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[26] La Divina Commedia - Inferno, canto XXVI --- Dante Alighieri, Göttliche Komödie, Hölle, 26. Gesang \\
Sechsundzwanzigster Gesang.
VIII. Kreis. 8. Bulge. Schlechte Rathgeber. Ulysses u. A.
1
Freu’ dich Florenz! Du bist so hoch und groß,[328]
Daß du die Flügel regst ob Land und Meere
Und selbst dein Nam’ erklingt im Höllenschooß!
4
[145] Fünf deiner Bürger fand ich, und verzehre
Mich drob vor Schamglut, bei den Dieben hier –
Und dir auch dient es nicht zu größrer Ehre!
7
Doch zeigt’ ein Morgentraum die Wahrheit mir,[329]
So wirst du großes Unglück bald empfinden,
Und Prato selbst, dein Nachbar, gönnt es dir.
10
Käm’s jetzt, man würd’ es nicht zur Unzeit finden;[330]
Und, da’s geschehn muß, möcht’ es jetzt doch sein!
Denn, älter, werd’ ich’s schwerer nur verwinden.
13
Wir stiegen nun auf zackigem Gestein,[331]
Das uns als Trepp’ herabgeführt, zurücke,
Mein Herr voraus und ich ihm hinterdrein.
16
Durch Trümmer ging und rauhe Felsenstücke
Der öde Weg und nöthig war die Hand,
Damit der Fuß aufklimmend weiter rücke.
19
Tief schmerzte mich, was nun mein Auge fand;
Und jetzt noch fass’ ich, wenn ich dran gedenke,[332]
[146]
Des Geistes Zaum zu festerm Widerstand,
22
Damit ich nicht den Lauf vom Rechten lenke,
Nicht, was zu meinem Wohl mein Stern bezweckt,
Was höhre Huld, verderbend, selbst mich kränke. –
[Denn:]
25
So viel der Bau’r, am Hügel hingestreckt,[333]
Zur Zeit, da Er, deß Blick die Erde lichtet,
Sein Antlitz uns am wenigsten versteckt,
28
Wenn sich die Fliege vor der Schnacke flüchtet,
Johanneswürmchen sieht im Thal entlang,
Wo er mit Hipp und Pflug sein Thun verrichtet;
31
So viele Flammen sah den tiefen Gang
Des achten Thals mein Auge jetzt verklären,
Sobald ich dort war, wo’s zur Tiefe drang.
34
Wie der, der sich gerächt durch wilde Bären,[334]
Elias Wagen sah von dannen zieh’n,
Als das Gespann aufstieg zu Himmels-Sphären,
37
Umsonst ihm mit dem Auge folgt’ und ihn
Gestaltlos nur als ferne Flamm’ erkannte,
Die wie ein leichtes Abendwölkchen schien:
40
So war’s, als wandelnd hier manch Flämmchen brannte,
Und keines doch, das seinen Raub mir wies,
Ob jegliches gleich einem Geist entwandte.
43
So vorgebeugt zum Grunde sah ich dies,[335]
Daß ich, hielt’ ich nicht fest an einem Blocke,
Zur Tiefe fuhr, ohn’ daß ich nur mich stieß.
46
Virgil, der sah, wie mich der Anblick locke,
Sprach nun: „Jedwedes Feu’r birgt einen Geist,
Und das, worin er brennt, dient ihm zum Rocke.“
49
[147] Drauf ich: „„Die Kunde, die du mir verleihst,[336]
Macht mich gewiß; schon glaubt’ ich’s zu erkennen,
Und fragen wollt’ ich schon, wie Jener heißt,
52
Deß Flamm’ ich seh in zwei sich oben trennen,
Als säh’ ich in des Scheiterhaufens Glut
Eteokles und seinen Bruder brennen.““[337]
55
Und er: „Sie dämpft Ulysseus Uebermuth
Und Diomeds. Sie laufen hier zusammen.
In ihrer Qual, wie einst in ihrer Wuth.
58
Um’s Trugroß klagen sie in diesen Flammen,[338]
Und um das Thor, das Ausgang Jenen bot,
Der Heldenschaar, von der die Römer stammen.
61
Die List beweinen sie, durch die, schon todt,
[148]
Noch Deidamia den Achill beklagte,[339]
Auch des Palladiums Raub rächt ihre Noth.“
64
„„Vermögen sie noch hier zu sprechen,““ sagte
Ich drauf zum Meister, „„o dann bitt’ ich dich
Viel tausendmal, da ich sie gern befragte,
67
Laß mich, bis die getheilte Flamme sich
Zu uns hierher bewegt, ein wenig weilen.
Sieh, hin zu ihr zieht die Begierde mich.““
70
„Der Bitte,“ sprach er, „muß ich Lob ertheilen,
Wie sie verdient; sie sei darum gewährt,
Doch laß die Sprechlust nicht dich übereilen.
73
Laß mir das Wort; ich weiß, was du begehrt.
Spröd blieben sie gewiß bei deinem Worte,[340]
Denn Griechen sind sie, stolz auf ihren Werth.“
76
Als nun die Flamme nah war unserm Orte,
Da hört’ ich diese Red’, als Ort und Zeit
Er für geeignet hielt, von meinem Horte:
79
„Ihr, die ihr zwei in einer Flamme seid,
Wenn ich euch jemals Grund gab, mich zu lieben,
Da ich dem Ruhm der Helden mich geweiht,
82
Und in der Welt das hohe Lied geschrieben,
So weilt bei mir und sag’ Ulyß mir an,
Wo auf der Irrfahrt sein Gebein geblieben.“
85
Der alten Flamme größres Horn begann
Zu flackern erst und murmelnd sich zu regen,
Als wäre sie vom Wind gefaßt, und dann
88
Rasch hin und her die Spitze zu bewegen,
Gleich einer Zung’, und deutlich tönt’ und klar
Dann aus der Flamm’ uns dieses Wort entgegen:
91
[149] „Als ich von Circen schied, die mich ein Jahr[341]
Und länger bei Gaëta festgehalten,[342]
Eh’s so benannt noch von Aeneas war,
94
Da ließ ich nicht das Mitleid für den alten[343]
Gebeugten Vater, nicht der Gattin Huld,
Noch Vaterzärtlichkeit im Herzen walten.
97
Nicht tilgten sie in mir die Ungeduld,
Die Welt zu sehn und Alles zu erkunden,
Was drin der Mensch besitzt an Werth und Schuld.
100
Drum warf ich mich, kaum meiner Haft entbunden,
In einem einz’gen Schiff ins offne Meer,
Sammt einem Häuflein, das ich treu erfunden.
103
Nach Spanien führt’ und Libyen hin und her
Ich meine wackre Schaar, als kühner Leiter,
Und jedem Eiland jenes Meers umher.
106
Alt war ich schon und schwer, auch die Begleiter,
Da war mein Schiff am engen Schlunde dort,[344]
Wo Herkuls Säulenpaar gebeut: Nicht weiter!
109
Als hinter uns nun rechts Sevilla’s Bord,
Und linker Hand die Zinnen Ceuta’s waren,
Sprach ich zu den Gefährten dieses Wort:
112
O Brüder, die durch tausend von Gefahren
Ihr hier im Westen kühn euch eingestellt,
Verwendet jetzt, um Neues zu erfahren,
115
Weil Seele noch und Leib zusammenhält,
Den kurzen Rest von eurem Erdenleben
Der Sonne nach zur unbewohnten Welt![345]
[150]
118
Bedenkt, wozu dies Dasein euch gegeben!
Nicht um dem Viehe gleich zu brüten, nein,
Um Wissenschaft und Tugend zu erstreben.
121
Den Meinen schien dies Wort ein Sporn zu sein,
Hätt’ ich gewollt, nicht konnt’ ich mehr sie zwingen,
Und rastlos ging’s ins weite Meer hinein.
124
Und morgenwärts gewandt das Steuer, gingen[346]
Wir, tollen Flugs, dann immer linker Hand,
Und unsrer Eil’ verliehn die Ruder Schwingen.
127
Schon wurden jetzt vom Blick der Nacht erkannt[347]
Des andren Poles Stern’ und unsre klommen
Kaum übers Meer noch an des Himmels Rand,
130
Schon fünfmal war entzündet und verglommen
Des Mondes Licht, seit wir, dem Glück vertraut,
Durch den verhängnisvollen Paß geschwommen,
133
Als uns ein Berg erschien, von Dunst umgraut
Vor weiter Fern’, und schien so hoch zu ragen,
Wie ich noch keinen auf der Erd’ erschaut.
136
Erst jubeln ließ er uns, dann bang verzagen,
Denn einen Wirbelwind’ fühlt’ ich entstehn
[151] Vom neuen Land, und unsern Vorbord schlagen;
139
Er macht’ uns dreimal mit den Fluten drehn,
Dann, als der hintre Theil emporgeschossen,
Nach höh’rem Spruch, den vordern untergehn,
142
Bis über uns die Wogen sich verschlossen.“
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INFERNO
Göttliche Komödie (Streckfuß 1876)/Inferno – Wikisource

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