Misstrauen

Vom Misstrauen zum kindlichen Vertrauen: Gottes Verzeihung tilgt die Sünde, Seine Gnade trägt die schwache Seele und führt sie auf dem Weg zur Heiligkeit.
Quelle: Frohes Hoffen auf Gott – Lilien des Feldes Verlag
ganzer Beitrag: Misstrauen – Lilien des Feldes Verlag

Wir sind scheu und schüchtern. Wir fühlen uns der Liebe Gottes unwürdig. Wir erinnern uns an frühere Sünden. Wir zögern. Wir schrecken zurück …

Ursprung der Furcht
Und woher kommt das alles? Von unserm Hochmut. Wir fürchten uns deshalb vor der Heiligkeit, weil wir uns vor dem Misserfolg fürchten, vor der Gefahr, schlecht abzuschneiden und beschämt zu werden. Gelangen wir jedoch zur Überzeugung, dass wir aus uns selbst nichts vermögen, dass aber Gott für uns sorgen kann und will, wovor sollten wir uns dann noch fürchten? – Bilden wir uns vielleicht ein, wir könnten aus eigener Kraft zur Heiligkeit gelangen? Ist Gott nicht mächtig genug, sogar aus einem so armseligen Geschöpf, wie wir es sind, einen Heiligen zu machen?

Vertrauen auf Gottes Verzeihung
Doch unsre früheren Sünden jagen uns Schrecken ein. Wir sehen ein, dass wir die Hölle verdient haben. Sind wir aber nicht zur heilgen Beicht gegangen? – Glauben wir nicht, dass Gott uns verziehen hat? – Was für eine sonderbare Ehrerweisung gegen den gütigen Gott wäre es, wenn wir Ihn für einen unerbittlichen Zuchtmeister hielten, der bei jeder Gelegenheit alte Sünden wiederaufstöbert?

Wir reden vom Verzeihen und Vergessen. Soweit unsre armen Mitgeschöpfe in Betracht kommen, sind diese Worte nicht gar zu wörtlich gemeint. Dennoch sind sie, auf Gott angewandt, buchstäblich wahr. – Eine Sünde, die Gott verziehen hat, ist ausgewischt, als wäre sie nie geschehen.

Umgang mit früheren Sünden
Selbst um Reue zu erwecken, ist es nicht einmal gut, über die früheren Sünden nachzudenken. Wenn wir fallen, sollten wir uns sagen:
„Was konnte ich von einem so armseligen Wesen, wie ich es bin, Besseres erwarten? Ohne Gottes Güte wäre ich noch viel tiefer gefallen.“
Erheb dich und geh weiter, als sei nichts geschehen! Gott hat wahrscheinlich mehr Freude am Eingeständnis unsrer Schwäche als Missfallen an unsrer Sünde. Hier sprechen wir selbstverständlich von jenen Seelen, die Gottes Freunde sind, die lieber sterben wollten, als durch eine freiwillige schwere Sünde Gottes Feinde zu werden. Wir sprechen von Seelen, die sich allzu oft über ihre Schwachheitssünden in einer Weise beunruhigen, dass es, wenn es bewusst geschähe, eine Beleidigung des unendlich großmütigen Erlöserherzens wäre.

Heimischwerden bei Gott
Wenn sich die Seele allmählich daran gewöhnt, sich ganz Gott anzuvertrauen und durch eigene Erfahrung sehen lernt, wie hingebend Gott für sie sorgt, verliert sie ihre Angst und wird immer heimischer bei Gott. In der Regel hat Gott große Freude daran, Trost zu schenken. Der Geist Gottes wirkt in den Seelen rasch, wenn Er nicht auf Widerstand stößt.

Christus hat der heiligen Margareta Maria verkündet:
„Die eifrigen Seelen werden rasch zu großer Vollkommenheit gelangen“ (8. Verheißung).

Quelle: Frohes Hoffen auf Gott – P. Daniel Considine S. J., 1939
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