Die Verklärung
Heute morgen im Kölner Dom.Zweiter Fastensonntag, Verklärung des Herrn.
Donald Trump hat Ajatollah Ali Chamenei, das religiöse Oberhaupt der Schiiten, ermorden lassen und ist stolz auf seine Tat. Der Iran hat die Nachricht bestätigt. Eine neue Zeitordnung bricht an.
Dagegen steht das Thema des zweiten Fastensonntags: „In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihnen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden weiß wie das Licht.“ Psalm 15 [Ein Psalm Davids] fasst es prägnant: „Herr, wer darf Gast sein in deinem Zelt, wer darf weilen auf deinem heiligen Berg?“
Zwei Lieder aus dem Gotteslob unterstreichen das Thema des Tages: „Gott ist dreifaltig einer“, Maria Luise Thurmair, Gotteslob 354, und "Gott wohnt in einem Lichte" von Jochen Klepper, 1938, Gotteslob 429 und der Psalm 15.
1. Jochen Klepper und sein Text (1938)
Jochen Klepper ist evangelischer Journalist und Schriftsteller. Sein Schicksal ist erschütternd.
Klepper ist mit einer jüdischen Frau verheiratet. Er lebt unter ständigem Druck der Nationalsozialisten, bis er keinen Ausweg mehr sieht.
Der Text „Gott wohnt in einem Lichte“ entsteht am 12. Mai 1938. In einer Zeit, in der der „Führer-Kult“ und das braune Licht der Fackelzüge die Straßen beherrscht, setzt Klepper ein klares theologisches Gegengewicht: Nur Gott wohnt in einem Licht, „dem keiner nahen kann“. Es ist ein Lied über die absolute Souveränität Gottes gegenüber menschlichen Machtansprüchen.
Das Ende: Als die Deportation seiner Frau und seiner Stieftochter unmittelbar bevorstehen, sehen Klepper und seine Familie keinen anderen Ausweg mehr. Er nimmt sich gemeinsam mit ihnen im Dezember 1942 das Leben.
2. Maria Luise Thurmair und ihr Text (1943)
Maria Luise Thurmair (geb. Mumelter) ist eine katholische Dichterin aus Südtirol, die in Deutschland lebte.
Die Situation: Ihr Text „Gott ist dreifaltig einer“ entsteht 1943 – kurz nach dem Tod Kleppers und mitten im Zweiten Weltkrieg.
Man kann Thurmairs Liedtext durchaus als eine Art katholische Antwort oder Ergänzung verstehen. Während Klepper das „unnahbare Licht“ und die Transzendenz Gottes betont (Gott ist weit weg, über den Mächten), rückt Thurmair das Bekenntnis in das Zentrum. In einer Zeit, in der das christliche Glaubensbekenntnis durch die Ideologie der Nazis ersetzt werden soll, schrieb sie ein Lied, das die Gemeinde zwingt, klipp und klar zu sagen: „Wir glauben an den dreifaltigen Gott – und an sonst niemanden.“
3. Die Verbindung beider Lieder ist die Melodie des 15. Psalms. Dass beide Autoren bzw. Herausgeber für diese Texte genau diese Melodie wählen, dürfte kein Zufall sein:
Rückgriff auf die Wurzeln: In der NS-Zeit suchen sowohl die Bekennende Kirche (evangelisch) als auch die katholische Erneuerungsbewegung nach „festen Burgen“. Die Genfer Psaltermelodie des 16. Jahrhunderts strahl eine unerschütterliche, fast trotzige Ruhe aus.
Widerstand durch Tradition: Die Verwendung einer alten, „reformatorischen“ Melodie für ein katholisches Lied (Thurmair) ist damals ökumenisch hochgradig modern und ein Zeichen der christlichen Einheit gegen den gemeinsamen Feind (den Nationalsozialismus).
Interessanter Fakt: Das Lied von Klepper wird erst später im Kirchengesangbuch fest mit der Genfer Melodie verbunden. Thurmair hingegen hat ihren Text von vornherein auf diese Melodie gedichtet.
Man kann auch Thurmairs Lied als Antwort auf Kleppers Lebensgeschichte lesen.
In einer Zeit, in der ruchloser Mord als staatspolitische Pflicht in Erscheinung tritt,
in einer Zeit, in der das alte Lied des Lamech wieder mit Inbrunst gesungen wird: „23 Lamech sagte zu seinen Frauen: Ada und Zilla, hört auf meine Stimme, / ihr Frauen Lamechs, horcht meiner Rede! / Ja, einen Mann erschlage ich für meine Wunde / und ein Kind für meine Strieme. 24 Wird Kain siebenfach gerächt, / dann Lamech siebenundsiebzigfach“,
in solcher Zeit ist das Moment der Bekennenden Kirche um so wichtiger.