Asoziale Marktwirtschat versus katholische Soziallehre?
Asoziale Marktwirtschaft und Politik?
Leserbrief an die www.die-tagespost.de
Die Berichte vom 7.8.2010 (über den KIK- Textil- Discount) und 10. 8.2010 (christliche Soziallehre/ Konservatismus) machen eines deutlich, wir haben keine soziale sondern eine asoziale Marktwirtschaft, die überall wo es möglich ist ohne Rücksicht auf Umwelt und Menschen agiert. Denn statt auf den vier Grundprinzipien Personalität, Solidarität, Subsidiarität und Gemeinwohl basiert unser Wirtschaften aus folgender Aussage:
"Der Kapitalismus basiert auf der seltsamen Überzeugung, dass widerwärtige Menschen mit widerwärtigen Motiven irgendwie für das Gemeinwohl sorgen werden." Dies ist keine Aussage von Karl Marx oder der MLPD, etc, sondern das hat der berühmte Wirtschaftswissenschaftler John Maynard Keynes gesagt. Er umschreibt damit letztlich die Aussage von Adam Smith, dass, wenn alle dem Eigennutz nachgehen, irgendwie eine unsichtbare Hand es doch zum Guten führt.
Die Folgen sehen wir: Durch verzerrten Wettbewerb und falsche Liberalisierung werden bei uns die Löhne gedrückt und trotzdem Arbeitsplätze ins Ausland verlagert. Letzteres wäre kein Verbrechen, wenn die Löhne in den anderen Ländern so hoch wären, dass jeder von seiner Hände Arbeit es schafft, in ca. 8 Stunden am Tag ein ausreichemdes Einkommen zu erzielen. Weil die Niedriglohnempfänger jedoch nicht zu viel zum Ausgeben haben, nutzen diese vermehrt Aldi, Lidl, Kik, Netto und Co.. Die können aber auch nur preiswert sein, weil die die Löhne im Unternehmen und bei den Auftragsproduzenten drücken. Aber nicht nur Billigware kommt von Fern. Qualitätsmarken kommen oft aus der 3. Welt und haben trotzdem Preise, als ob diese zu hiesigen Löhnen gefertigt worden wären. Sind die in der Produktion oder im Material wirklich so teuer, oder sahnt hier der Namensgeber der Marke riesig ab? Als Käufer will man ja eigentlich nicht Ware erwerben, für deren Herstellung Menschen leiden mussten, Tiere gequält werden, die Umwelt sinnlos verpestet wird, etc.. Nur hat man beim Einkaufen auch nicht die Zeit, alles zu recherchieren und es müsste doch eigentlich alles mögliche getan werden, dass solche Ware erst gar nicht auf den Markt kommt.
Ist es nicht eigentlich eine Uraufgabe der Politik, die Belange des Gemeinwohls zu Regeln und dafür zu sorgen, dass Produkte, die zu Dumpinglöhnen, etc. hergestellt werden, nicht mehr auf den Markt kommen? Natürlich steigen dann die Preise. Aber die, die dann mehr verdienen, können auch mehr kaufen und fragen dann auch Produkte und Leistungen nach, die zusätzlich Arbeit schaffen. Statt der Abwärtsspirale, die unsere Politik zur Zeit nur moderiert, könnte man so wieder eine Spirale kommen, wo einer den anderen nach oben zieht. Warum wird solches Sozialdumping nicht bei Strafe der Verstaatlichung verboten? Der Staat könnte sich widerwärtig gebährdende Unternehmen verstaatlichen und diese, wenn die Dinge in Ordnung gebracht sind wieder verkaufen. Das wäre ein enormer Anreiz an die Unternehmen, ein menschenfreundliches Einkaufsgeschäft zu betreiben. Natürlich kann es auch unterhalb dieser Höchststrafe Vorstrafen geben und Maßnahmen, um die Unternehmen in die richtige Richtung zu drängen. Und wenn man die Lohnnebenkosten in Konsumnebenkosten wandeln würde, würden auch Importe am hiesigen Sozialsystem beteiligt, während Exporte entlastet würden.
Leider ist es jedoch oft andersherum: Statt dass die Politik die Wirtschaft kontrolliert, dürfen Unternehmen und deren Verbände durch Spenden Parteien und Politiker sponsern, schickt die Wirtschaft Mitarbeiter zum erarbeiten von Gesetzen direkt in die Ministerien oder gründet Stiftungen, die die Politik im Interesse von Unternehmen beeinflussen sollen (z.B. Bertelmsannstiftung) ! Das ist so, als ob ich den Bearbeiter meiner Steuererklärung 1000 Euro spenden dürfte, in der Hoffnung, so 2000 Euro Steuern mehr zu sparen, bzw. so, als ob ich selber ins Finanzamt ginge, um meine Steuererklärung selber zu bearbeiten. Politik soll vor allem für das Gemeinwohl aller Menschen gestaltet werden. Konzerne sind durch das Profitstreben eben nicht gemeinwohlorientiert. Es hat schon zuviele Beispiele gegeben, dass wegen der Gewinnmaximierung von Unternehmen die Politik gekauft wurde, um Entscheidungen zu treffen, die dem Gemeinwohl und der Gesundheit (Personalität) und dem Sozialsystem (Solidarität) schaden. Korruption dient immer dazu, eine dem Gemeinwohl wirklich dienende bessere Lösung zu verhindern. Korruptionsbekämpfung ist daher ein Hauptthema für eine an der christlichen Soziallehre orientierten Politik.
Ein Beispiel ist die Müllverbrennung. Das von Prof. Dr. Harry Rosin erdachte Kryo- Recycling bekommt keine Chance, weil die Wegwerfgesellschaft mit ihrer Müllverbrennung für viele Unternehmen ein zu einträgliches Geschäft sind. Dass die Rohstoffe, die durch Recycling ersetzt werden könnten bei ihrer Förderung Menschen und Umwelt vergiften, dass diese oft sehr begrenzt sind und Grund blutiger Auseinandersetzungen sind und sein werden, …