Heiligenbiographien für Kinder

Nikolaus von Myra

Vor vielen hundert Jahren, in Patara, an der Mittelmeerküste, lebte ein Junge mit einem besonderen Namen: Nikolaus (*283). Auf Syrisch nannte man ihn Soche, Zakka, Zeka – das heißt „der Sieger“. Und wirklich: Dieser Name sollte sein ganzes Leben prägen.

Ein Herz für die Armen

Nikolaus war von Herzen gut. Als seine Eltern früh an der Pest starben, hinterließen sie ihm ein großes Erbe. Nikolaus wurde der Überlieferung zufolge von seinem Onkel, Bischof Nikolaus von Myra, im Alter von 19 Jahren zum Priester geweiht.

Nikolaus dachte nicht an sich selbst. Er verteilte das Geld an Arme, an Hungernde und Notleidende. In seiner Heimatstadt Patara lebte einst ein armer Mann mit drei Töchtern. Er war so arm, dass er ihnen keine Mitgift geben konnte – und ohne Mitgift konnten sie nicht heiraten. Verzweifelt dachte er schon daran, die Mädchen auf einen schlimmen Weg zu schicken. Nikolaus hörte davon und wollte helfen.

In der Nacht schlich er heimlich zum Haus. Durch das offene Fenster warf er einen glänzenden goldenen Apfel, der in den Schuh einer der Töchter fiel. Am nächsten Abend tat er es wieder, und die zweite Tochter war gerettet. Als Nikolaus in der dritten Nacht den letzten Apfel werfen wollte, wartete der Vater schon heimlich – und entdeckte den Wohltäter. Beschämt fiel er Nikolaus zu Füßen, doch dieser bat ihn: „Sag es niemandem – denn nicht ich, sondern Gott hat dir geholfen.“ So wurden die drei Mädchen bewahrt, und Nikolaus wurde zum Freund aller Kinder und Armen.

Bischof von Myra

Nach dem Tod seines Onkels, wählten die Menschen von Myra Nikolaus zu ihrem Bischof. Wenn Unrecht geschah, stellte er sich mutig vor die Schwachen. Er rettete Schiffbrüchige aus Seenot und bat in Zeiten der Hungersnot mutig um Korn für sein Volk – und durch sein Gebet fehlte später kein einziges Maß auf den kaiserlichen Schiffen.
Drei zu Unrecht gefangen gehaltene Feldherrn konnte Nikolaus der Überlieferung zufolge wundersam befreien, indem er im Traum dem Kaiser erschien und um ihre Befreiung bat. In anderer Version rettete er sie, indem er das Schwert des Henkers abwehrend ergriff; deshalb wurde er Patron der Gefangenen.

Der große Streit – das Konzil von Nicäa

Doch das größte Ringen seines Lebens kam im Jahr 325. Kaiser Konstantin, Sohn der Hl Helena, rief die Bischöfe des ganzen Reiches zum Konzil von Nicäa zusammen. Denn ein Priester namens Arius lehrte etwas Falsches über Jesus Christus: Er behauptete, Jesus sei nicht wahrer Gott, sondern nur ein Geschöpf.

„Das ist Gotteslästerung!“, rief Nikolaus: „Jesus Christus ist eins mit dem Vater und dem Heiligen Geist!“ So sehr entbrannte er im Eifer, dass er aufstand und Arius mit seiner Hand ins Gesicht schlug.
Die anderen Bischöfe erschraken. „So darf sich ein Bischof nicht benehmen!“, sagten sie. Und zur Strafe nahmen sie Nikolaus seine bischöflichen Abzeichen ab: den Hirtenstab, das Evangelienbuch und die Stola. Damit durfte er nicht mehr am Konzil teilnehmen.

Doch in der Nacht geschah ein Wunder. Der Herr Jesus und seine Mutter Maria erschienen Nikolaus im Traum. Christus reichte ihm das Evangelienbuch, und die Gottesmutter legte ihm wieder die Stola um die Schultern. „Du bist mein treuer Diener“, sprach sie. Die Bischöfe erschraken und erkannten: Gott selbst hatte Nikolaus gerechtfertigt! Voll Ehrfurcht gaben sie ihm seine Würde zurück, und Nikolaus durfte weiter am Konzil teilnehmen.
Der andere wichtige Streiter für die Gottheit Christi am Konzil von Nizäa war der Hl. Athanasius von Alexandrien.

Das Wunder mit dem Ziegelstein

Um den Glauben an die Dreifaltigkeit und die Gottheit Jesu Christi zu erklären, nahm Nikolaus einen Ziegelstein in die Hand. „Seht“, sagte er, „dieser Stein scheint eines zu sein. Doch er besteht aus drei Wirklichkeiten: Erde, Wasser und Feuer.“

Da geschah das Wunder: Vor den Augen aller stieg eine Flamme aus dem Ziegelstein auf, während Wasser an seiner Seite herabtropfte. Die Bischöfe staunten. Es war, als wollte Gott selbst durch dieses Zeichen bezeugen: Drei in eins – und eins in drei.

So wurde das Glaubensbekenntnis von Nicäa beschlossen, das wir bis heute beten: dass Jesus Christus „Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott“ ist.

Der Heilige für alle Zeiten

Nikolaus starb um das Jahr 348. Bald schon ehrten Christen ihn als großen Heiligen.

Im Jahr 1087 drohten die Seldschuken, ein muslimisches Reitervolk, die Stadt Myra in Lykien zu erobern. Da machten sich 67 tapfere Seefahrer aus der süditalienischen Stadt Bari auf den Weg. Ihr Ziel: die heiligen Gebeine in Sicherheit zu bringen. In der Dunkelheit der Nacht öffneten sie das Grab, nahmen ehrfürchtig die Reliquien an sich und segelten heimwärts. Am 9. Mai erreichten sie Bari, wo das ganze Volk jubelnd den Heiligen empfing. Bis heute feiert man dort vom 7. bis zum 9. Mai ein großes Fest für San Nicola – mit Prozessionen, Musik und Feuerwerk. So wurde Bari zum neuen Zuhause des heiligen Nikolaus, und von dort aus verbreitete sich sein Ruhm in die ganze Welt.

In vielen Ländern denken wir am 6. Dezember an ihn. Kinder stellen ihre Schuhe vor die Tür, und Nikolaus füllt sie mit Gaben – so, wie er es damals mit den armen Mädchen tat.
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Novena - Oremus

Historische Faktenlage: Über das Leben des Nikolaus ist fast nichts gesichert. Er war Bischof von Myra im 3./4. Jh. und könnte am Konzil von Nizäa (325) teilgenommen haben. Zeitgenössische Quellen erwähnen ihn jedoch nicht, und eigene Schriften sind nicht überliefert.
Frühe Verehrung: Der erste schriftliche Hinweis stammt etwa 250 Jahre nach seinem Tod. Im 6. Jh. existierte bereits ein Martyrium zu seinen Ehren, was belegt, dass er früh verehrt wurde.
Kult und Ausbreitung: Ab dem 6. Jh. entwickelte sich Nikolaus zu einem der beliebtesten Heiligen, im Osten wie im Westen. Ein entscheidender Moment war die Überführung seiner Reliquien nach Bari (1087), die seine Verehrung stark verbreitete.
Legendenbildung: Ab dem Mittelalter wuchs eine umfangreiche Sammlung an Legenden über ihn. Er wurde Patron zahlreicher Berufe und Lebenslagen.
Bekannte Legende: Schon als Säugling soll Nikolaus mittwochs und freitags beim Stillen gefastet haben – ein Zeichen seiner späteren Berufung. Dies machte ihn zum Patron der Säuglinge. Fresken stellen diese Szene bildlich dar.

Bild: Der heilige Nikolaus verweigert die Milch seiner Mutter, aus „Geschichten aus dem Leben des heiligen Nikolaus“, Detail einer romanischen Freske im byzantinischen Stil, Ende des 11. Jahrhunderts n. Chr., Kapelle des heiligen Eldrad und des heiligen Nikolaus, Abtei Novalesa, Piemont, Italien.