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Ostsee in Gefahr?
Verantwortung, Gewissen und der Schutz der Schöpfung
Seit Monaten liegt ein beladener Öltanker im Bereich der Ostsee festgesetzt. Unabhängig von politischen Bewertungen wirft diese Situation eine grundlegende moralische Frage auf:
Wer trägt Verantwortung, wenn ein absehbares Risiko für Mensch, Natur und Schöpfung bestehen bleibt?
Die Ostsee ist ein sensibles Binnenmeer. Ein Leck, ein Riss im Rumpf, besonders unter Winterbedingungen mit Eispressungen, hätte keine politischen, sondern konkrete ökologische Folgen. In einem solchen Moment geht es nicht mehr um Sanktionen oder Zuständigkeiten, sondern um Schadensvermeidung.
Christliche Verantwortung ist vorbeugend
Die Heilige Schrift kennt Verantwortung nicht erst im Nachhinein, sondern als vorausschauendes Handeln:
„Der Kluge sieht das Unheil kommen und verbirgt sich;
die Unverständigen gehen weiter und müssen es büßen.“
(Spr 22,3)
Christliche Ethik ist keine Gesinnungsethik, sondern eine Ethik der Tat. Wo ein reales Risiko erkannt wird, entsteht Handlungspflicht.
Bewahrung der Schöpfung – kein Randthema
Der Mensch ist nicht Eigentümer, sondern Verwalter der Schöpfung:
„Der HERR Gott nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden,
damit er ihn bebaue und hüte.“
(Gen 2,15)
Der Katechismus der Katholischen Kirche sagt dazu eindeutig:
„Die Verantwortung für die Umwelt ist eine Forderung der christlichen Liebe.“
(KKK 2402)
Und weiter:
„Der Mensch hat die Pflicht, die natürlichen Ressourcen der Erde mit Rücksicht auf die kommenden Generationen zu achten.“
(KKK 2415)
Ein bewusstes Nicht-Handeln, obwohl Gefahren bekannt sind, widerspricht diesem Auftrag.
Gewissen vor Ausrede
Christliche Verantwortung kann nicht an anonyme Strukturen delegiert werden:
„Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“
(Apg 5,29)
Der Katechismus betont:
„Das Gewissen ist der innerste Kern und das Heiligtum des Menschen.“
(KKK 1776)
Wo das Gewissen warnt, darf Verwaltung nicht zum Vorwand werden.
Keine Ideologie – gesunder Menschenverstand
Der Schutz der Ostsee ist kein politisches Lager-Thema.
Er ist Ausdruck von Vernunft, Verantwortung und Liebe zur Schöpfung.
„Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.“
(Mt 5,9)
Frieden beginnt dort, wo Schaden verhindert wird, bevor er geschieht.
Fazit
Ein festgesetzter, beladener Öltanker in einem sensiblen Meer ist kein abstraktes Problem.
Er ist eine Gewissensfrage.
Christlich gesprochen heißt Verantwortung:
Risiken nicht aussitzen
Entscheidungen nicht vertagen
Schaden nicht billigend in Kauf nehmen
Oder, mit den Worten des Apostels Jakobus:
„Wer das Gute tun kann und es nicht tut, der sündigt.“
(Jak 4,17)
Quellen:
Die Heilige Schrift (Einheitsübersetzung)
Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1776, 2402, 2415

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