Die Katholisch-Theologische Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität hat einen neuen Lehrstuhlinhaber für Pastoraltheologie, den Theologen Christian Bauer. Zitat aus dem Interview in "Kirche und Leben": "Die Kirche ist sehr reformfähig. Ich schlage Ihnen eine theologische Lockerungsübung vor: Schauen wir in die Geschichte! Was wir heute für katholisch halten, ist zum großen Teil eine Erfindung des 19. Jahrhunderts. Katholisch war auch schon ganz anders und kann auch wieder ganz anders sein. Das gilt dann auch für das Machtgefälle zwischen Klerikern und Laien. Vor dem Kipppunkt vom zweiten zum dritten Jahrhundert gab es diese Unterscheidung nicht. Wir müssen diese Unterscheidung heute verlernen und Kirche wieder ganz anders denken."

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Theologe Christian Bauer: Spiritualisierung von Macht muss beendet werden

Aktuellen Kirchenthemen stellt sich Christian Bauer nicht nur im Hörsaal, sondern auch in Social Media und in Videos auf Youtube. "Klerikalismus und Synodalität" ist das Thema der Antrittsvorlesung, die der neue Münsteraner Professor für Pastoraltheologie heute Abend hält. Über ein schiefes Kirchenbild von Papst Franziskus, einen radikalisierten Rechtskatholizismus, ein Theologiestudium trotz "kontaminierter Kirchengelände" und den Reiz einer "Küchentischtheologie" spricht er im Interview mit Kirche-und-Leben.de. Herr Bauer, Sie haben sich für Ihre Antrittsvorlesung ein Thema ausgesucht, das um Klerikalismus und Synodalität kreist. Manche wie auch Papst Franziskus sagen, Synodalität sei das Gebot der Stunde – dürfe aber nicht mit Demokratie verwechselt werden. Zu Recht? Der frühere Erfurter Bischof Hugo Aufderbeck (1909-1981) hat einmal sehr treffend gesagt: „Kirche ist keine Demokratie, weil nur einer der Herr ist. Und sie ist keine Monarchie, weil alle Schwestern und Brüder sind.“ In …

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Guntherus de Thuringia

Ist meinen werten Mitglorianern klar, was für ein Programm Prof. Bauer hier "locker vom Hocker" vorlegt? Er verknüpft zwei unvereinbare Ansätze. Auf der einen Seite will er zurück zum frühchristlichen Christentum der ersten zwei Jahrhunderte. Das wäre, soweit so etwas überhaupt möglich ist, unter Umständen hinnehmbar, denn in der Essenz muss das Ur- und Frühchristentum identisch sein mit dem Christentum der katholischen Kirche heute - so denn die Einheit der Kirche auch durch die Zeiten ("diachron"), die "u n a sancta" eine Realität und nicht nur Lippenbekenntnis ist. Andererseits fordert Bauer eine "Entspiritualisierung". Zwar konkretisiert er: "Entspiritualisierung von Macht". Aber wenn Jesus Sünden vergab, so tat er das nicht aus bloßer Macht (die er etwa wie ein Guru durch geistige Übungen und Fasten akkumuliert hätte), sondern in göttlicher Vollmacht (exousía), und gewisse Vollmachten erteilte er an die Zwölf und an seine Jünger weiter. Es gibt kein entspiritualisiertes Christentum. Ist das Christentum wahr, so kommt es von oben, von Gott, nicht "von unten". Von hier fließt die spirituelle Realität des Christentums aller Zeiten: "Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, denen gab er das Anrecht (oder die Vollmacht; exousía), Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben; die nicht aus dem Blut, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind." Johannes 1,11-13
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Kirchen-Kater

Interessanterweise wollen die Postkatholischen zwar Theologie und Macht trennen, die Macht aber behalten. Genau deshalb verwerfen sie die Katholische Theologie, weil diese heute nicht mehr zu ihren Machtinteressen passt.