Quaerens

Telegramm von Kardinal Ratzinger an Erzbischof Lefebvre vom 29. Juni 1988

Um Christi und seiner Kirche willen bittet Sie der Heilige Vater väterlich und eindringlich, noch heute nach Rom aufzubrechen, ohne die von Ihnen angekündigten Bischofsweihen am 30. Juni durchzuführen.

Er bittet die heiligen Apostel Petrus und Paulus, Sie dazu zu inspirieren, weder das Bischofsamt, das Ihnen anvertraut wurde, noch die Eide zu verraten, die Sie geleistet haben, dem Papst, dem Nachfolger Petri, treu zu bleiben.

Er bittet Gott, Sie davor zu bewahren, diejenigen in die Irre zu führen und zu zerstreuen, die Christus Jesus in der Einheit versammelt hat.

Er vertraut Sie der Fürsprache der Allerheiligsten Jungfrau Maria, der Mutter der Kirche, an.

Joseph Kardinal RATZINGER

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Johannes Paul II.: Motu Proprio "Ecclesia Dei" – 2. Juli 1988

„Die Kirche Gottes hat mit großer Betrübnis von der unrechtmäßigen Bischofsweihe Kenntnis genommen, die Erzbischof Marcel Lefebvre am vergangenen 30. Juni vorgenommen hat. Dadurch wurden alle Anstrengungen zunichte gemacht, die in den letzten Jahren unternommen worden waren, um der von Msgr. Lefebvre gegründeten Priesterbruderschaft St. Pius X. die volle Gemeinschaft mit der Kirche sicherzustellen. In der Tat blieben alle, besonders in den letzten Monaten sehr intensiven, Bemühungen, in denen der Apostolische Stuhl Geduld und Nachsicht bis an die Grenzen des Möglichen gezeigt hat(1), ohne Erfolg.

2. Diese Trauer empfindet besonders der Nachfolger Petri, dem es an erster Stelle zukommt, die Einheit der Kirche zu schützen(2), auch wenn die Anzahl derer, die direkt in diese Erreignisse verwickelt sind, klein sein mag; denn jeder Mensch wird um seiner selbst willen von Gott geliebt und wurde durch das Blut Christi erlöst, das zum Heil aller am Kreuz vergossen wurde.

Die besonderen Umstände, sowohl objektiver wie subjektiver Art, unter denen die Tat des Erzbischofs Lefebvre vollzogen wurde, geben allen Gelegenheit, zu gründlichem Nachdenken darüber, und Anlaß, ihre eigene Treue gegenüber Christus und seiner Kirche zu erneuern.

3. Die Tat als solche war Ungehorsam gegenüber dem Römischen Papst in einer sehr ernsten und für die Einheit der Kirche höchst bedeutsamen Sache, wie es die Weihe von Bischöfen ist, mit der die apostolische Suksession sakramental weitergegeben wird. Darum stellt dieser Ungehorsam, der eine wirkliche Ablehnung des Römischen Primats in sich schließt, einen schismatischen Akt(3) dar. Da sie diesen Akt trotz des offiziellen Monitums vollzogen, das ihnen durch den Kardinalpräfekten der Kongregation für die Bischöfe am vergangenen 17. Juni übermittelt wurde, sind Msgr. Lefebvre und die Priester Bernard Fellay, Bernard Tissier de Mallerais, Richard Williamson und Alfonso de Galarreta der schweren Strafe der Exkommunikation verfallen, wie die kirchliche Disziplin vorsieht(4).

4. Die Wurzel dieses schismatischen Aktes ist in einem unvollständigen und widersprüchlichen Begriff der Tradition zu suchen: unvollständig, da er den lebendigen Charakter der Tradition nicht genug berücksichtigt, die, wie das Zweite Vatikanische Konzil sehr klar lehrt, »von den Aposteln überliefert, ... unter dem Beistand des Heiligen Geistes einen Fortschritt kennt: es wächst das Verständnis der überlieferten Dinge und Worte durch das Nachsinnen und Studium der Gläubigen, die sie in ihrem Herzen erwägen, durch innere Einsicht, die aus geistlicher Erfahrung stammt, wie auch durch die Verkündigung derer, die mit der Nachfolge im Bischofsamt das sichere Charisma der Wahrheit empfangen haben«(5).

Vor allem aber ist ein Traditionsbegriff unzutreffend und widersprüchlich, der sich dem universalen Lehramt der Kirche widersetzt, das dem Bischof von Rom und dem Kollegium der Bischöfe zukommt. Denn niemand kann der Tradition treu bleiben, der die Bande zerschneidet, die ihn an jenen binden, dem Christus selbst in der Person des Apostels Petrus den Dienst an der Einheit in seiner Kirche anvertraute(6).

5. Das Geschehene vor Augen, fühlen wir uns verpflichtet, alle Gläubigen auf einige Gesichtspunkte aufmerksam zu machen, die durch dieses traurige Geschehen besonders deutlich werden.

a) Der Ausgang, den die Bewegung Erzbischof Lefebvres nunmehr genommen hat, kann und muß für alle katholischen Gläubigen ein Anlaß zu einer gründlichen Besinnung über die eigene Treue zur Tradition der Kirche sein, wie sie, durch das ordentliche und des außerordentliche kirchliche Lehramt, authentisch dargelegt wird, besonders durch die Konsilien, angefangen vom Konzil von Nizäa bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil. Diese Besinnung muß alle erneut und wirksam von der Notwendigkeit überzeugen, daß die Treue noch vertieft und gefestigt werden muß und irrige Interpretationen sowie willkürliche und ungerechtfertigte Erweiterungen in Dingen der Glaubenslehre, der Liturgie und der Disziplin vollständig zurückzuweisen sind.

Besonders die Bischöfe haben aufgrund ihres Hirtenamtes die schwere Pflicht, mit klarem Blick, mit Liebe und Unerschrockenheit darüber zu wachen, daß diese Treue überall gewahrt wird(7).

Es ist aber auch erforderlich, daß alle Hirten und übrigen Gläubigen aufs neue sich bewußt werden, daß die Vielfalt der Charismen sowie der Traditionen der Spiritualität und des Apostolates nicht nur legitim sind, sondern für die Kirche einen Schatz darstellen; so wird die Einheit in der Vielfalt zur Schönheit, - zu jener Harmonie, die die irdische Kirche, vom Heiligen Geist angeregt, zum Himmel emporsteigen läßt.

b) Wir möchten ferner auch die Theologen und Fachgelehrten der anderen kirchlichen Wissenschaften darauf aufmerksam machen, daß auch sie von den augenblicklichen Umständen herausgefordert sind. Die Breite und Tiefe der Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils machen nämlich neue und vertiefte Untersuchungen notwendig, in denen die Kontinuität des Konzils mit der Tradition klar hervorgehoben wird, vornehmlich in jenen Bereichen der Lehre, die, weil sie vielleicht neu sind, von einigen Teilgruppen der Kirche noch nicht recht verstanden wurden.

c) Vor allem möchten wir unter den vorliegenden Umständen einen zugleich feierlichen und tief empfundenen, väterlichen und brüderlichen Aufruf an all jene richten, die bisher in irgendeiner Weise mit der Bewegung des Erzbischofs Lefebvre in Verbindung standen: daß sie ihre ernste Pflicht erfüllen, mit dem Stellvertreter Christi in der Einheit der katholischen Kirche verbunden zu bleiben und in keiner Weise jene Bewegung weiter zu unterstützen. Alle müssen wissen, daß die formale Zustimmung zu einem Schisma eine schwere Beleidigung Gottes ist und die Exkommunikation mit sich bringt, wie im Kirchenrecht festgesetzt ist(8).

All jenen katholischen Gläubigen, die sich an einige frühere Formen der Liturgie und Disziplin der lateinischen Tradition gebunden fühlen, möchte ich auch meinen Willen kundtun - und wir bitten, daß sich der Wille der Bischöfe und all jener, die in der Kirche das Hirtenamt ausüben, dem meinen anschließen möge -, ihnen die kirchliche Gemeinschaft leicht zu machen, durch Maßnahmen, die notwendig sind, um die Berücksichtigung ihrer Wünsche sicherzustellen.

6. Im Hinblick auf die Bedeutung und Komplexität der in diesem Dokument angesprochenen Fragen bestimmen wir Folgendes:

a) Es wird eine Kommission eingesetzt, die die Aufgabe hat, mit den Bischöfen, den Dikasterien der Römischen Kurie und den betreffenden Gruppen zusammenzuarbeiten, um die volle kirchliche Gemeinschaft der Priester, Seminaristen, Ordensgemeinschaften oder einzelnen Ordensleuten zu ermöglichen, die bisher auf verschiedene Weise mit der von Erzbishof Lefebvre gegründeten Bruderschaft verbunden waren und die mit dem Nachfolger Petri in der katholischen Kirche verbunden bleiben wollen; dies geschehe unter Wahrung ihrer geistlichen und liturgischen Traditionen, gemäß dem Protokoll, das am vergangenen 5. Mai von Kardinal Ratzinger und Erzbischof Lefebvre unterzeichnet wurde.

b) Diese Kommission besteht aus einem Kardinalpräsidenten und anderen Mitgliedern der Römischen Kurie, in einer Anzahl, die je nach den Umständen für sachlich und angemessen gehalten wird.

c) Ferner muß überall das Empfinden derer geachtet werden, die sich der Tradition der lateinischen Liturgie verbunden fühlen, indem die schon vor längerer Zeit vom Apostolischen Stuhl herausgegebenen Richtlinien zum Gebrauch des Römischen Meßbuchs in der Editio typica vom Jahr 1962, weit und großzügig angewandt werden(9).

7. Während sich das in besonderer Weise der allerseligsten Jungfrau Maria geweihte Jahr schon seinem Ende zuneigt, möchte ich alle auffordern, sich mit dem unaufhörlichen Gebet anzuschließen, das der Stellvertreter Christi durch die Fürsprache der Mutter der Kirche mit den Worten des Sohnes an den Vater richtet: Daß alle eins seien!

Gegeben in Rom, bei St. Peter, am 2. Juli 1988 im zehnten Jahr unseres Pontifikats.

Joannes Paulus PP. II
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Alfredus .

@a.t.m Der Antimodernisten-Eid wurde wie Sie richtig schreiben, durch das Konzil abgeschafft ... ! Gleichermaßen wurden die Freimaurer " nicht " verboten, so dass viele im Klerus Freimaurer sind ! So konnte wie Paul VI. richtig sagte, der Rauch Satans mit der neuen Lehre und dem Modernismus in die Kirche eindringen und einziehen . Es ist der Modernismus der angebetet wird, daraus ergibt sich, dass so vieles nicht mehr römisch katholisch ist . So tümpelt die Kirche vor sich hin und das Glaubenfeuer erlischt, so dass nur noch die ungeliebte, von der Amtskirche verfolgte Pius-Bruderschaft mit einigen Verbindungen, den rechten katholischen Glauben praktizieren und das zu unserem Heil und zum Heil der Kirche ... !

Alfredus .

@a.t.m Wer sind die Eidesbrecher ... ! Sind es wirklich die, die ihrem alten katholischen, römischen Glauben treu verbleiben, oder sind es die welche meinen alles verändern zu müssen ? ! Ist es denn nicht so, dass trotz Konzil der weltweite katholische Glaube schwindet, Priesterseminare sich leeren, Kirchen geschlossen und abgerissen werden ? Was ist mit dem Klerus bis in die Spitze, wo wird noch missioniert ? Wo der Glaube verkündet ? Gott sei Dank gibt es noch Inseln des Glauben und der Tradition ... !

a.t.m

Der Heilige Papst PIUS X hat am 01 Sept. 1910 den sogenannten "Antimodernisteneid" eingeführt den alle Priester leisten mussten, bevor sie das Heilige Sakrament des Priestertums empfangen konnten. Dieser Eid wurde vom VK II Papst 1967 abgeschafft) und diesen Eid hat ein Großteil des Klerus als auch des Episkopates über und nach den Unseligen VK II gebrochen, indem sie eben den Modernismus verfallen sind. Und die Früchte dieses Eidesbruches sind eben die Einführung des NOM, satanische stehende Handkommunion, Einbruch des Messbesuches innerhalb einige Jahrzehnte von 60% auf nur mehr circa 10 % , Abfall von Glauben an Gott dem Herrn und seiner Einen, Heiligen, Katholischen und Apostolischen Kirche. Und die einzigen die diesen klar entgegentreten sind die Priesterbruderschaften usw. die nach wie vor den "Heilige Opfermesse aller Zeiten" zelebrieren, und auch noch einige wenige Kleriker und Episkopaten die nicht den Modernismus der "AFTERKIRCHE" verfallen sind. Mir ist sehr wohl klar das Kleriker diesen Eid ab 1967 nicht mehr leisten mussten, aber alle die diesen dereinst geleistet haben, PJ XXIII, PP VI, PB XVI und viele andere Kleriker und Episkopaten die diesen Eid gebrochen haben mutierten so zu Helfershelfer des Widersacher Gottes unseres Herrn.
Gottes und Mariens Segen auf allen Wegen

Franz Xaver

Bitte um Angabe, welchen empirischen Beweis Sie haben, um die Existenz Gottes nachzuweisen. Meines Wissens nach ist die Existenz Gottes eine Frage des Glaubens, der Philosophie oder der Metaphysik und entzieht sich empirischer Forschung. Wie heißt es noch im Glaubensbekenntnis? Ich glaube an Gott, .... In dieser Hinsicht ist der Antimodernisteneid falsch.

2 weitere Kommentare von Alfredus .
Alfredus .

@Quaerens Kirche auf Petrus bauen ... ! Welchen Petrus ? Die zweitausend Jahre alte Kirche wurde abrupt im Sinne der Freimaurer total verändert ... ! Nicht nur der Glaube wurde verändert, aus Sakralität wurde Profanität, aus Andacht viele Worte . Die ganze Lehre wurde dem Zeitgeist geopfert und deshalb will heute niemand mehr Priester werden ! Der Weg zur Sekte ist so nicht mehr allzu weit ... !

Alfredus .

@Fahrer von Ars Natürlich konnte Johannes Paul II. und Benedikt XI. ihre Sicht im Glauben benennen, aber wie immer liegt die Wahrheit, wie auch hier in der Mitte ! Die Kirche wollte damals ein Exempel durchführen, denn außer Erzbischof Lefebvre, gab es viele Eingaben gegen das Konzil . Das sollte im Keim erstickt werden und weil Lefebvre schon alt und gebrechlich war, hoffte man , dass sich das Thema von allein erledigen würde ! Man gab Lefebvre keine Chance für sein Anliegen und blieb hart, lieblos und unchristlich . Und was geschieht : ... die Piusbruderschaft lebt, während die Konzils-Kirche krank darnieder liegt uns sich nicht erholen wird ... !

a.t.m

Was will man den von Eidesbrecher anderes erwarten als das diese Gegen Gott dem Herrn und seiner Einen, Heiligen, Katholischen und Apostolischen Kirche agieren? Und diesen Helfershelfer des Widersacher Gottes unseres Herrn ist eben die "Heilige Opfermesse aller Zeiten" eben ein gewaltiges Übel und ein gewaltiges Hindernis darin die Kirche Gottes unseres Herrn völlig zu Unterhöllen.
Gottes und Mariens Segen auf allen Wegen

Quaerens

Jesus Christus hat gesagt: Auf diesen Felsen (=Petrus) will ich meine Kirche bauen.

Fahrer von Ars

Ja auf Petrus, aber wer Petrus nicht folgt, baut nicht auf ihm.

Quaerens

So ist es. Lefebvre hatte sich damals selbständig gemacht. Und heute sind wir kurz davor, dass sich wieder jemand selbständig macht.

Fahrer von Ars

Levebvre hatte damals schon erkannt, dass Rom damals schon bereit war, die katholische Lehre in gewissen Punkten dem Bösen auszuliefern. Somit erkannte er, dass er selber Christus und Petrus nur treu sein könne, wenn er die Kirche durch Bischofsweihen rettet. Und er hat Recht getan, denn schließlich hatte er alles von der Muttergottes bestätigt bekommen.