Irapuato

2. Tag Sel. Anna Katharina Emmerick NOVENE.
Selige Anna Katharina Emmerich
DAS LEBEN DER HEILIGEN JUNGFRAU MARIA:
MARIA REINIGUNG
Nachdem sich nun die Erfüllung der Tage näherte, daß die heilige Jungfrau ihren Erstgeborenen im Tempel nach dem Gesetze darstellen und auslösen sollte, war alles bereit, daß die heilige Familie vorerst zum Tempel und hierauf nach Nazareth in ihre Heimat ziehen könne.
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Schon sonntags am Abend des 30. Dezembers hatten die Hirten alles erhalten, was die Dienstleute der Mutter Anna noch zurückgelassen. Die Krippenhöhle, die Nebenhöhle und die Grabhöhle Marahas waren nun ganz ausgeräumt und auch ausgefegt. Joseph ließ sie ganz rein zurück.
In der Nacht des Sonntags auf Montag, den 31. Dezember, sah ich Joseph und Maria abermals mit dem Kindlein die Krippenhöhle besuchen und von dem heiligen Orte Abschied nehmen. Sie breiteten den Teppich der Könige zuerst an die Geburtsstelle Jesu, legten das Kindlein darauf und beteten dabei, und zuletzt legten sie es an die Stelle der Beschneidung und beteten auch hier kniend.
Montags, den 31. Dezember, bei Tagesanbruch sah ich die heilige Jungfrau sich auf den Esel setzen, welchen die alten Hirten schon ganz zur Reise gerüstet vor die Höhle geführt hatten. Joseph hielt ihr das Kindlein, bis sie sich bequem gesetzt hatte, und gab es ihr dann auf den Schoß. Sie saß quer auf einem Sitze und hatte die Füße auf einem Fußbrette etwas erhöht stehen. Die Füße standen gegen das Hinterteil des Esels zu. Sie hielt das Kindlein in ihrem weiten Schleier auf dem Schöße verhüllt und sah selig darauf nieder. Sie hatten nur ein paar Decken und Bündelchen auf dem Esel bei sich. Maria saß dazwischen.
Die Hirten nahmen einen rührenden Abschied und geleiteten sie auf den Weg. Sie zogen nicht den Weg, den sie gekommen, sondern zwischen dem Krippenhügel und der Grabhöhle Marahas, an der Morgenseite von Bethlehem herum. — Niemand bemerkte sie.
30. Januar. — Heute am Tag sah ich sie auf dem kurzen Weg von Bethlehem nach Jerusalem gar langsam ziehen, sie müssen oft verweilt haben. Am Mittag sah ich sie auf Bänken ruhen, welche einen mit einem Dach überbauten Brunnen umgaben. Ich sah ein paar Frauen zur heiligen Jungfrau kommen. Sie brachten ihr kleine Krüge mit Balsam und kleine Brote.
Das Opfer der heiligen Jungfrau für den Tempel hing in einem Korbe an dem Esel. Der Korb hatte drei Gefächer, zwei derselben waren inwendig mit etwas überzogen. Es lagen Früchte darin. Das dritte war ein offenes Gitter, und man sah ein paar Täubchen darin.
Ich sah sie gegen Abend vor Jerusalem, etwa eine Viertelstunde vor der Stadt, neben einer größeren Herberge in einem kleinen Hause einkehren, worin ein paar alte kinderlose Eheleute wirtschafteten, von denen sie mit ungemeiner Liebe empfangen wurden. — Ich weiß nun auch, warum ich gestern die Dienstleute Annas für Herbergsleute von Jerusalem hielt. Ich habe sie nämlich auf der Hinreise auch hier bei diesen alten guten Leuten eingekehrt gesehen, und sie haben da auch wohl die Herberge für die heilige Jungfrau bestellt. Es waren Essener Leute, mit Johanna Chusa verwandt. Der Mann betrieb Gärtnerei, schnitt die Hecken und hatte irgendein Geschäft an dem Wege zu besorgen.
1. Februar. — Ich sah heute den ganzen Tag die heilige Familie bei den alten Herbergsleuten vor Jerusalem. Die heilige Jungfrau war meistens in einer Kammer mit dem Kinde allein, welches auf einem niedrigen Mauervorsprung auf einem Teppiche lag. Sie war immer im Gebet und schien sich zu dem Opfer vorzubereiten. Ich hatte dabei innere Weissagungen, wie man sich zu dem heiligen Sakramente vorbereiten solle. — Ich sah die Erscheinung vieler heiliger Engel in ihrer Kammer, welche das Jesuskind verehrten. Ich weiß nicht, ob die heilige Jungfrau diese Engel auch sah, aber ich glaube doch, denn ich sah sie in großer Innerlichkeit. — Die guten Herbergsleute taten der heiligen Jungfrau alles zuliebe, sie mußten eine Ahnung von der Heiligkeit des Jesuskindleins haben.
Abends, gegen sieben Uhr, hatte ich eine Anschauung von dem alten Simeon. Er war ein hagerer, sehr alter Mann, mit kurzem Barte. Er war ein gewöhnlicher Priester, hatte eine Frau und drei erwachsene Söhne, deren jüngster jetzt schon 20 Jahre alt sein mochte. — Ich sah auch Simeon, der dicht am Tempel wohnte, durch einen engen, dunklen Gang in den Mauern des Tempels in eine kleine gewölbte Zelle gehen, die in die dicken Tempelmauern angebracht war. Ich sah nichts in diesem Räume als eine Öffnung, durch welche man in den Tempel hinabsehen konnte. — Ich sah den alten Simeon hier knien und im Gebet entzückt. Da trat die Erscheinung eines Engels vor ihn, welcher ihn ermahnte, morgen früh auf das Knäblein zu achten, welches zuerst werde geopfert werden, denn es sei der Messias, nach welchem er sich so lange gesehnt habe. Nachdem er ihn gesehen, werde er bald sterben. — Ich sah das so schön, der Raum war ganz hell, und der alte heilige Mann leuchtete vor Freude.
Ich sah hierauf, wie er nach seiner Wohnung kehrte und in großer Freude seiner Frau erzählte, was ihm verkündet worden sei. Als seine Frau zur Ruhe gegangen war, sah ich Simeon wieder sich ins Gebet begeben.
Ich habe nie gesehen, daß die frommen Israeliten und ihre Priester sich so übertrieben beim
Gebete bewegten wie die Juden heutzutage. Ich sah aber wohl, daß sie sich geißelten.
Ich sah auch, wie die Prophetin Hanna in ihrer Zelle am Tempel betete und ein Gesicht hatte, die Darstellung des Kindes Jesu im Tempel betreffend.
2. Februar. — Heute morgen, es war noch dunkel, sah ich die heilige Familie, von den Herbergsleuten begleitet, mit den Opferkörbchen und dem zur Reise bepackten Esel die Herberge verlassen und nach Jerusalem zum Tempel ziehen. — Sie gingen am Tempel in einen ummauerten Hof. — Indessen hier Joseph und sein Wirt den Esel in einen Schoppen einstellten, ward die heilige Jungfrau mit ihrem Kindlein von einer betagten Frau freundlich empfangen und in einem bedeckten Gange weiter zum Tempel geführt. Sie hatten eine Leuchte, denn es war noch dunkel. Gleich in diesem Gange kam der alte Priester Simeon der heiligen Jungfrau voll Erwartung entgegengetreten. Er redete wenige freudige Worte mit ihr, nahm dann das Jesuskind und drückte es an sein Herz, worauf er nach einer anderen Seite in den Tempel zurückeilte. — Er war durch die gestrige Ankündigung des Engels so sehnsüchtig, das Kind der Verheißung zu sehen, nach dem er so lange geseufzt, daß er hier schon der Ankunft der Frauen harrte. — Er hatte lange Kleider an wie die Priester außer dem Gottesdienste. Ich habe ihn schon oft im Tempel gesehen und immer als einen alten Priester von keinem höheren Rang. Nur seine große Frömmigkeit, Einfalt und Erleuchtung zeichneten ihn aus.
Die heilige Jungfrau ward von ihrer Führerin bis in die Vorhöfe des Tempels gebracht, in welchen die Opferung geschah, und hier ward sie von Hanna und Noemi, ihrer ehemaligen Lehrerin, welche beide an dieser Seite des Tempels wohnten, empfangen. — Simeon, der nun wieder der heiligen Jungfrau aus dem Tempel entgegenkam, führte sie, die das Kind auf den Armen hatte, nun an die Stelle, wo die Auslösung der Erstgeborenen zu geschehen pflegte, und Hanna, welche Joseph den Korb mit dem Opfer gab, folgte ihr nebst Noemi. Die Tauben waren unten in dem Korb und oben darüber ein Gefach mit Früchten. — Joseph ging zu einer anderen Türe hinein, an den Ort der Männer.
Man wußte wohl im Tempel, daß mehrere Frauen zur Opferung kamen, denn es war alles
zugerüstet. Der Raum, worin die Handlung geschah, war so groß wie die Stadtkirche hier in Dülmen. — Rings an den Wänden brannten viele Lampen, welche immer eine Pyramide bildeten. Die Flämmchen kommen am Ende eines gebogenen Rohres aus einer goldenen Scheibe, die fast so hell wie das Lichtchen blinkt. An der Scheibe hängt, durch ein Gewerb verbunden, ein Löschhörnchen herab, welches, in die Höhe geklappt, das Licht ohne Gestank auslöscht und beim Anzünden wieder herabgestoßen wird.
Es hatten mehrere Priester vor einer Art Altar, an dessen Ecken wie Hörner herausgingen, einen länglich viereckigen Kasten herangetragen, dessen Türen, geöffnet und nochmals herausgeschlagen, das Gestell eines ziemlich geräumigen Tisches bildeten, auf welches eine große Platte gelegt ward. Diese überdeckten sie hierauf mit einer roten und dann mit einer weißen durchsichtigen Decke, die rings bis zum Boden niederhing. — Auf die vier Ecken dieses Tisches wurden mehrarmige, brennende Lampen gestellt, in der Mitte standen um ein längliches Wiegenschiffchen zwei ovale Schüsselchen mit zwei Körbchen. — Alle diese Dinge hatten sie aus Fächern des Kastens selbst hervorgeholt wie auch Priesterkleider, welche auf den anderen feststehenden Altar gelegt wurden. Der aufgestellte Opfertisch war von einem Gitter umgeben. — An beiden Seiten dieses Tempelraumes standen Gestühle, eines höher als das andere, in welchem sich betende Priester befanden.
Es nahte nun Simeon der heiligen Jungfrau, welche das Jesuskind, in einer himmelblauen Hülle eingeschlagen, auf den Armen ruhen hatte, und führte sie durch das Gitter an den Opfertisch, wo sie das Kindlein in ein Wiegenkörbchen legte, und von diesem Augenblicke an sah ich ein unaussprechliches Licht den Tempel erfüllen. Ich sah, daß Gott in demselben war, und über dem Kinde sah ich den Himmel offen bis in den Thron der heiligen Dreifaltigkeit hinein. — Dann führte Simeon die heilige Jungfrau wieder zurück in einen vergitterten Ort der Frauen. — Maria trug ein leise himmelblaues Kleid, einen weißlichen Schleier und war ganz in einen langen gelblichen Mantel eingehüllt.
Simeon ging hierauf an den feststehenden Altar, auf welchen die Priesterkleider gelegt worden waren, und er und drei andere Priester kleideten sich einander zur Feierlichkeit an. Auf dem Arme hatten sie eine Art von kleinem Schild, und ihr Haupt war mit einer gespaltenen Mütze bedeckt. Einer trat hinter und einer vor den Opfertisch, zwei andere standen zu dessen schmalen Seiten und beteten über das Kind.
Nun trat Hanna zu Maria …

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