre zahlreichen Druckversuchen von innerhalb und außerhalb der Piusbruderschaft ausgesetzt, die ihn von der "feierlichen und formellen" Erklärung abhalten sollten, daß "dieser Papst kein Papst" ist.
„...Wenn wir aber sicher sein können, daß der Glaube, den die Kirche seit zwanzig Jahrhunderten lehrt, keinen Irrtum enthalten kann, haben wir andererseits weit weniger die absolute Sicherheit, daß der Papst wirklich Papst ist. Die Häresie, das Schisma, die Exkommunikation ipso facto, die Ungültigkeit der Wahl können unter Umständen verursachen, daß ein Papst in Wirklichkeit nie Papst gewesen ist oder nicht mehr Papst ist...“
(Erzbischof Marcel Lefebvre, Ecône, 2.8.1976, Interview »Le Figaro«)
„Es ist nicht ausgeschlossen, dass diese Hypothese [der Sedisvakanz] eines Tages von der Kirche bestätigt wird, denn für sie sprechen ernstzunehmende Argumente.“
(Lefebvre im Seminar von Ecône, 24.2.1977)
„Praktisch ist das eine virtuell exkommunizierte Kirche, weil es eine modernistische Kirche ist. Aber sie exkommunizieren uns, weil wir katholisch bleiben wollen….“ (Interview Erzbischof Lefebvre mit Redakteur André Cagnon von »Fideliter« im Juni 1978)
„Ich sage euch, Rom hat den Glauben verloren, liebe Freunde, Rom ist in der Apostasie. Die Worte, die ich sage, sind nicht aus der Luft gegriffen. Man kann in diese Leute kein Vertrauen mehr haben. Sie haben die Kirche verlassen, sie verlassen die Kirche. Es ist sicher, sicher, sicher...“
Wer die Katholische Kirche verlässt, kann nicht Oberhaupt dieser Kirche sein.
Wenn Lefebvre an dem festhalten wollte, was vor dem Konzil gelehrt wurde, dann bleibt keine andere Wahl, als alle neuen Lehren und Änderungen rigoros abzulehnen und Distanz zu pflegen vor dieser falschen Kirche und ihrem falschen Führer. Das ist die ganz simple Logik!

Mir vsjem

Diese seine Grundsatzerklärung jährt sich morgen, 21. November, Fest Mariä Opferung, zum 50. Mal.