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Guntherus de Thuringia

[7] La Divina Commedia - Inferno, canto VII --- Dante Alighieri, Göttliche Komödie, Hölle, 7. Gesang \\
Siebenter Gesang.

Plutus. IV. Kreis. Lastenwälzende Geizige und Verschwender.
V. Kreis. Jähzornige im Styx.
1
Aleph, Pape Satan, Pape Satan![77]
Erhob nun Plutus seine rauhe Stimme.
Und er, der alles wohl verstand, begann:
4
„Getrost, nicht fürchte dich vor seinem Grimme,
Durch alle seine Macht wird’s nicht verwehrt,
Daß ich mit dir den Felsen niederklimme.“
7
Und dann, zu dem geschwollnen Mund gekehrt,
Rief er: „Wolf, schweige, du Vermaledeiter!
Von deiner Wuth sei in dir selbst verzehrt!
10
Wir gehn nicht ohne Grund zur Tiefe weiter,
Dort will man’s, dort, wo einst des Stolzes Schmach
Gezüchtigt Michael, der Himmelsstreiter.“
13
Gleichwie die Segel, wenn der Mast zerbrach,
Erst aufgebläht, zum Knäuel niederrollen,
So fiel das Unthier, als er’s drohend sprach.
16
[41] So ging’s zum vierten Kreis im schmerzenvollen[78]
Unsel’gen Schacht, der alle Schuld umfängt,
Von welcher je im Weltall Kund’ erschollen.
19
Gerechter Gott! Wer häuft, weß Walten drängt:
So neue Müh’n zusammen, solche Plagen!
O blinde Schuld, die hier den Lohn empfängt!
22
Wie der Charybdis Wogen sich zerschlagen,[79]
Zum Gegenstoß gewälzt von Süd und Nord,
So muß sich hier das Volk im Wirbel jagen.
25
Noch nirgend war die Schaar so groß, wie dort.
Laut heulend kamen sie von beiden Enden,
Und wälzten Lasten mit den Brüsten fort.
28
Und stießen sich, um sich beim Prall zu wenden,
Und dann zurück im Bogenlauf zu ziehn,
Und schrien sich zu: Was kargen? – Was verschwenden?
31
So durch den Kreis, in dem kein Lichtstrahl schien,
[42]
Ging’s beiderseits dann nach der andern Seite,
Indem sie beid’ ihr schändlich Schmähwort schrien.
34
Dann wandte Jeder sich zum neuen Streite,
Sobald er seines Zirkels Hälft’ umkreist;
Und ich, der ich den Armen Mitleid weihte,
37
Sprach: „„Treuer Meister; weise meinem Geist:
Wer ist dies Volk? die, links hier, scheinen Pfaffen!
Ist’s Jeder, der uns eine Glatze weist?““
40
Und Er: „Dies sind die Blinden, Geistes-Schlaffen.
Sie wußten in der Welt zum Geben nie,
Und nie zum Sparen sich ein Maß zu schaffen.
43
Und dies erhellt’ aus dem, was Jeder schrie,
Wenn sie im Kreis gelangt zu den zwei Orten,
Wo trennt der Gegensatz des Lasters sie.
46
Die mit den Glatzen waren Pfaffen dorten:
Auch giebt’s hier manchen Papst und Cardinal,
Der einst dem Geiz aufthat des Herzens Pforten.
49
Drauf sprach ich: „„Meister, kenn’ in dieser Zahl[80]
Ich Keinen, der im Schmutz so eitlen Strebens
Sich hier erworben hat die ew’ge Qual?““
52
Und Er zu mir: „Dein Suchen ist vergebens,
Unkenntlich macht sie ihr verdientes Loos,
Die Lichtentfremdung ihres schmutz’gen Lebens.
55
So kommen stets zum Stoß und Gegenstoß,
Bis sie erstehn – die mit verschnittnen Haaren,
Die mit geschlossner Faust – dem Grabes-Schooß.
58
Versetzt hat sie schlecht Geben und schlecht Sparen
Von jener heitern Welt in diesen Zwist;
Nicht sag’ ich welchen, denn du kannst’s gewahren.
61
Sieh hier, mein Sohn, welch eitles Ding es ist
Um jenes Gut Fortunens, das die Leute
Zum Kampfe reizt und zu Gewalt und List.
64
[43] Gieb diesen Müden alles Gold zur Beute,
Das jemals war und ist auf eurer Welt,
Und keine Stunde Ruh giebt’s ihnen heute.“
67
Und ich: „„Mein Meister, sprich, wenn dir’s gefällt,
Wer ist Fortuna doch, die, wie ich hörte,
In ihren Klau’n der Erde Güter hält?““
70
Und er zu mir: „O Arme, Trugbethörte!
Unwissende, zum Schlimmsten stets geneigt!
O daß mein Spruch jetzt deinen Wahn zerstörte!
73
Er, dessen Weisheit Alles übersteigt,[81]
Erschuf die Himmel und gab ihnen Leitung,
Daß jeder Theil sich jedem leuchtend zeigt,
76
Durch seines Lichts gleichmäßige Verbreitung.
So gab er schaffend auch die Dienerin
Dem Erdenglanz zur Führung und Begleitung.
79
Von Volk zu Volk, von Blut zu Blute hin,
Bringt sie das eitle Gut, das nirgends dauert,
Und kümmert nicht sich um der Menschen Sinn.
82
Dies Volk befiehlt, ein andres dient und trauert,
Wie jene Führerin das Urtheil spricht,
Die, wie die Schlang’ im Gras, verborgen lauert.
85
Nichts gegen sie hilft eurer Weisheit Licht.
Sie sorgt, erkennt, vollzieht in ihrem Reiche,
Und weicht darin den andern Göttern nicht.
88
Nie haben Stillstand ihre Wechselstreiche;
So macht sie, von Nothwendigkeit gejagt,
Aus Reichen Arme, dann aus Armen Reiche.
91
Sie ist’s, die ihr an’s Kreuz oft wüthend schlagt,
Von der ihr oft, wenn ihr, anstatt zu schmollen,
Sie loben solltet, fälschlich Böses sagt.
94
Doch sie, die Sel’ge, hört nicht euer Grollen;
[44]
In andrer Erstgeschaffnen Seligkeit
Läßt sie, nichts achtend, ihre Sphäre rollen. –
97
Doch eilig weiter jetzt zu größerm Leid!
Die Stern’, aufsteigend, als ich fortgeschritten,[82]
Gehn abwärts jetzt, und unser Weg ist weit.“
100
Am andern Rand ward nun der Kreis durchschnitten,[83]
An einem Quell, der siedend dort entspringt,
Deß Wellen fort durch einen Graben glitten.
103
Schwärzer als Eisen seine Flut, sie bringt,
Wenn man ihr folgt, hinab zu rauhen Wegen,
Durch die man mit Beschwerde niederdringt.
106
Dann qualmt ein Sumpf, mit Namen Styx, entgegen,
Dort, wo der traur’ge Fluß vom Laufe ruht,
Am Fuß des gräulichen Gestads gelegen.
109
Dort stand ich nun und sah nach jener Flut
Und sah im Sumpfe Leute, koth’ge, nackte,
Zugleich des Jammers Bilder und der Wuth.
112
Man schlug sich nicht mit Fäusten nur, man hackte
Mit Haupt und Brust und Füßen auf sich ein,
Indem man wild sich mit den Zähnen packte.
115
Mein Meister sprach: „Sohn, sieh in dieser Pein
Die Seelen derer, so der Zorn bezwungen.
Auch unter’m Wasser müssen viele sein;
118
Und wenn ein Seufzer ihnen sich entrungen
Dann steigen Blasen auf von ihrer Noth,
[45] Drum sieh von Kreisen diese Flut durchschwungen.
121
Und immer rufen sie, versenkt im Koth:
Wir waren elend einst im Sonnenschimmer,
Das Herz voll Feu’r und Tücke bis zum Tod,
124
Und jetzt im Schlamm’ noch plagen wir uns immer.
Dies Lied klingt gurgelnd vor aus ihrem Schlund,
Stets schluckend, enden sie die Worte nimmer.
127
So gingen, zwischen Pfuhl und festem Grund,
Wir an dem schmutz’gen Teich in weitem Bogen,
Den Blick gewandt zum Volk mit Schlamm im Mund,
130
Bis wir zu eines Thurmes Fuß gezogen.
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Göttliche Komödie (Streckfuß 1876)/Inferno – Wikisource
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