[LJ 12] Das Leben Jesu nach den vier Evangelisten
10. Die Darstellung im Tempel(Luk. 2, 22-39)
Und als die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetze Moses erfüllt waren, brachten sie ihn nach Jerusalem, um ihn dem Herrn hinzustellen, wie im Gesetze des Herrn geschrieben steht: „Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn geheiligt werden“, und um ein Opfer darzubringen, gemäß der Bestimmung im Gesetze des Herrn, ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben.
Und siehe, es war ein Mann in Jerusalem, Namens Simeon. Dieser Mann war gerecht und gottesfürchtig; er harrte des Trostes Israels, und der Heilige Geist war in ihm. Es war ihm vom Heiligen Geiste geoffenbart worden, er werde den Tod nicht sehen, bevor er den Gesalbten des Herrn gesehen. Und er kam auf Antrieb des Geistes in den Tempel. Als nun die Eltern das Kind Jesus hineinbrachten, um für dasselbe nach Gesetzesbrauch zu tun, nahm er es auf seine Arme und pries Gott und sagte: „Jetzt entlässest du deinen Diener, o Herr, nach deinem Worte im Frieden; denn meine Augen haben dein Heil gesehen, das du bereitet hast vor dem Angesichte aller Völker, das Licht zur Erleuchtung der Heiden und die Herrlichkeit deines Volkes Israel.“1)
Sein Vater und seine Mutter wunderten sich über das, was von ihm gesagt wurde. Simeon aber segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: „Siehe, dieser ist gesetzt zum Falle und zur Auferstehung vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen werden wird, und auch deine eigene Seele wird ein Schwert durchdringen, damit die Gedanken vieler Herzen offenbar werden.“
Es lebte damals auch eine Prophetin, Anna, eine Tochter Phanuels aus dem Stamme Aser. Sie war hochbetagt und hatte nach ihrer Jungfrauschaft sieben Jahre mit ihrem Manne gelebt. Sie war eine Witwe bis zu vierundachtzig Jahren, die den Tempel nicht verließ und Gott mit Fasten und Beten bei Nacht und Tag diente. Auch diese kam zu eben der Stunde hinzu und pries den Herrn und redete über ihn zu allen, welche die Erlösung Israels erwarteten.
Und als sie alles nach dem Gesetze des Herrn erfüllt hatten, kehrten sie nach Galiläa zurück in ihre Stadt Nazareth.1)
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1) Die Erfüllung der göttlichen Verheißung (Isaias 40, 5): "Die Herrlichkeit des Herrn wird geoffenbart werden, und alles Fleisch wird sie zumal schauen".
1) Die Rückkehr nach Nazareth erfolgte entweder gleich nach der Darstellung, um ihre Angelegenheiten in Nazareth zu ordnen und dann wieder nach Bethlehem zu ziehen, wo sie sich dauernd niederlassen wollten, oder erst nach der Rückkehr aus Ägypten. Weil der hl. Lukas den Bericht über die Weisen aus dem Morgenlande und die Flucht der hl. Familie nach Ägypten nicht geben wollte, konnte er die Niederlassung in Nazareth unmittelbar an den Bericht über die Darstellung anschließen.