Seelenschau
Der stigmatisierte Kapuziner Pater Pio in Giovanni Rotondo, ein Märtyrer des Beichtstuhls, besaß die göttlichen Gaben der Seelenschau. Das spürten vor allem viele Gläubige, wenn sie bei ihm im Beichtstuhl knieten.
Eine Dame um die Vierzig kniete einmal als Letzte an der Kommunionbank. P. Pio herrschte sie streng an: "Weg, weg mit Dir!" Weinend und totenbleich verließ sie die Kirche. Warum wohl wurde sie vor aller Augen von ihm weggeschickt? Sie selber wusste es; sie erzählte, sie habe bei einem anderen Pater gebeichtet und sogar des Öfteren ihren Ehebruch bekannt – dies jedoch ohne Reue und ohne den Vorsatz, von ihrem Jugendfreund zu lassen. Dieser Pater freilich konnte ihr nicht in die Seele schauen und musste so ihren Worten und Vortäuschungen glauben. Pater Pio aber hatte sie sofort durchschaut und ihr diesen heilsamen Schock versetzt. Tagelang rang sie nun mit sich, bis sie den Entschluss fasste, ein neues Leben zu beginnen. Nach einer reuigen Beichte kniete sie wieder bei Pater Pio an der Kommunionbank und empfing aus seiner Hand dankbar den Heiland.
Eine große Sünderin, die ihr Kind ertränkt hatte, rief Pater Pio alle ihre Sünden, bis in die kleinsten Einzelheiten ins Gedächtnis auf, außer dieser einen. Der Pater wollte, dass sie eingestand, aber die Frau schwieg. Schließlich sagte er ihr: „ Schau dort in den Teich!“. Sie war überrascht und nach einem heftigen Kampf mit sich selbst, bekannte sie. „ Jetzt kann ich dir die Lossprechung geben“ sagte Pater Pio.
Ein junger Mann wurde ebenso von Pater Pio vorerst von der Kommunionbank verwiesen. Er legte dabei die hl. Hostie in den Kelch zurück und verwarnte ihn: "Du hast zuerst die Beichte nötig! Weg, weg!"
Pater Pio überging öfter einzelne Gläubige bei der Spendung der Hl. Kommunion, da ihr Seelenzustand nicht in Ordnung war. Jeder erkannte dann selbst den Grund und sein Gewissen rührte sich.
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