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Die kanonische Exegese - unbemerkt verkündet vom heutigen Evangelium

Die kanonische Schriftlesung – unbemerkt verkündet vom heutigen Evangelium

Die heutigen Lesungen der Tridentinischen Messe n. Pius V. lehren unbemerkt die kanonische Schriftlesung. In der Lectio aus der Apostelgeschichte steinigt man den Erzmärtyrer Stephanus, einen Diakon der Urkirche, der „voll Gnade und Kraft“ war, der „Wunder und Zeichen“ vor dem Volke tat und der „voll des Heiligen Geistes“ seine prophetischen Todesworte sprach. Im Evangelium nach Mt 23,34ff sprach Jesus zu den Schriftgelehrten und Pharisäern: „Seht, Ich sende zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte“, von denen einige getötet würden. „Jerusalem, Jerusalem, du mordest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind.“ Diese berühmte Szene des göttlichen Erlösers wird heute in der Kirche „Dominus flevit“ (der Herr hat geweint) in Jerusalem verehrt.

Wie beginnt aber der Paulusbrief an die Hebräer? „Viele Male und auf vielerlei Weise hat Gott einst zu den Vätern gesprochen durch die Propheten; in dieser Endzeit aber hat Er zu uns gesprochen durch den Sohn ...“, so die Einheitsübersetzung. Die deutsche Übersetzung im tridentinischen Handmessbuch (wahrscheinlich in vielen oder sogar allen gängigen tridentinischen Handmessbüchern) lautet nicht „in dieser Endzeit“, sondern „zuletzt“, weswegen viele traditionelle Priester meinen, nach dem Sohn Gottes, dem unübertrefflichen König der Propheten, hätte es keine Propheten mehr gegeben. Sie halten sogar so stur daran fest, dass sie alle von der Kirche anerkannten und sogar heilig gesprochenen NT-Propheten übersehen wollen. Allen jenen, die „zuletzt“ übersetzt vorliegen haben, lehrt aber das heutige Evangelium durch die Worte Jesu selbst die kanonische Exegese, denn was stimmt denn nun: dass Jesus weiterhin Propheten senden würde oder dass Er selber der letzte war? (Vorab: beides muss stimmen, d.h. man muss das richtige Verständnis herausschälen.) Man wird wohl nicht umhin kommen, die Paulusstelle noch einmal genau zu betrachten. „Zuletzt“ kann gemäß Evangelium nicht als absolut für alle Zeiten verstanden werden, sondern ganz einfach als chronologisch zuletzt, was eine künftige Chronologie nicht ausschließt. Wenn wir den hl. Vulgata-Text heranziehen, werden wir eine schöne Überraschung erleben, die uns noch mehr Licht aufgehen lässt, da heißt es nämlich im Hebräerbrief: „... novissime diebus istis ...“, d.h. „in diesen letzten Tagen“. Das bestätigt somit genau das, was die kanonische Leseweise bereits ergeben hat: Paulus bezieht es nur auf die letzten Tage, in der er selber bzw. in der Christus lebte. Außerdem, wenn man Paulus schon exegesieren möchte, sollte man sich schon damit beschäftigen, was er in seinen anderen Briefen geschrieben hat, nämlich dass es nach wie vor die Gabe der Prophetie geben würde, er nennt in diesem Zusammenhang einmal den Begriff „Offenbarung des Geistes“, was durch die Heiligsprechung kirchlicher Propheten im NT ohnehin bestätigt ist.

Wir sehen also eindeutig, dass Christus nie und nimmer der absolut letzte Prophet für alle Zeiten war, FALSCH, das ist eindeutig eine falsche Ansicht, die dadurch entsteht, dass man die Bibel an der Stelle nicht kanonisch liest. Vielmehr kam Er, wie die Bibel spricht „zur Fülle der Zeit“, also in der Mitte zwischen zwei Testamenten. Möge der hl. Erzmärtyrer Stephanus Fürbitte einlegen für alle Prediger der Kirche, damit die Falschauffassung über die Prophetenverkündigung nicht mehr in Umlauf kommt, denn ebenderselbe Paulus spricht ja auch: Löscht den Geist nicht aus! Und: Prüfet alles und behaltet das Gute! Denn auch der Pastoralbrief des hl. Paulus lehrt in 2 Tim 3,16: „Jede von Gott eingegebene Schrift ist auch nützlich zur Belehrung, zur Widerlegung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit; so wird der Mensch Gottes zu jedem guten Werk bereit und gerüstet sein.“

Allen einen gesegneten 2. Weihnachtsfeiertag an der Krippe des Erlöserkindes!

Stille Nacht, heilige Nacht!
😇 😍 🙏

*Die kanonische Exegese meint die Schriftauslegung, die alle kanonischen Schriften in der Einheit liest. St. Augustinus kultivierte diese Methode in exzellenter Weise, er nannte es „die Schrift legt die Schrift aus“. Wer Zweifel oder Interesse hat, der lese sein geniales Werk „De doctrina christiana“, welches nach der Einführung über Zeichen eine geniale Einführung in die Schriftauslegung enthält.
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Die Hl. Schrift legt die Hl. Schrift aus

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Ein weiterer Kommentar von - Weihrauch -
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Christus kam nicht am Ende*, sondern zur Fülle der Zeit!
(*Sollte jetzt jemand ein Schriftzitat finden, dass Er doch am Ende
kam, werde ich entgegnen, dass gleichzeitig auch drin steht "zur
Fülle der Zeit". Daraus folgt, dass man wieder den Sinn heraus-
schälen muss, der dann wäre: Christus kam am Ende der damaligen
AT-Zeit und zum Beginn der heutigen NT-Zeit. Nicht Buchstaben-
reiterei bringt das Verständnis, denn die Hl. Schrift spricht: Der
Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig!)