Schon oft in der Geschichte versuchten Herrschende, ihre Herrschaft durch Angst zu festigen und zu sichern - Angst vor Feinden, vor Krankheiten, vor Armut...
Vielleicht ist sehr gutes Geschichtswissen sogar hinderlich, man verliert sich in der Analyse und erkennt den Focus nicht mehr. Vielleicht reicht es, das Prinzip verstanden zu haben, um zu erkennen, wie der Hase läuft.
Eva-Maria Michels: «Kommunalwahlen in Frankreich: Wahlbeteiligung ca 40% Fast alle großen Städte fallen an die Grünen RN gewinnt Perpignan und ein paar kleinere Städte. LREM überall abgestraft. In Marseille massiver Wahlbetrugsversuch der bürgerlichen Republikaner. Was heißt das konkret? Fast alle großen Städte sind verloren. Die Grünen sind in einigen Städten mit den Linksextremisten der France Insoumise verbündet. Was linksgrüne Herrschaft bedeutet, kann man seit 2014 in Grenoble bewundern, der neuen Verbrechenshauptstadt Frankreichs: ständig Brandanschläge auf Polizeigebäude, eine total abgebrannte Kirche, Anti-Polizeiausstellung des Bürgermeisters lange vor BLM, Bandengewalt, Drogenhandel, abgesägte Sendemasten, kürzlich auch ausgebrannte Annex des Rathauses - kurz das Einsatzgebiet für Tschetschenen und türkische Graue Wölfe erweitert sich rapide. Die Wahlabstinenz = Zeichen der Frustration. Die Mehrheit glaubt nicht mehr daran, dass über demokratische Wahlen etwas zu ändern ist.»
Wenn einige der Ausgangsvoraussetzungen derartig falsch sind fällt es mir sehr schwer die Aussage dieses Artikels ernst zu nehmen. Ich weis das viele Menschen von den Möglichkeiten des Infektionsschutzgesetzes überrascht sind und hier den Einstieg in eine totalitäre Regierungsform sehen. Ich war lange ehrenamtlich im Ktastrophenschutz tätig, daher bin ich nicht so überrascht. Ich gehe mal davon aus das wir in zwei Jahren wieder business as usual pflegen. Ich biete Ihnen da gern eine Wette an: Wenn wir in 2 Jahren von jetzt an noch eine Demokratie mit freien Wahlen sind zahle ich Ihnen gern eine Flasche Alkohls Ihrer Wahl.
Die Ausgangsvoraussetzungen stimmen natürlich. Der Rest Ihrer Argumentation wird nicht klar. Was die Wette angeht: ich trinke keinen Alkohol. Einigen wir uns darauf, dass Sie im Falle, dass ich gewinne (wovon ich ausgehe!!) an Ihrer Rechtschreibung arbeiten.
Ein Text der versucht anderen mitzuteilen, das sie kein Geschichtsbewustsein hätten, aber die Nationalwerkstätten von 1848 in die französische Revolution von 1789 verlegt ist schon merkwürdig. Ein Text der den französischen Revolutionären in der Mehrheit mangelnde Bildung vorwirft, und dabei Jean Baptiste le Rond d’Alembert und Diderot, die Verfasser der ersten modernen Enzyklopädie aus den Augen verliert ist schwierig. Die Köpfe der Revolution waren durchaus gebildet, oft Rechtsanwälte. Das Problem von Robespierre und Co. war nicht mangelnde Bildung, es war Blutdurst. Die ach so imaginäre Furcht der Revolutionäre hatte durchaus einen realen Hintergrund: de.wikipedia.org/wiki/Manifest_des_He… Die Französische Revolution als sozialistisch darzustellen ist einfach grundfalsch. Die grundlegenden Eigenschaften des Sozialismus, Verstaatlichung aller Produktionsbetriebe und Kollektivierung der Landwirtschaft fehlen völlig. Die Idee das das der Staat nur ein Übergang zu einer regierungsfreien Form, dem Kommunismus darstellt fehlt völlig. Was alles nicht die Verbrechen der französischen Revolution rechtfertigen soll,aber die Narrative des Artikels geht an allen Fakten vorbei. Anderen vorzuwerfen man sei sich der Geschichte nicht bewusst und dann derartige Fehler zu begehen ist schon knackig.
Ich habe den Link hier eingestellt, darum antworte ich auch mal: Ich sehe nicht, dass der Text die Nationalwerkstätten nach 1789 "verlegt"; da ist keine Jahreszahl genannt. Es steht in dem Zusammenhang, dass die Revolution kein abgeschlossener Prozess war / ist und dass sie durchgehend sozialistische Züge hat in dem Sinne von Schafarewitschs Definition, nämlich gegen Familie, gegen Privateigentum, gegen (echte) Tradition und gegen Religion. Und das ist nachweisbar so. Wie die Gegenwart zeigt, stimmt Schafarewitschs Definition, und die angeführte Definition im marxistisch-leninistischen Sinne greift zu kurz. Diderot, d'Alembert u.a. sind wohl nicht die klassischen Revolutionäre. Die naturwissenschaftlichen Verdienste in der Enzyklopädie sind unbestritten. Andererseits ist die Enzyklopädie auch hoch manipulativ, insbesondere in den Querverweisen und Fußnoten (Beipiel: Stichwort Eucharistie -> Querverweis auf Kannibalismus). Und es ist nicht falsch, manchen der Rechtsanwälte als erfolglosen Winkeladvokaten zu bezeichnen. Der "klassische" Revolutionär "von der Straße" war sicherlich nicht auf dem Bildungsstand eines Condorcet oder Beaumarchais (und deren Bildungsstand hinderte sie nicht, Falsches zu propagieren). Die Furcht der Revolutionäre war auch nicht so begründet, wie es dargestellt wurde. Das Manifest des Herzogs von Braunschweig war dumm und kontraproduktiv, konnte sowieso nicht durchgesetzt werden und war so Wasser auf ihren Mühlen: es konnte prima für die Propaganda genutzt werden. Das geschah ja auch. Und wo waren die englischen Schiffe? Die spanischen Soldaten? Man soll die Koalitionskriege nicht mit der Grande Peur verwechseln.
Nein, der Text nennt keine Jahreszahl, versucht aber den Brückenschlag zwischen der Revolution von 1789 zum Sozialismus durch einen Verweis auf diese herzustellen. Das dies zwei sehr verschiedene Revolutionen mit sehr unterschiedlichen Zielen seien, geschenkt. Das hier bezieht sich doch sehr offenbar auf die Französische Revolution: So manches findet man ja nicht mehr darin, zum Beispiel auch die vergeblichen Versuche der Sozialisten der französischen Revolution, die zusammenbrechende Wirtschaft (typisch für den Sozialismus) durch Kredite und staatliche Werkstätten („Nationalwerkstätten“) zu retten. Die Pilnizer Deklaration und der versuchte Einmarsch Preussens zeigen das die Befürchtungen wohl doch keine "Fake News" waren. de.wikipedia.org/wiki/Pillnitzer_Deklaration de.wikipedia.org/wiki/Kanonade_von_Valmy Die Definition Schafarewitschs wiederspricht nicht nur der historischen Erfahrung, sondern ist auch nicht trennscharf genug. Der (geplanten) Anschlag auf die Familie, Privateigentum und Religion kann genauso gut auf den Nationalsozialismus, Posadismus, die Waldenser und reichlich andere Sekten passen. Die Merkmale "Vergesellschaftung der Produktionsmittel" und "Übergang in den Kommunismus" sind dem Sozialismus eigen und eignen sich daher besser. Anders gebraucht verkommt dies schnell zu einem Schimpfwort das das was man nicht mag verunglimpfen wollen. Das die allgemeine Krankenversicherung nach Meinung vieler US-Bürger schwerster Sozialismus sei hatte Bismark wohl eher amüsiert. Das eine Revolution nicht nur aus Dichtern und Denkern besteht ist klar, aber gerade die Angehörigen der Nationalversammlung 1789 waren, anders als es der Text darstellt, zimlich gebildet.