Öffentliche Pflicht-Beichte
Gewissensruf in einer Zeit der Verwirrung
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Herr, unser Gott,
wir treten vor Dich nicht als Richter über andere,
sondern als Menschen,
die ihr Gewissen zu oft beruhigt
und zu selten ernst genommen haben.
Wir bekennen:
Wir haben gesehen
und wollten nicht klar sehen.
Wir haben gehört
und wollten nicht klar sprechen.
Wir haben gespürt,
dass etwas nicht stimmt,
und haben uns doch angepasst.
„Wehe denen, die Böses gut und Gutes böse nennen.“
(Jesaja 5,20)
Wir bekennen:
Wir haben zugelassen,
dass Angst wichtiger wurde als Wahrheit
und Ordnung höher stand als Würde.
Wir haben Menschen als Fälle,
als Zahlen, als Störungen betrachtet
und nicht zuerst als Deine Geschöpfe.
„Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt,
das habt ihr mir getan.“
(Matthäus 25,40)
Wir bekennen:
Wir haben die Gewissensfreiheit nicht ausreichend verteidigt,
obwohl sie zum innersten Kern der Menschenwürde gehört.
„Der Mensch hat das Recht,
in Übereinstimmung mit seinem Gewissen zu handeln
und darf nicht gezwungen werden,
gegen dieses zu handeln.“
(Katechismus der Katholischen Kirche, KKK 1782; vgl. 1738)
Wir haben geschwiegen,
wo ein klares Wort nötig gewesen wäre,
und uns auf formale Rechtmäßigkeit berufen,
wo Wahrheit und Gerechtigkeit geprüft werden mussten.
„Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“
(Apostelgeschichte 5,29)
Wir bekennen:
Wir haben Maria,
das große Zeichen am Himmel (vgl. Offb 12),
verehrt –
aber ihre Haltung zu wenig gelebt:
ihr klares Ja,
ihre Standhaftigkeit unter dem Kreuz,
ihre Treue ohne Absicherung.
Wir haben Zeugen des Gewissens bewundert
und selbst gezögert,
als der Preis spürbar wurde.
Wir bekennen:
Wir haben diskutiert,
wo Gebet nötig gewesen wäre.
Wir haben bewertet,
wo Umkehr gefordert war.
Wir haben uns an Unrecht gewöhnt,
weil es verwaltet und begründet wurde.
„Diese Art fährt nur aus durch Gebet und Fasten.“
(Markus 9,29)
Bitte um Umkehr
Herr Jesus Christus,
Richter der Herzen,
wir bitten nicht um Rechtfertigung,
sondern um Umkehr.
Reinige unser Denken.
Stärke unser Gewissen.
Lehre uns, Wahrheit und Liebe
nicht gegeneinander auszuspielen.
Gib uns den Mut der Zeugen,
die lieber leiden als lügen,
lieber verlieren als verraten.
„Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden;
denn ihrer ist das Himmelreich.“
(Matthäus 5,10)
Maria, Du großes Zeichen,
forme unsere Herzen nach Deinem Herzen.
Mache uns nüchtern, wach und barmherzig.
Bewahre uns vor der Gewöhnung an das Unrecht.
Herr, wir bereuen unsere Schuld.
Wir nehmen uns vor,
mit Deiner Gnade
den Weg der Wahrheit zu gehen.
Amen.
Sven Christian Köhler teilt das