die-tagespost.deWenn Liturgie zur Identitätsfrage wird
Das ZDF hat am vergangenen Sonntag erstmals überhaupt einen queeren Gottesdienst live im Fernsehen übertragen. Es war ein froher und zumindest vom Ablauf und den liturgischen Formeln her unverfälscht katholischer Gottesdienst mit engagierten Gemeindemitgliedern der Queer-Gemeinde Münster, die diese Messe in der St.-Anna-Kirche im Münsteraner Stadtteil Mecklenbeck gefeiert haben. Man spürte, dass die Mitfeiernden es ehrlich meinten mit Gott – dass sie ihn suchen und ihn lieben, wie zwei Gemeindemitglieder in ihren Zeugnissen bekannten. Es ist richtig, was Papst Franziskus 2013 sagte und woran auch der Zelebrant der Messe, Carsten Weidisch, erinnerte: „Wenn eine Person homo ist, aber Gott sucht und guten Willens ist: Wer bin ich, über sie zu richten.“
Und dennoch warf diese heilige Messe nicht nur einige kritische Fragen auf, sondern zeigte auch ein Problem, das viele queere Glaubensinitiativen begleitet: das Kreisen um das eigene Verletzt-worden-sein und das Verharren in der eigenen …