Osternacht eines halben Heiden

Der trockene Gelehrte Faust sehnt sich nach Lebendigkeit und schafft nicht den Schritt ins befreiende Draußen, aus seiner finsteren Gelehrtenstube hinaus. In der Nacht, schon gegen Morgen, spielt er darum mit dem Selbstmord. Faust redet sich ein, das tödliche Gift werde ihm neue, ungeahnte Erlebnisse bescheren.

Da ertönen die Osterglocken. Und er hört aus dem nahen Gotteshaus das älteste deutsche Osterlied „Christ ist erstanden von der Marter allen“, und er hört den Osterdialog zwischen Engeln und den Frauen um Magdalena, Gesangsfetzen aus dem liturgischen Trierer Osterspiel: „Wen sucht ihr im Grabe, Christenleute?“ „Jesus den Nazarener, er wurde gekreuzigt, ihr Himmelsboten.“ „Er ist nicht hier, er ist auferstanden...“ („Quem quaeritis in sepulchro, o Christicolae?” “Jesum Nazarenum crucifixum, o caelicolae.” “Non est hic; surrexit...“).

Da überwältigt es Goethes heidnischen Gelehrten.
Zwar bekennt er, kein Christ, nicht gläubig zu sein. Aber er erinnert sich an die Osterfeste seiner Jugend. Das ist nicht nur banale Sentimentalität und Nostalgie. Denn er denkt auch an seine jugendliche Frömmigkeit zurück, an mystisches Erleben, an der göttlichen Liebe „Kuss“ in der heiligen Stille des Sonntags.
Und allzu schnell davon ablenkend, geht es ihm wieder um Natürliches.

Was sucht ihr, mächtig und gelind, / Ihr Himmelstöne, mich am Staube? / Klingt dort umher, wo weiche Menschen sind. / Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube; / Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind. / Zu jenen Sphären wag' ich nicht zu streben, / Woher die holde Nachricht tönt; / Und doch, an diesen Klang von Jugend auf gewöhnt, / Ruft er auch jetzt zurück mich in das Leben.

Sonst stürzte sich der Himmels-Liebe Kuss / Auf mich herab in ernster Sabbathstille; / Da klang so ahnungsvoll des Glockentones Fülle, / Und ein Gebet war brünstiger Genuss;

Ein unbegreiflich holdes Sehnen / Trieb mich durch Wald und Wiesen hinzugehn, / Und unter tausend heißen Thränen / Fühlt' ich mir eine Welt entstehn. / Dies Lied verkündete der Jugend muntre Spiele, / Der Frühlingsfeier freies Glück; / Erinnrung hält mich nun, mit kindlichem Gefühle, / Vom letzten, ernsten Schritt zurück.

O tönet fort ihr süßen Himmelslieder!
Die Träne quillt, die Erde hat mich wieder!“


In der Sicherheit, dass der Teufel das Herz des Menschen, den „unendlichen Hunger“ nach Glück (hl. Thomas von Aquin) nicht erfüllen kann, verwettet Faust seine Seele für einen einzigen erfüllten Augenblick. Auf seiner Glückssuche verführt er Gretchen, ein unschuldiges Mädchen, das schwanger wird und in einem depressiven Wahnanfall das eigene Kind umbringt. Dafür wird sie hingerichtet. Faust bemüht sich erfolglos, sie zu retten. Im Zweiten Teil seiner Tragödie lässt Goethe seinen Faust herabsinken auf die Stufe des gierigen Machtmenschen, der sich dem vom Teufel Mephistopheles versprochenen „höchsten Augenblick“ nähert. Denn er erträumt sich den Beifall Tausender und bildet sich ein:

Es kann die Spur von meinen Erdentagen
nicht in Äonen untergehn.“


Sein aufkommendes Glücksgefühl reflektierend, formuliert er:

Im Vorgefühl von solchem hohen Glück
Genieß ich jetzt den höchsten Augenblick.“


Da bricht Faust tot zusammen. Der Teufel wähnt sich als Sieger der Wette. Doch Mephistopheles hat sich getäuscht! Das Glück, das ein Menschenherz vollständig ausfüllen könnte, gibt es auf Erden nicht. Fausts ehemaliges Wissen darüber bewahrheitet sich am Schluss, weil er kurz vor dem erwarteten unendlichen Genussmoment verstirbt.

Die Fürbitte seiner hingerichteten Geliebten, die noch im Zustand der Läuterung, noch nicht im Himmel ist, aber auch Hinweise der Engel auf Fausts ehrliches Bemühen und schließlich das Eingreifen der hl. Muttergottes retten Fausts unsterbliche Seele.
Frohlockend preist ein marienfrommer Theologe die „Jungfrau, Mutter Königin“, ja nennt die hl. Maria im Überschwang gar „Göttin“. Und in den Schlussgesang des „Chorus mysticus“ scheint Goethe selber mit einzustimmen, im Jubel über diese in alle Seinsbereiche eindringende universale „Faust“-Dichtung:

Alles Vergängliche
Ist nur ein Gleichnis;
Das Unzulängliche,
Hier wird’s Ereignis;
Das Unbeschreibliche,
Hier ist’s getan;
Das Ewig-Weibliche
Zieht uns hinan.“

Hier die Vertonung der Schluss-Szene von Robert Schumann:

Scenes from Goethe's Faust, WoO 3, Pt. 3: VII. "Alles vergängliche ist nur ein Gleichnis"...

(Das Portrait zeigt Paul Hartmann als "Faust".)
5351
Bibiana

In Goethes Gretchentragödie find ich den Schluss so gut:
Mephisto jubelt über Gretchens Tod und vermeintliche Verdammnis - dagegen "Stimme von oben":
IST GERETTET !

Die Bärin

Wer war Goethe? Er war ein Dichter mit einer unglaublich farbigen, ja malerischen Ausdrucksweise! Die Sprache fasziniert mich! Dass er Freimaurer war, ist weithin bekannt. Wie aber kann eben ein Freimaurer einen solchen Text verfassen? Goethe hatte das große Talent, sich in die katholische Glaubenswelt hineinzudenken. Goethe nennt aber in seinem Werk die Muttergottes "Göttin". Als Katholikin stehen mir dabei die Haare zu Berge. Ein Protestant wie Goethe hat meist Probleme mit unserer Marienfrömmigkeit und denkt, dass wir die Gottesmutter anbeteten. Natürlich beten wir die Muttergottes nicht an, wir verehren sie, wir lieben sie und wir bitten sie um ihre Fürsprache bei ihrem göttlichen Sohn. Wie freut sich schon ein menschlicher Sohn, wenn seine Mutter von vielen verehrt wird. Die Freude Gottes über unsere Verehrung, die wir SEINER Mutter entgegenbringen, ist unvergleichlich größer! Einem Protestanten ist diese Denkweise fremd, auch Goethe hat das wohl nicht ganz verstanden.

Sunamis 49

Katholische Kirche in der Ukraine

Sunamis 49

Ein heißer und ein vergessener Kriegallocath.blogspot.com

sedisvakanz

Goethe war Freimaurer. Deshalb lässt er Faust gerettet sein, obwohl das lt. katholischer Lehre eine Faust-dicke Lüge ist.
Nicht weil wir er die vom Teufel versprochene Seligkeit vor dem Ableben nicht erfahren hat ist er gerettet worden!
Jeder, der dem Teufel das glaubt und erhofft, wird so sterben wie Faust - reuelos und in der ewigen Verdammnis enden.
Keiner wird diese von Satan versprochene Glückseligkeit auf Erden je erfahren, denn der Teufel ist ja der Lügner und Mörder von Anfang an.
Faust konnte UNMÖGLICH gerettet werden, denn er bereute nicht.
DAS ist Lehre der Kirche!