Weint, trauert und leidet Christus immer noch?
Einen Kommentar von @Tobias.12 habe ich zum Anlass für die Frage genommen.Wie können wir das wissen?
Natürlich aus der dogmatischen Lehre der Kirche.
Christus hatte auf Erden einen leidenfähigen Leib. Das war ja auch der Grund seiner Menschwerdung.
Hebr 10,5-7 Darum spricht er [Christus] bei seinem Eintritt in die Welt: »Opfer und Gaben hast du nicht gewollt; einen Leib aber hast du mir bereitet. An Brandopfern und Sündopfern hast du kein Wohlgefallen. Da sprach ich: Siehe, ich komme — in der Buchrolle steht von mir geschrieben —, um deinen Willen, o Gott, zu tun!«
Was sagt die dogmatische Lehre der Kirche nun über den verklärten Leib?
Und in welchem Zusammenhang steht dieser zur Seele?
Aus Grundzüge der Dogmatik von Ludwig Ott:
S. 585, Beschaffenheit des Auferstehungsleibes
a) Die Leiber der Gerechten werden nach dem Vorbild des auferstandenen Leibes Christi umgestaltet und verklärt werden. Sent. certa.
Paulus lehrt: "Er (Jesus Christus) wird den Leib unserer Niedrigkeit umgestalten und dem Leib seiner Herrlichkeit gleichgestalten vermöge der Kraft, mit der er sich auch alles unterwerfen kann." (Phil 3, 21). "Gesät wird in Vergänglichkeit, auferweckt in Unvergänglichkeit; gesät wird in Unehre, auferweckt in Herrlichkeit; gesät wird in Schwachheit, auferweckt in Kraft; gesät wird ein sinnlicher Leib, auferweckt ein geistförmiger Leib" (1. Kor 15, 42-44). Vgl. Kor 15, 53.
Im Anschluss an die Lehre des Apostels unterscheidet die Scholastik folgende vier Eigenschaften oder Gaben (dotes) des Auferstehungsleibes der Gerechten:
a) die Leidensunfähigkeit (impassibilitas) , d.i. die Unzulänglichkeit für physische Übel aller Art, wie Leiden, Krankheit, Tod. Sie ist näher zu bestimmen als Umöglichkeit zu leiden und zu sterben (non posse pati, mori). Apk. 21, 4: „Er (Gott) wird jede Träne von ihren Augen wischen, und der Tod wird nicht mehr sein, und Trauer und Klare und Mühsal wird nicht mehr sein; denn das erste ist vergangen.“ (vgl. Apk 7, 16; Lk 20, 36: „Sie können auch nicht mehr sterben. “Der innere Grund der Leidensunfähigkeit liegt in der vollkommenen Unterwerfung des Leibes unter die Seele. Suppl. 82, 1.
Mit anderen Worten: Jesus Christus ist nach seiner herrlichen und glorreichen Auferstehung und Himmelfahrt nicht mehr leidensfähig.
In der Wüste schlägt Moses den Felsen (der nach unserem Verständnis Christus darstellt) zwei mal, damit Wasser aus dem Felsen strömt und die Israeliten in der Wüste nicht durch Verdursten umkommen. Zur Strafe lässt Gott ihn nicht ins heilige Land einziehen. Das kann man sicher so verstehen, dass Christus "nur" ein mal gelitten hat und kann. Ein zweites mal lässt Gott sich nicht schlagen.
Christus sitzt nun zur Rechten des Vaters, bis der Vater ihm alle seine Feinde unter die Füße legt. Und bis dahin herrscht Christus, er weint nicht! (Psalm 110,1; Mt 22,44; 1Kor 15,25; Hebr 10,13)
Wenn die dogmatische Lehre der Kirche richtig ist, die Heilige Schrift wahr ist, dann weint und trauert Christus nicht, da es ihm unmöglich ist. Er hat ja schon seinen verklärten Leib, er ist in allem der Erste (Kol 1,18). Die heilige Gottesmutter soll einen verklärten Leib haben. Das würde allerdings weinen, Trauer und Leid ausschließen! Und falls die Gottesmutter tatsächlich noch trauern und weinen sollte, kann sie keinen verklärten Leib haben. Das würde sich gegenseitig ausschließen!
Wozu diese Frage eigentlich?
Sehr einfach: Jede "Botschaft", die von einem (weiterhin) weinenden, trauernden und leidenden Christus spricht, kann nicht echt sein! Bei Jesus Christus wissen wir aus der Schrift, dass ER definitiv einen verklärten Leib hat. Bei der Gottesmutter wissen wir es nicht mit Gewissheit - zumindest nicht ich. Ich habe da keine Belege.
Damit lässt sich u.a. beweisen, dass z.B. das s.g. "Buch der Wahrheit" ein Lügenbuch ist und nicht von Christus kommen kann!
Falls jemand der Ansicht sein sollte, dass Christus noch heute weint, trauert und leidet, möge das anhand von kirchlich anerkannten Belegen beweisen oder anhand der Heiligen Schrift.
c) Die Behendigkeit (agilitas), d.i. die Fähigkeit des Leibes, in seinen Bewegungen mit größter Leichtigkeit und Schnelligkeit dem Geist zu gehorchen. Sie steht im Gegensatz zur Schwerfälligkeit der irdischen Körper, die durch das Gravitationsgesetz bedingt ist. Vorgebildet ist sie im auferstanden Leib Christi, der plötzlich in der Mitte seiner Apostel gegenwärtig war und ebenso rasch wieder entschwand (Jo 20, 19.26; Lk 24, 31). Der innere Grund der Behendigkeit liegt in der vollkommenen Beherrschung des Leibes durch die verklärte Seele, insofern sie den Leib bewegt. Suppl. 84, 1.
d) Die Klarheit (claritas), d.i. das Freisein von allem Unansehlichen und das Erfülltsein mit Schönheit und Glanz. Jesus versichert: „Die Gerechten werden im Reiche ihres Vaters leuchten wie die Sonne“ (Mt 13, 43). Vgl. Dn 13, 3. Vorbild der Verklärung ist die Verklärung Jesu auf Tabor (Mt 17, 2) und nach der Auferstehung (vgl. Apg 9, 3). Der innere Grund der Verklärung liegt in dem Überströmen der Herrlichkeit der verklärten Seele auf den Leib. Der Grad der Verklärung des Leibes wird gemäß 1 Kor 15, 41 f verschieden sein, und zwar entsprechend dem Grade der Klarheit der Seele; letzterer richtet sich aber nach dem Maße der Verdienste. Suppl. 85, 1.