Heute bei der ersten öffentlichen Messe
Was ich heute erlebt habe:Da bei uns heute noch keine Hl. Messe war forschte ich in der Umgebung nach und meldete mich gestern in einer Kirche in einer nahe gelegenen Kleinstadt zur Messe an. Von 90 möglichen Sitzplätzen waren mit mir 18 vergeben. Ich bekam eine Bestätigungsmail, sozusagen die Erlaubnis, zu kommen.
Heute Morgen fuhr ich hin, freudig aber auch skeptisch, was mich erwarten würde.
Ich war ca. 20 Minuten vorher da, fand locker einen Parkplatz, alles war noch leer.
Beim Eingang standen schon Leute in der Schlange, wie wir es schon gewohnt sind, mit 1,5 m Abstand. Fast alle hatten einen Mundschutz an - ich nicht! Als ich eintreten durfte musste ich mir erst mal die Hände desinfizieren (Weihwasser gabs natürlich nicht!). Ordner fragten mich nach meinem Namen, den sie dann auch in ihrer Liste fanden. Ich bekam einen kleinen Zettel mit der Bankreihe und der Sitzplatznummer und bekam ungefähr gezeigt, wohin ich gehen sollte.
Die Plätze waren schön gerichtet, nicht einfach irgendwelche Klebepunkte, sondern an jedem Platz stand eine kleine Osterkerze, ein Gebetsbildchen für die diesjährige Osterkommunion und das Evangelium von heute mit Gedanken und Gebeten dazu lagen bereit. Und, natürlich die Nummerierung, die ich auch auf meinem kleinen Zettel stehen hatte, damit ich weiß, welcher mein Platz ist. Ich kam mir vor wie im Theater.
Am Ende des Mittelgangs war etwas aufgebaut - ein Tisch mit rechts und links einer Erhöhung, mit weißen Tüchern ausgekleidet. Darüber war eine Glasscheibe angebracht, so dass nur die Lücke zwischen den beiden Erhöhungen frei blieb. Da sollte wohl die Handkommunion ausgeteilt werden.
Der große Run begann erst, nachdem ich schon auf meinem Platz saß. Es entstand ein immer lauter werdendes Stimmengemurmel, begleitet von Schritten. Die Leute suchten ihre Plätze, fragten, irrten in der Kirche rum, mussten wieder zurück, bis sie schließlich sitzen konnten.
Ich saß an meinem Platz und konnte mich nicht freuen, fühlte mich, wie in einem schlechten Traum. Die Tränen rannen mir runter und ich sagte in Gedanken immer wieder: "Was haben sie nur mit deiner Kirche gemacht?"
Die Messe begann viel später, weil es so lange dauerte, bis alle, die gekommen waren, einen Platz zugewiesen und gefunden hatten.
Fast alle hatten einen Mundschutz an, auch die beiden Ministranten.
Als die Messe begann war aber eine sehr gute, andächtige Stimmung. Man merkte allen Menschen an, dass sie Sehnsucht nach der Messe hatte. Es war ruhig in der Kirche, trotz der vielen Familien mit Kindern.
Wir wurden angewiesen, leise zu singen. Eine Schola sang und beim Refrain stimmte die Gemeinde mit ein. Doch bei jedem Lied wurde der Gesang lauter und freudiger.
Zur Kommunion ging ich nicht! Die Leute streckten wirklich ihre Hände in die Öffnung, nahmen die Kommunion und dann entfernten sie den Mundschutz, nahmen die Kommunion und machten schnell wieder den Mundschutz vor den Mund. Die ganze Zeit rannen mir die Tränen runter.
Ob ich da noch mal hingehe?