Vor 450 Jahren: Die Bartholomäusnacht oder Pariser Bluthochzeit
Nach diesem Blutbad flohen ca. 200.000 Calvinisten (von ca. 850.000) vorwiegend nach Deutschland bzw. ins Deutsche Reich (hier hauptsächlich die Schweiz und die Niederlande) sowie nach England.
Auszüge aus einem Artikel:
"Die entfesselte Menge ermordete die nach Paris zu den Hochzeitsfeierlichkeiten [Ehe zwischen der Katholikin Margarete von Valois, der Schwester des Königs Karl IX., und Heinrich von Navarra aus dem protestantischen Haus Bourbon, dem späteren Heinrich IV. von Frankreich. GdTh] gereisten Hugenotten, und zwar unterschiedslos Männer, Frauen und Kinder.
Von dem Massaker wurden wegen ihres hohen Ranges jedoch Heinrich von Navarra und Heinrich von Condé (1552-1588) verschont. Verantwortliche brüsten sich oder schweigen angesichts der Mordtaten.
Am 26. August 1572 übernahm Karl IX. in einer Erklärung die Verantwortung für die Mordtat. Die eigentlichen Verantwortlichen waren jedoch das katholische Spanien, der Herzog Heinrich von Guise (1550-1588) und eine katholische Kirche, die alles stillschweigend duldete.
Papst Gregor VIII. (1502-1585) ließ in Rom sogar eine Siegesmedaille mit der Aufschrift prägen: Niedermetzelung der Hugenotten (Ugonottorum Strages 1572) und gab bei dem bedeutenden italienischen Renaissancemaler Giorgio Vasari (1511-1574) ein Historienbild in Auftrag, das noch heute als dreiteiliges Fresko in der Sala Regia des Vatikans in Rom zu sehen ist. Diese Bilder des Schreckens feiern den Triumph der vorgeblich gerechten Sache.
Dem Morden in Paris folgten Massaker in vielen Städten des Landes, u. a. in Orléans, Meaux, Bourges, Albi, Rouen im September, in Toulouse, Gaillac und Bordeaux im Oktober. Deshalb hat der französische Historiker Jules Michelet mit Recht festgestellt: Die Bartholomäusnacht war nicht nur ein Tag, es war eine Saison."
Der Heilige Vater Gregor XIII. empfing erfreut den abgeschlagenen Kopf des protestantischen Heerführers Gaspard II. Graf von Coligny und veranstaltete für das Massenmorden an Andersgläubigen besondere Dankfeste.
"Nach den niedrigsten Schätzungen wurden im Verlauf dieser Aktion in Paris und anderen französischen Städten 30.000 Menschen in viehischster Weise niedergemetzelt. In dem frohlockenden Bericht des Jesuiten Bernardin Castorius an den belgischen Jesuitenprovinzial heißt es: 'Am 22. August also, am fünften Tage von der Hochzeit an, von Maria-Himmelfahrt am achten Tage, an welchem die Königin-Mutter (Katharina v Medici) den heiligen Leib Christi genossen hatte und in unserer Kirche die Abendgebete mit großer Andacht angehört hatte, als ob sie sich zu dem, was sie im Sinne hatte, vorbereitete, wurde der Präfekt des Meeres, den sie Admiral nennen (Coligny), nicht weit vom königlichen Palast, von dem er kam, während er einen ihm übergebenen Brief las, von seinem Soldaten, soweit ich erfahren konnte, aus dem Hinterhalte mit einem Steinwurf getroffen, sodaß er den Mittelfinger der rechten Hand verlor und eine schwere Wunde am linken Arm davontrug.
Dies Geschehnis verursachte allen Guten große Freude. [...] Obwohl der König schon im Sinne hatte, was er nachher tat, verheimlichte er es aber sehr klug, ja, um mich so auszudrücken, wahrhaft königlich und zeigte sich nach außen betrübt, indem er den Admiral besuchte und nach dem Soldaten, der die Wunde beigebracht hatte, forschen ließ.
So ging dieser und der folgende Tag dahin. In der Nacht aber, die dem dem hl Bartholomäus geweihten Tage vorausging, rief er den Herzog von Guise zu sich. Und so wurde dieser Tag, es war ein Sonntag, und die beiden folgenden Tage ganz darauf verwendet, Ketzer zu töten und zu ertränken; sie wurden nachdem die Stadttore geschlossen waren, sorgsam ausgesucht und dann beseitigt. Das hat bei allen Katholiken große Freude verursacht. Dem Admiral, der lange nackt am Flußufer gelegen hatte, wurden der Kopf abgeschlagen, die Augen ausgestochen, Ohren und Nase abgeschnitten und der Rest des Leichnams an Stricken von Knaben durch den Straßenschmutz zum allgemeinen Verbrechergalgen geschleift, an dem in früheren Jahren nur sein Bild gehangen hatte, und dort mit nach unten gekehrtem Kopf, den er aber nicht mehr hatte, mit den Füßen nach oben aufgehängt, ein angenehmes (gratum) und zugleich schreckliches Schauspiel. [...]
Am achten Tage nach dem Blutbade veranstaltete der König, unter großer Freude der Stadt, einen öffentlichen Bittgang und einen zweiten am 4 September, bei dem er selbst mit seiner Mutter, seinen Brüdern und den übrigen Prinzen zugegen war. [...] Es wurden dabei die Gebeine der Heiligen und die Werkzeuge unserer Erlösung und andere religiöse Denkwürdigkeiten umhergetragen zur großen Erbauung der Gemüter. Alle, auch der König, wurden öffentlich durch Prediger ermahnt, dem großen und guten Gott Dank zu sagen für ein solches Gnadengeschenk und durch Gebete die Hilfe Gottes zu erflehen, um die Ketzerei auszurotten.'
Der bekannte Jesuit Canisius schrieb am 5. 9. 1572 an den Ordensoberen Leonhard Kessel über diese schauderhafte Metzelei: 'Sagen wir freudig Dank dem Herrn, der den Katholiken einen neuen und herrlichen Sieg verliehen hat.'" (Der Quell, 23.8.1952, S. 768; Paul Graf von Hoensbroech, Der Jesuitenorden, Band I, Verlag P. Haupt 1926, S. 97; zit. nach: Herwig Dupont, Die Pariser Bluthochzeit am 24.8.1572, in: Mensch und Maß 8/2022, S. 374-376).
Zum Bild von François Dubois oben im Artikel:
"Dubois war ein hugenottischer Maler, der nach den Unruhen nach Genf floh. Seine Bildkomposition vereint die Hauptorte der Grausamkeiten in einem Bild, um eine Gesamtschau herzustellen. Links sieht man die Kirche des Klosters der Grands-Augustins, von hier wurde das Sturmsignal für das Massaker gegeben.
In der Mitte des Hintergrundes sieht man den Louvre. Davor steht Katharina de Medici, die schwarze Witwe, eine der Hauptbeteiligten an dem Massaker. In der Mitte des Bildes sieht man, wie der getötete Admiral de Coligny aus dem Fenster geworfen wird und unten von den versammelten Führern der katholischen Partei, den Herzögen von Guise und Aumale sowie dem Chevalier d'Angoulême enthauptet wird. Rechts ist auf dem Hügel von La Vilette der Galgen von Montfaucon zu sehen. Auf dem Bild nicht festgehalten ist, daß der geschändete Leichnam des Admirals hier noch mit den Füßen aufgehängt wurde. Mit mehr als 150 Personen vereint das Werk fast alle Grausamkeiten dieses Bürgerkriegs. Ausgeweidete schwangere Frauen (rechts im Bild im Hintergrund), Kinder, die einen Säugling am Ende eines Seils schleppen (im Hintergrund in der Mitte, rechts von der Meuniers-Brücke), Frau, die auf einem Bratenspieß aufgespießt ist (nur hinter den Kindern, die das Kind schleppen), nacke und aufgeschichtete Leichen (insbesondere zu Füßen von Katharina von Medici), geplünderte Häuser (hinter den katholischen Führern) usw. Dubois außergewöhnliches Gemälde ist damit so etwas wie eine zeitgenössische Bilddokumentation der Verbrechen an den Hugenotten während der Bartholomäusnacht am 24.08.1572." (Herwig Dupont, a.a.O., S. 378-380)
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Verwendete Literatur:
Herwig Dupont, Die Pariser Bluthochzeit am 24.8.1572, in: Mensch und Maß, 8/2022, S. 371-380.
Bartholomäusnacht – Metapedia
Bartholomäusnacht – Wikipedia
Bild:
Von François Dubois (1529-1584) – Current valid link to file (same source): Musée cantonal des Beaux-Arts; direct link to the image: [2]Original link (museum homepage only): Musée cantonal des Beaux-Arts. Gemeinfrei, File:La masacre de San Bartolomé, por François Dubois.jpg - Wikimedia Commons