Nikolaus von Myra
Ein Herz für die Armen
Nikolaus war von Herzen gut. Als seine Eltern früh an der Pest starben, hinterließen sie ihm ein großes Erbe. Nikolaus wurde der Überlieferung zufolge von seinem Onkel, Bischof Nikolaus von Myra, im Alter von 19 Jahren zum Priester geweiht.
Nikolaus dachte nicht an sich selbst. Er verteilte das Geld an Arme, an Hungernde und Notleidende. In seiner Heimatstadt Patara lebte einst ein armer Mann mit drei Töchtern. Er war so arm, dass er ihnen keine Mitgift geben konnte – und ohne Mitgift konnten sie nicht heiraten. Verzweifelt dachte er schon daran, die Mädchen auf einen schlimmen Weg zu schicken. Nikolaus hörte davon und wollte helfen.
Nach dem Tod seines Onkels, wählten die Menschen von Myra Nikolaus zu ihrem Bischof. Wenn Unrecht geschah, stellte er sich mutig vor die Schwachen. Er rettete Schiffbrüchige aus Seenot und bat in Zeiten der Hungersnot mutig um Korn für sein Volk – und durch sein Gebet fehlte später kein einziges Maß auf den kaiserlichen Schiffen.
Drei zu Unrecht gefangen gehaltene Feldherrn konnte Nikolaus der Überlieferung zufolge wundersam befreien, indem er im Traum dem Kaiser erschien und um ihre Befreiung bat. In anderer Version rettete er sie, indem er das Schwert des Henkers abwehrend ergriff; deshalb wurde er Patron der Gefangenen.
Doch das größte Ringen seines Lebens kam im Jahr 325. Kaiser Konstantin, Sohn der Hl Helena, rief die Bischöfe des ganzen Reiches zum Konzil von Nicäa zusammen. Denn ein Priester namens Arius lehrte etwas Falsches über Jesus Christus: Er behauptete, Jesus sei nicht wahrer Gott, sondern nur ein Geschöpf.
„Das ist Gotteslästerung!“, rief Nikolaus: „Jesus Christus ist eins mit dem Vater und dem Heiligen Geist!“ So sehr entbrannte er im Eifer, dass er aufstand und Arius mit seiner Hand ins Gesicht schlug.
Die anderen Bischöfe erschraken. „So darf sich ein Bischof nicht benehmen!“, sagten sie. Und zur Strafe nahmen sie Nikolaus seine bischöflichen Abzeichen ab: den Hirtenstab, das Evangelienbuch und die Stola. Damit durfte er nicht mehr am Konzil teilnehmen.
Der andere wichtige Streiter für die Gottheit Christi am Konzil von Nizäa war der Hl. Athanasius von Alexandrien.
Das Wunder mit dem Ziegelstein
Um den Glauben an die Dreifaltigkeit und die Gottheit Jesu Christi zu erklären, nahm Nikolaus einen Ziegelstein in die Hand. „Seht“, sagte er, „dieser Stein scheint eines zu sein. Doch er besteht aus drei Wirklichkeiten: Erde, Wasser und Feuer.“
So wurde das Glaubensbekenntnis von Nicäa beschlossen, das wir bis heute beten: dass Jesus Christus „Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott“ ist.
Der Heilige für alle Zeiten
Nikolaus starb um das Jahr 348. Bald schon ehrten Christen ihn als großen Heiligen.
Im Jahr 1087 drohten die Seldschuken, ein muslimisches Reitervolk, die Stadt Myra in Lykien zu erobern. Da machten sich 67 tapfere Seefahrer aus der süditalienischen Stadt Bari auf den Weg. Ihr Ziel: die heiligen Gebeine in Sicherheit zu bringen. In der Dunkelheit der Nacht öffneten sie das Grab, nahmen ehrfürchtig die Reliquien an sich und segelten heimwärts. Am 9. Mai erreichten sie Bari, wo das ganze Volk jubelnd den Heiligen empfing. Bis heute feiert man dort vom 7. bis zum 9. Mai ein großes Fest für San Nicola – mit Prozessionen, Musik und Feuerwerk. So wurde Bari zum neuen Zuhause des heiligen Nikolaus, und von dort aus verbreitete sich sein Ruhm in die ganze Welt.
In vielen Ländern denken wir am 6. Dezember an ihn. Kinder stellen ihre Schuhe vor die Tür, und Nikolaus füllt sie mit Gaben – so, wie er es damals mit den armen Mädchen tat.