Karl-Heinz Menke (1) – Unvereinbar:
Das christliche Credo und die Grundpositionen der PRT [Pluralistische Religionstheologie]Dreh- und Angelpunkt aller Spielarten der PRT ist die Bestimmung des Begriffs der Selbstoffenbarung des Absoluten, der transzendenten Wirklichkeit bzw. „des Mysteriums“. Hick und Schmidt-Leukel sprechen von dem Gott, der als Geistwesen allem Seienden immanent sein kann. Knitter beschwört die Erfahrung dessen, was mich unbedingt angeht. Und Panikkar bezeichnet die direkte Proportionalität von Transzendenz und Immanenz als Eigenschaft eines sich überall offenbarenden und gleichzeitig entziehenden Mysteriums. Von einer Trinitätslehre kann bei keinem dieser Autoren die Rede sein. Deshalb kann auch keiner von ihnen verstehen, dass ein Mensch, dessen Personalität (Einzigkeit) die des innertrinitarischen Sohnes ist, als wahrer Mensch die Offenbarkeit des einzigen Sohnes beim Vater und also – bezogen auf die gesamte Menschheitsgeschichte – ein streng singuläres Ereignis ist.
Das Herz des Christentums aber liegt in dem Anspruch Jesu, als wahrer Mensch in Raum und Zeit dieselbe Beziehung zu dem als „Vater“ bezeichneten Gott zu leben, die der innertrinitarische Sohn von Ewigkeit her ist. Jesu Beziehung zu Gott ist wesentlich verschieden von jedem in geschöpfliche Worte oder Zeichen gekleideten Versuch, den Unaussprechlichen auszusprechen. Weil Jesu Beziehung zum Vater nicht die Beziehung eines von Josef gezeugten und von Maria geborenen Menschen zu Gott, sondern von Anfang an Konstitutivum seiner Personalität ist, darf Jesus als einziger Mensch der Welt- und Religionsgeschichte von sich sagen: „Wer mich sieht, sieht den Vater“ (Joh 12,45). Der Kern und die Mitte des christlichen Glaubens liegt in der hypostatischen (personalen) Union des Menschen Jesus mit dem innertrinitarischen Logos[…]. Wenn diese Mitte aufgegeben wird, ist das Grunddogma der PRT, dass alle mit dem Wort „Offenbarung“ versehenen Geltungsansprüche gleich gültig[…] sind, die logische Konsequenz. Dann nützt es auch nichts, wenn christliche Theologen Kriterien benennen, an denen gemessen die Offenbarungsreligion Christentum den Offenbarungsreligionen z. B. des Islam oder des Buddhismus überlegen erscheint. Denn solche Kriterien entspringen stets der eigenen Perspektive und können von jeder Weltreligion in Bezug auf konkurrierende Religionssysteme formuliert werden[…]. Es geht vielmehr um die Entscheidung der grundsätzlichen Frage, ob die Selbstoffenbarung Gottes in Zeit und Raum sachlich etwas ganz anderes ist als das, was die genannten Vertreter der PRT das graduell mehr oder weniger intensive Erscheinen der transzendenten Wirklichkeit nennen.
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Karl-Heinz Menke: JESUS IST GOTT DER SOHN – Denkformen und Brennpunkte der Christologie, © Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2008, S. 444f.
Bild: Theologe Menke sieht keinen Spielraum beim Frauenpriestertum