Gott wohnt an dem Ort, der kein Ort ist
Augustinus († 430)
Aus den "Bekenntnissen".
Groß ist die Kraft des Gedächtnisses, mein Gott, sie ist etwas Erschreckendes, eine tiefe und grenzenlose Fülle, und das ist mein Geist, das bin ich selbst. Was bin ich also, mein Gott? Was ist mein Wesen? Mannigfaltiges, vielgestaltiges Leben in mächtiger Weite. Sie durchmesse ich und fliege, bald hier – bald dorthin; ich dringe tief hinein, so weit ich es vermag, aber da ist nirgends ein Ende. So groß ist die Kraft des Gedächtnisses, so groß die Kraft des Lebens im Menschen, obwohl doch sein Leben sterblich ist. Was soll ich also tun, du mein wahres Leben, mein Gott? Ich will auch diese meine Kraft überschreiten, die Gedächtnis heißt. Ich schreite über sie hinaus, um zu dir zu gelangen, mein seliges Licht. Was sagst du mir? Ich steige durch meinen Geist hindurch auf zu dir, der du unwandelbar über mir thronst. Ich schreite auch hinaus über diese meine Kraft, wo du berührbar bist, mich an dich klammern …Mehr
Das rührt ein wenig an den sog. ontologischen Gotteserweis: Dass der Mensch eine Vorstellung von Absolutheit und Vollkommenheit in sich trägt, die nicht aus ihm selbst stammt, da er sich nicht als Schöpfer dieser Absolutheit und Vollkommenheit erkennt, sondern nur als Nachvollziehender einer über ihn selbst hinaus reichenden und ihn auch bestimmenden Wahrheit.