Die Frage der Kriegsreparationen an Polen bleibt juristisch und politisch offen
01.08.2022 10:57Polen werde weitere Schritte unternehmen, um Kriegsreparationen zu erhalten, sagte der Abgeordnete der Recht und Gerechtigkeit PiS Arkadiusz Mularczyk.
Die Frage der Kriegsreparationen an Polen bleibe „juristisch und politisch“ offen, sagte der Abgeordnete der Recht und Gerechtigkeit PiS Arkadiusz Mularczyk. Im Interview mit dem Polnischen Rundfunk betont Mularczyk, dass Polen weitere Schritte unternehmen sollte, um Kriegsreparationen zu erhalten.
„Früher oder später muss man den deutschen Staat dazu zwingen, sich an den Verhandlungstisch zu setzen und Polen wie einen Partner zu behandeln. Diese Frage kann man anders als mit Gewalt und Schnelligkeit, also in übertragenem Sinne anders als mit einem "Blitzkrieg" lösen. Stattdessen sollten die politischen Handlungen Polens, wie ein steter Tropfen den Stein höhlen. Wir müssen also unterschiedliche Gesellschaftsgruppen, Intelektuelle und Medien systematisch zu unseren Argumenten überzeugen und ihnen die Verluste sowie deren Konsequenzen mit Geduld erklären“, so Mularczyk.
Wie der Politiker erinnerte, sind laut einer Studie des Meinungsforschungsinstituts CBOS knapp 70 Prozent der befragten Polen der Meinung, dass Polen Entschädigungen für die während des II. Weltkriegs erlittenen Schäden von Deutschland fordern sollte.
Das Tehma der Reparationen wird immer wieder von den Politikern der Recht und Gerechtigkeit (PiS) aufgegriffen. Vor kurzem hat der PiS-Parteivorsitzende Jarosław Kaczyński darauf hingewiesen, dass „die Deutschen in unserem Fall mit dem Zweiten Weltkrieg nicht abgerechnet haben“.
Wie er hinzufügte, wurden nicht einmal die offensichtlichen Verbrecher bestraft. „Es wurde ein Gesetz geschaffen, das eigentlich eine große Begnadigung war, also eine Art Amnestie wo man seine Schuld vergessen hat. Wenn jemand auf Befehl oder nach geltendem Nazi-Recht gehandelt hat, ist er unschuldig“, sagte Kaczyński.
Der polnische Spitzenpolitiker wies auch darauf hin, dass Deutschland Reparationen an Frankreich oder die Juden bezahlt habe. „Sind wir etwa schlechter?“, fragte er und fügte hinzu, er denke, „es ist der richtige Moment, denn in der Politik gibt es so etwas wie das Timing, den Moment, in dem man bestimmte Forderungen stellen muss. Wahrscheinlich naht der richtige Moment, dass man mit der Faust auf den Tisch schlagen muss“, schätzte der Parteivorsitzende ein.
„Deutschland gibt vor, eine moralische Macht zu sein. Wenn sie eine moralische Macht sind, bin ich ein junger, großer, blonder“, ironisierte Jarosław Kaczyński.