(gloria.tv/ KNA) Die katholische Kirche hat nach den Worten von Kardinal Karl Lehmann bei keinem anderen Thema so radikal umgedacht wie bei der Frage der Religionsfreiheit. Die Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) zur Religionsfreiheit vom 7. Dezember 1965 stelle gegenüber den früheren Aussagen eine «kopernikanische Wende» dar, sagte der Mainzer Bischof am Dienstag in Düsseldorf. Unabhängig von ihrem Wahrheitsanspruch habe sich die Kirche dazu bekannt, dass alle Menschen in religiösen Dingen von Zwang frei sein müssten und niemand dazu gedrängt werden dürfe, gegen sein Gewissen zu handeln.
«Ich kenne keine Beispiele, wo eine Lehrentwicklung solche Differenzen in sich birgt», sagte Lehmann. Dies erkläre auch, warum die Aussagen zum wohl leidenschaftlichsten und längsten Streit des Konzils geführt hätten. «Es war sicher der für die Beratung schwierigste Text», so der Kardinal. Das knappe Dokument zähle zu den wichtigsten theologischen und rechtlichen Fortschritten auf dem Konzil. Zudem sei es nach dem Konzil oft in Menschenrechtserklärungen angeführt worden.
Laut Lehmann haben besonders die nordamerikanischen Bischöfe die Konzilserklärung beeinflusst. Darin finde sich nichts von den Feindseligkeiten der Französischen Revolution und des Laizismus.
Vielmehr werde die staatlich garantierte Religionsfreiheit als Ermutigung für die Glaubensgemeinschaften verstanden. Lehmann äußerte sich in einer Vorlesung als Heinrich-Heine-Gastprofessor an der Düsseldorfer Universität.