KONZILSERGEBNIS (9) Kirche
Die Kirche soll wieder mehr von innen, als das unter den verschiedenen biblischen Bildern verborgene Geheimnis gesehen werden: von der Botschaft Jesu vom Gottesreich her (Christozentrik!). Grundlegend ist dabei das Verständnis der Kirche als Volk Gottes, das in der Geschichte dauernd unterwegs ist, als Pilgervolk in Sündhaftigkeit und eschatologischer Vorläufigkeit, bereit zu stets erneuter Reform.
Die Amtsträger sind nicht über, sondern im Gottesvolk: nicht als Herrscher, sondern als Diener. Das allgemeine Priestertum der Gläubigen, die alle am königlichen, priesterlichen und prophetischen Amt Christi teilhaben, muß ernst genommen werden.
Innerhalb der Gesamtkirche müssen die Ortskirchen gesehen werden: als Gottesdienstgemeinschaften sind sie ursprünglich Kirche. Aber auch außerhalb der katholischen Kirche gibt es Kirchen und kirchliche Gemeinschaften (erstmals Unterscheidung zwischen Kirche Christi und sichtbarer katholischer Kirche). Die Heilsmöglichkeit der Nichtchristen, ja sogar von gutgläubigen Atheisten wird anerkannt.
Papst und Bischöfe haben zusammen eine kollegiale Verantwortung für die Leitung der Gesamtkirche, unbeschadet des päpstlichen Primats. Nicht durch päpstliche Ernennung, sondern durch die Bischofsweihe wird der Bischof zum Bischof. Der Diakonat wird neu zum Leben erweckt (Aufhebung des Zölibatsgesetzes für Familienväter, die Diakone werden wol[/]len). Die Marienlehre wird in die Lehre von der Kirche einbezogen und so aus ihrer Isolierung befreit.
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Quelle: Hans Küng, Konzilsergebnis, Dokumente der Erneuerung, Butzon & Bercker, Kevelaer 1966, S. 15-17 | MCMLXVI. Imprimatur. N. 4-23/66. Monasterii, die 19 Octobris 1966. Böggering, Vicarius Eppi Gls.
(Zusätze in [] von G.d.Th.)
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Bild: Gregorio XVI nella processione del Corpus Domini (1840) | Gemeinfrei