Teresa von Ávila

Die Sonne Kastiliens lag warm auf den Mauern von Ávila, einer Stadt, die wie eine steinerne Festung aus dem goldbraunen Land ragte. Hinter diesen Mauern, im Jahr 1515, wurde in einem Haus der Familie Ahumada ein Mädchen geboren: Teresa.

Schon als kleines Mädchen war Teresa voller Feuer. Theresa, ein wissbegieriges, lebhaftes und fröhliches Kind. Die Mutter erzog sie fromm. Der Vater lernte sie lesen und schreiben.

Sie hörte Geschichten von Heiligen und Märtyrern. In ihrem kindlichen Herzen wuchs eine Sehnsucht, die nicht in Spiele passte. „Wenn man im Himmel Gott immer sieht, warum dann warten?“, fragte sie erst siebenjährig ihren älteren Bruder Rodrigo. Und so schmiedeten sie einen kühnen Plan: Sie wollten zu den Moslems ziehen, um dort den Märtyrertod zu erleiden.

Sie kamen nicht weit. Ein Onkel traf sie vor der Stadt und brachte die kleinen „Pilger“ zurück.

„Von heute an sollst du meine Mutter sein“

Als Teresa 12 Jahre alt war, starb die Mutter Beatriz de Ahumada (1528) und seit jenem Tag lag ein stiller Schmerz in ihren Augen. „Madre…“, flüsterte Teresa. Doch ihre Mutter konnte nicht mehr antworten.

Da hob Teresa den Blick zu einem Marienbild. Die sanften Augen der Gottesmutter schienen sie zu betrachten. „Heilige Maria,“ flüsterte sie mit fester Stimme, „von heute an sollst du meine Mutter sein. Ich lege mein Herz in deine Hände. Behüte mich, leite mich – bis zu deinem Sohn.“

In diesem Augenblick wurde die Traurigkeit leichter. Teresa spürte etwas, das sie später „den Anfang eines neuen Lebens“ nennen würde.

Erste Jahre im Kloster

Als Teresa jugendlich wurde, liebte sie schöne Kleider, Musik und Gesellschaft. Sie las lieber spannende Ritterromane als fromme Heiligenlegenden.
Teresa war sehr schön: „Gott hat mir die Gnade gegeben, dass ich überall, wo ich hinkam, Sympathie hervorrief, und so war ich sehr beliebt.“

Mit zwanzig Jahren trat sie bei den Karmelitinnen von Ávila ein. Ihre Motivation war gemischt: Sie wollte sich nicht einem Mann in der Ehe unterstellen, weil Frauen oft Unrecht zu ertragen hatten. Sie wollte nicht bei der Geburt eines Kindes sterben. Und sie fürchtete sich vor der Hölle.

Teresa war viel im Gesprächszimmer des Klosters, weil sie gerne mit Menschen plauderte: „Ich tat alles Mögliche,“ schrieb sie später, „nur nicht, mich ganz Gott hinzugeben.“

Teresa und ihre Krankheiten

Teresa war von Kindesbeinen an kränklich. Sie erlitt viele Krankheiten, darunter vermutlich Malaria.

1539 lag sie sogar einige Tage im Koma und fiel vier Tage lang in eine schwere Lähmung. Man hielt sie für tot. Ihre Augen wurden bereits wie bei einer Leiche mit Wachs verschlossen und man hätte sie beinahe lebendig begraben. Teresa blieb noch lange gelähmt und konnte auch drei Jahre später kaum gehen.

In ihren letzten Lebensjahren konnte sie den gelähmten rechten Arm nicht mehr benutzen. Ihre treue Freundin und Mitschwester Anna half ihr beim Schreiben, Reisen und sogar beim Anziehen.

Die große Wandlung

Die Lektüre guter Bücher, darunter die „Bekenntnisse“, das Hauptwerk von Augustinus, halfen ihr auf dem Weg zu einer tieferen Bekehrung.

Das wichtigste Erlebnis war dieses: Eines Tages trat Teresa 39jährig in die Klosterkirche. Dort hing das Bild des gegeißelten Christus. Sie kniete nieder, Tränen rannen über ihr Gesicht. „Herr,“ flüsterte sie, „ich will dich nicht mehr beleidigen. Von heute an gehöre ich dir ganz.“

Der Abschied von der Welt war ihr, so sagte sie später, „als trennte sich jeder einzelne Knochen extra“.

Teresa betete inniger, suchte mehr Stille, mehr Einfachheit. Doch sie sah auch, dass viele Klöster ihres Ordens sich in Bequemlichkeit eingerichtet hatten. Teresa spürte: Hier wollte Gott eine Reform.

Eine Frau gegen den Strom

Reformen sind selten beliebt. Als Teresa ihre Pläne vortrug – ein strengeres, ärmeres Leben im Geist des ursprünglichen Karmels –, erntete sie Widerstand. Manche sagten, sie sei stolz. Andere lachten sie aus. Aber Teresa wusste: Das war Gottes Wille.

Sie verließ ihr Kloster mit nichts und ohne Geld im Jahr 1562 und gründete ihr erstes, strengeres Reformkloster: San José (Hl. Joseph) in Ávila.

Teresa von Ávila war seit ihrer Jugend überzeugt, dass der hl. Josef ein mächtiger Fürsprecher ist. In ihrem Buch meines Lebens schreibt sie: „Bis heute habe ich nie etwas von ihm erbeten, das er mir nicht gewährt hätte.“

Die Schwestern lebten in Armut, in Schweigen und Einfachheit, ganz auf Gott ausgerichtet.

Bald folgten weitere Gründungen in vielen spanischen Städten – insgesamt 16 Klöster. Teresa reiste unermüdlich, oft in schlechtem Wetter, in klapprigen Wagen, über holprige Straßen.

Begegnungen und Visionen

Teresa war eine Frau des Gebets, und Gott schenkte ihr besondere Gnaden. Sie sprach von inneren Schauungen und beschrieb die Seele des Menschen als eine „innere Burg“, in der Gott im tiefsten Raum wohnt.

Das „Innere Gebet“ der Teresa Es besteht darin, sich Christus in seinem Inneren vorzustellen. Später nennt sie es auch „Verweilen bei einem Freund“ im Bewusstsein, vom menschgewordenen Gott geliebt zu sein: „Dabei widerfuhr es mir, dass mich ganz unverhofft ein Gefühl der Gegenwart Gottes überkam, so dass ich in keiner Weise bezweifeln konnte, dass Er in meinem Innern weilte oder ich ganz in Ihm versenkt war.“

Durchbohrung des Herzens

Um das Jahr 1559 kniete Teresa in stiller Sammlung in der Kapelle. Da erschien ihr ein Engel, schön, leuchtend, von jugendlicher Gestalt:

„Ich sah neben mir, gegen meine linke Seite zu, einen Engel in leiblicher Gestalt … Er war nicht groß, sondern klein und sehr schön … In den Händen des mir erschienenen Engels sah ich einen langen, goldenen Wurfpfeil, und an der Spitze des Eisens schien mir ein wenig Feuer zu sein. Es kam mir vor, als durchbohre er mit dem Pfeil einigemal mein Herz bis aufs Innerste, und wenn er ihn wieder herauszog, war es mir, als zöge er diesen innersten Herzteil mit heraus. Als er mich verließ, war ich ganz entzündet von feuriger Liebe zu Gott.“

Höllenvision

1560 erlebte sie Visionen der Hölle wie ein Backofen: „Der Eingang schien mir wie ein sehr langer, enger Gang, gleich einem Ofen, sehr niedrig, dunkel und gedrängt; der Boden wies Wasser auf, das aussah wie schmutziger, übelriechender Matsch, und darin wimmelte es von bösen Reptilien. Am Ende war ein Hohlraum in der Wand, wie ein Schrank, und genau dort fand ich mich eingeengt in großer Enge wieder. Doch sogar der Anblick hiervon schien im Vergleich zu dem, was ich dort fühlte, angenehm.“

„Ich fühlte ein inneres Feuer von solcher Natur, dass ich es unmöglich beschreiben kann … Ich war an diesem Ort, so pestilenziös, ohne Hoffnung auf Trost, unfähig zu sitzen oder mich zu legen; eingeengt wie in einem Loch im Mauerwerk; jene schrecklichen Wände, so furchterregend anzusehen, hemmten mich von allen Seiten und erstickten alles. Es gab kein Licht, alles war in die tiefste Finsternis gehüllt.“

Sie fasste den Entschluss, ihr Leben restlos in den Dienst Gottes zu stellen.

Humor und Menschlichkeit

Trotz ihrer mystischen Tiefe war Teresa von entwaffnender Menschlichkeit. Sie lachte gern, erzählte Anekdoten und Witze, und wenn Schwestern sich zu streng gaben, neckte sie sie: „Heiligkeit ist kein langes Gesicht!“

Einmal, auf einer Reise, stürzte der Wagen in einen Graben.

Durchnässt und schmutzig, blickte Teresa zum Himmel: „Warum, o Herr?“ Gott antwortete ihr: „Das mache ich nur mit meinen besten Freunden.“ Teresa redete sofort zurück: „Kein Wunder hast du so wenige!“

Ungefähr 1576, als Teresa schon als Reformatorin bekannt war, fertigte ein ungelernter Karmelitenbruder ein Portrait von Teresa an – das einzige Bild von ihr.

Als sie das fertige Bild sah, lächelte sie und soll gesagt haben: „Gott vergebe dir, Bruder Juan! Du hast mich hässlich gemalt!“

Ihre Schriften

Teresa schrieb viele Bücher und Briefe. Die wichtigsten sind ihre Autobiographie und „Wohnungen der inneren Burg“.

Widerstände und Liebe zur Kirche

Mit den Jahren wurde Teresa schwächer, doch ihre Arbeit hörte nicht auf. 1582 reiste sie nach Alba de Tormes, um ein weiteres Kloster zu besuchen.

Ihre Arbeit brachte ihnen nicht nur Freunde. Es gab Anfeindungen, Intrigen, sogar kirchliche Untersuchungen und Verhöre durch Bischöfe und Theologen. Der päpstliche Nuntius Felipe Sega hatte sie ein „herumvagabundierendes Weib“ genannt. Teresa ließ sich nicht entmutigen.

In ihren letzten Tagen war sie wieder krank und wusste, dass ihre letzte Stunde nahte. „Ich sterbe als Tochter der Kirche.“

Am Abend des 4. Oktober 1582 schloss sie die Augen – ruhig, als sei sie endlich heimgekommen. Die Schwestern weinten, aber in ihren Herzen wussten sie: Teresa lebte jetzt in der Gegenwart dessen, den sie so leidenschaftlich geliebt hatte.

Zitate:

„Nichts soll dich ängstigen, nichts dich erschrecken. Alles vergeht, Gott ändert sich nicht. Wer Gott hat, dem fehlt nichts. Gott allein genügt.“

„Wir sind keine Engel, sondern wir haben einen Leib. Es ist Unsinn, uns selbst zu Engeln machen zu wollen, solange wir auf der Erde leben …“

„Beten ist nichts anderes als ein Gespräch mit einem Freund … weil wir sicher sind, dass er uns liebt.“

„Es ist eine große Kunst, jede Seele zu ertragen.“

„Die Überschrift meines Lebens sollte lauten: Die Erbarmung Gottes.“

„Ich hatte viele Freunde, die mir zum Fallen halfen, beim Aufstehen jedoch war ich ganz allein, so dass ich staune, dass ich nicht für immer liegenblieb.“

„Vor törichter Andacht und sauertöpfischen Heiligen bewahre uns, o Herr!“
1551
Boni

Nach den historischen Berichten über die Heilige Teresa von Ávila (1515–1582) wurde bei der Untersuchung ihres Leichnams tatsächlich eine besondere Veränderung an ihrem Herzen festgestellt.
Hintergrund: Teresa hatte selbst in ihren Schriften eine mystische Erfahrung beschrieben, die heute als die „Transverberation“ bekannt ist. Dabei schilderte sie, wie ein Engel ihr Herz mit einem feurigen Speer durchbohrte – ein starkes Bild für die innige Vereinigung mit Gott.
Als man ihren Leichnam nach ihrem Tod öffnete, berichten Zeitzeugen, dass man an ihrem Herzen eine Art Wunde oder Narbe gefunden habe, die man mit dieser Vision in Verbindung brachte. Die Überlieferung sieht darin eine Bestätigung ihres mystischen Erlebnisses.
Das Herz der Heiligen wurde später als Reliquie aufbewahrt und befindet sich heute im Karmeliterkloster von Alba de Tormes (Spanien). Dort ist die „Narbe“ am Herzen auch heute noch ein Objekt religiöser Verehrung.