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[19] La Divina Commedia - Inferno, canto XIX --- Dante Alighieri, Göttliche Komödie, Hölle, 19. Gesang \\
Neunzehnter Gesang.
VIII. Kreis. 3. Bulge. Simonisten. Nikolos III. und andere Päpste.
1
O Simon Magus, ihr, o Arme, Blöde,[226]
Die, was der Tugend ihr vermählen sollt,
[106]
Die Gaben Gottes räuberisch und schnöde,
4
Ihr hingabt schnöd’ um Silber und um Gold,
Von euch soll jetzo die Posaun’ erschallen;
Euch zahlt der dritte Sack der Sünden Sold. –
7
Erstiegen hatten wir die Felsenhallen
Des Stegs, von welchem mitten in den Schooß
Des nächsten Schlunds die Blicke senkrecht fallen.
10
Allweisheit, wie ist deine Kunst so groß,
Im Himmel, auf der Erd’, im Höllenschlunde.
Und wie gerecht vertheilst du jedes Loos:
13
Ich sah dort an den Seiten und im Grunde
Viel Löcher im schwarzbläulichen Gestein,
Gleich weit und sämmtlich ausgehöhlt zum Runde.
16
Sie mochten so, wie jene, wo hinein[227]
Beim Taufstein Sanct Johanns die Täufer treten,
Und enger nicht, doch auch nicht weiter sein.
19
Eins dieser sprengt’ ich einst, weil ich in Nöthen
Ein halbersticktes Kindlein drin entdeckt:
So sei’s besiegelt, so will ich’s vertreten!
22
Ich sah, daß sich aus jedem Loch gestreckt,
Zwei Füß’ und Beine bis zum Dicken fanden,
Der andre Leib blieb innerhalb versteckt;
25
Sah wie die Sohlen beid’ in Flammen standen,
Und sah die Knorren zappeln und sich drehn,
So stark, daß sie wohl sprengten Kett und Banden;
28
Wie wir’s an ölgetränkten Dingen sehn,
Wo obenhin die Flammen flackernd rennen,
So von der Ferse dort bis zu den Zeh’n.
31
[107] „„Gern, Meister,““ sprach ich, „„möcht’ ich diesen kennen,
Der wilder zuckt, als die, so ihm gesellt,
Und dessen beide Sohlen röther brennen.““
34
Und Er: „Ich trage dich, wenn dir’s gefällt,
Am schiefen Hang hinab – Er wird dir zeigen,
Wer einst er war, und was im Loch ihn hält.“
37
Drauf Ich: „„Du bist der Herr, und mein Bezeigen
Folgt dem gern, was mir als dein Wille kund,
Und du verstehst mich auch bei meinem Schweigen.““
40
Drauf ging’s zum vierten Damm, und links zum Schlund[228]
Trug mich mein Herr hinab zu neuen Leiden
In den durchlöcherten und engen Grund.
43
Er ließ mich nicht von seiner Hüfte scheiden,[229]
Auf die er mich gesetzt, bis bei dem Ort
Deß, der da weinte mit den Füßen beiden.
46
„„Du, mit dem Obern unten,““ sprach ich dort,
„„Hier eingerammt gleich einem Pfahl, verkünde:
Wer bist du? sprich, ist dir vergönnt dies Wort.““
49
Ich stand, dem Pfaffen gleich, dem seine Sünde[230]
Der Mörder beichtet, welcher, schon im Loch,
Ihn rückruft, daß der Tod noch Aufschub finde.
52
Da schrie er: „Bonifaz, so kommst du doch,[231]
[108]
So kommst du doch schon jetzt, mich fortzusenden?
Und man versprach dir manche Jahre noch?
55
Schon satt des Guts, ob deß mit frechen Händen
Du trügerisch die schöne Frau geraubt,
Um ungescheut und frevelnd sie zu schänden?“
58
Ich stand verlegen, mit gesenktem Haupt,[232]
Wie wer nicht recht versteht, was er vernommen,[233]
Und sich, beschämt kein Gegenwort erlaubt.
61
Da sprach Virgil: „Was stehst du so beklommen?
Sag’ ihm geschwind, daß du nicht jener seist,
Den er gemeint!“ – Ich eilt’, ihm nachzukommen.
64
Die Füße nun verdrehte wild der Geist,
Und sprach mit Seufzern und mit dumpfen Klagen:
„Was also ist’s, das so dich fragen heißt?
67
Doch standest du nicht an, dich herzuwagen,
Um mich zu kennen, wohl, so sag’ ich dir,
Daß ich den hehren Mantel einst getragen.
70
Der Bärin wahrer Sohn war ich, voll Gier
Für’s Wohl der Bärlein, und für diese steckte
Ich in den Sack dort Gold, mich selber hier.
73
Auch unter meinem Haupt gibt’s viel Versteckte,
Fest eingerammt hier in dem Felsenspalt,
Sie, die vor mir die Simonie befleckte.
76
Und dort hinab versink’ auch ich, sobald
Der kommt, für welchen ich dich angesehen,
Und der mir folgt in diesem Aufenthalt.
79
[109] Doch wird er nicht so lang, als mir geschehen,
Die Füße brennend, köpflings eingesteckt,
Fest eingepfählt in diesem Loche stehen.
82
Denn nach ihm kommt, mit schlechterm Thun befleckt,[234]
Ein Hirt von Westen, ein gesetzlos Wesen,
Der mich und ihn hinab zur Tiefe schreckt.
85
Ein neuer Jason ist’s, von dem zu lesen[235]
Im Maccabäer-Buch, dem Philipp wird,
Was diesem einst Antiochus gewesen.“
88
Ich weiß nicht, ob ich nicht zu sehr geirrt,[236]
Auf solche Red’ ihm dieses zu versetzen:
„„Sprich, was verlangt einst unser Herr und Hirt,
91
Zuerst von Petrus wohl an Gold und Schätzen,
Um ihm das Amt der Schlüssel zu verleihn?
„Komm, sprach er, um mein Werk nun fortzusetzen!“
94
Was trug’s dem Petrus und den Andern ein,[237]
Als man durch Loos einst den Matthias kürte,
Statt dessen, der ein Raub ward ew’ger Pein?
97
Nichts ward dir hier, als das, was sich gebührte!
Und hüte wohl das schlecht erworbne Geld,
[110]
Das gegen Karln zur Kühnheit dich verführte.[238]
100
Und nur, weil Ehrfurcht meine Zunge hält
Für jene Schlüssel, die du einst getragen,
Da du gewandelt in der heitern Welt,
103
Enthalt’ ich mich, dir Schlimmeres zu sagen:
Daß schlecht die Welt durch eure Habsucht ist,
Die Guten sinken, und die Schlechten ragen.
106
Euch Hirten meinte der Evangelist,[239]
Bei Ihr, die sitzend auf den Wasserwogen
Mit Königen zu buhlen sich vermißt.
109
Sie, mit den sieben Häuptern auferzogen,
Sie hatt’ in zehen Hörnern Kraft und Macht,
So lang’ der Tugend ihr Gemahl gewogen.
112
Eu’r Gott ist Gold und Silber, Glanz und Pracht,
Wohl besser sind die, so an Götzen hangen,
Die einen haben, wo ihr hundert macht.
115
Welch Unheil, Constantin, ist aufgegangen –[240]
Nicht, weil du dich bekehrt, nein, weil das Gut
Der erste reiche Papst von dir empfangen.““
118
Indeß ich also sprach mit keckem Muth,
Da, sei’s, daß Zorn ihn, daß ihn Reue nagte,
Verdreht’ er beide Bein’ in großer Wuth.
121
Doch schien’s, daß es dem Führer wohlbehagte;
So stand er dort, zufrieden, aufmerksam,
Als ich so nachdrucksvoll die Wahrheit sagte;
124
Worauf er mich mit beiden Armen nahm,
Und als er mich an seine Brust gewunden
Den Weg zurückestieg, auf dem er kam.
127
Er trug, nie matt, wie fest er mich umwunden,
Mich auf des Bogens Höhe sonder Rast,
[111] Durch den der viert’ und fünfte Damm verbunden.
130
Dort setzt er sanft zu Boden meine Last.
Sanft, ob der Fels auch, steil emporgeschossen,[241]
Zum Wege kaum für eine Ziege paßt;
133
Da ward ein andres Thal mir aufgeschlossen.
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INFERNO
Göttliche Komödie (Streckfuß 1876)/Inferno – Wikisource

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