Das ganze Konzil annehmen
Gastkommentar von Eduard Habsburg-Lothringen:
Zunächst ein peinliches Geständnis: Ich habe die Konzilstexte noch nie gelesen. Ich bin seit 45 Jahren katholisch und habe das geschafft, ohne je das Kleine Konzilskompendium, jenen 776-Seiten-Ziegel von Rahner/Vorgrimler in die Hand zu nehmen und die sechzehn Texte durchzustudieren. Als jedoch die strengen medialen Stimmen immer lauter wurden, die von der Piusbruderschaft die bedingungslose Annahme des gesamten Konzils ohne Abstriche forderten, bevor sie überhaupt die Schwelle der katholischen Kirche überschreiten dürfe, da wurde mir etwas mulmig. Ich selber wusste gar nicht, ob ich das ganze Konzil bedingungslos annahm. War ich jetzt 45 Jahre lang nicht katholisch gewesen, ohne es zu wissen? Musste ich selber in einen Dialog mit Rom eintreten?
Zudem kam der fünfzigste Jahrestag der Eröffnung des Konzils näher. Also holte ich den etwas verstaubten dicken Band aus dem Regal und begann zu lesen. Das erste, was mir auffiel, war, dass offenbar …Mehr
Nehmen wir das Konzil als einen theologischen Text, von den Konzilstheologen ausarbeitet, mit guten Ideen und schweren Irrtümern.
V2 ist eine gute Inspiration, genau so wie die Blogs im Internet.
So kann ich das ganze Konzil annehmen, aber nicht als ökumenisches Konzil im klassischen Sinn.