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[18] La Divina Commedia - Inferno, canto XVIII --- Dante Alighieri, Göttliche Komödie, Hölle, 18. Gesang \\
Achtzehnter Gesang.
VIII. Kreis. 1. u. 2. Bulge. Kuppler und Schmeichler.
1
Ein Ort der Hölle, namens Uebelsäcken,[214]
Ist eisenfarbig, ganz erbaut von Stein,
[100]
So auch die Dämme, die ringsum ihn decken.
4
Grad in der Mitte dieses Lands der Pein
Gähnt hohl ein Brunnen, weit, mit tiefem Schlunde,
Von dem wird seines Orts die Rede sein.
7
Und zwischen Höhl’ und Felswand gehn im Runde
Rings so die Dämme, daß der Thäler zehn
Abschnitte bilden in dem tiefen Grunde.
10
Wie um ein Schloß mehrfache Gräben gehn,
Dahinter wohlverwahrt die Mauern ragen,
Und sicherer den Feinden widerstehn:
13
So war umgürtet dieser Ort der Plagen;
Und wie man Brücken pflegt zum andern Strand
Aus solcher festen Schlösser Thor zu schlagen,
16
So sprangen Zacken aus der Felsenwand,
Durchschnitten Wäll’ und Gräben erst und gingen
Wie Räderspeichen bis zum Brunnenrand.
19
Kaum konnten wir vom Kreuz Geryons springen,[215]
So ging links hin mein Meister, und befahl
Auch mir, auf seinen Spuren vorzudringen.
22
Und ganz erfüllt sah ich das erste Thal
Rechts, wohin Klagen meine Blicke riefen,
Von neuen Peinigern und neuer Qual.
25
Es waren nackte Sünder in den Tiefen,[216]
[101] Getheilt, denn hier zog gegen uns die Schaar,
Und dort mit uns, nur daß sie schneller liefen:
28
Gleichwie man jüngst in Rom beim Jubeljahr
Zum Uebergang die Brücke herzurichten
Gewußt, ob großen Andrangs, also zwar,
31
Daß hier gewendet sind mit den Gesichten,
Die zu Sanct Peter wallen, nach dem Schloß –
Die Andern dort sich nach dem Berge richten.
34
Auf schwarzem Stein sprang hier und dort ein Troß
Von Teufeln nach, von schrecklichen, gehörnten,
Die schlugen wild auf sie von hinten los.
37
Wie sie beim ersten Schlage laufen lernten!
Wie sie, nicht wartend auf den zweiten Hieb,
Mit jähen langen Sprüngen sich entfernten!
40
So fiel auf Einen, den die Geißel trieb,
Mein Auge jetzt hinab, bei dem ich dachte,
Daß er nicht fremd mir auf der Erde blieb.
43
Scharf blickt’ ich hin, damit ich ihn betrachte,
Auch hielt mein Führer an, der’s zugestand,
Daß ich zurück erst ein’ge Schritte machte.
46
Zwar sucht’ er, bodenwärts den Blick gewandt,
Mir mit Gestalt und Angesicht zu geizen,
Doch rief ich, da ich dennoch ihn erkannt:
49
„„Wenn deine Züge nicht zum Irrthum reizen,
So mein’ ich, daß Venedigo du seist;[217]
Doch weshalb steckst du so in scharfen Beizen?““
[102]
52
„Nur ungern sag’ ich’s,“ sprach er drauf, „doch reißt
Die helle Stimm’ mich hin, die mich bezwungen,
Und alte Zeit zurückführt meinem Geist.
55
Ich bin’s, der in Ghisolen so gedrungen,
Daß sie nach des Markgrafen Willen that,
Wie ganz entstellt auch das Gerücht erklungen.
58
Und aus Bologna ist auf gleichem Pfad
An diesen Qualort so viel Volk gekommen,
Als jetzo diese Stadt kaum Bürger hat.[218]
61
Und sollte dir hierbei ein Zweifel kommen,
So denk’, um sicher auf mein Wort zu bau’n,
Wie Habsucht uns die Herzen eingenommen.“
64
Sprach’s, und ein Teufel kam, um einzuhau’n,
Mit hochgeschwungner Geißel her und sagte:
„Fort, Kuppler, fort, hier giebt’s nicht feile Frau’n.“
67
Zum Führer ging ich, da ich bebt’ und zagte,
Und bald gelangten wir an einen Ort,
Wo aus der Wand ein Felsen vorwärts ragte.
70
Und dieser Zacken dient’ als Brücke dort.
Leicht klommen beide wir hinauf und zogen
Rechtshin aus jenen ew’gen Kreisen fort.
73
Bald dort, wo unter uns der Fels als Bogen
Sich höhlt’ und Durchgang der Gepeitschten war,[219]
Sprach Er: „In gleicher Richtung fortgezogen,[220]
76
Sind wir bis jetzt mit jener zweiten Schaar,
Drum konnten wir sie nicht von vorne sehen,
[103] Jetzt aber nimm die Angesichter wahr.“
79
Wir blieben nun am Rand der Brücke stehen
Und sahn den Schwarm, der uns entgegen sprang,
Denn eilig hieß die Geißel Alle gehen.
82
Da sprach mein Hort: „Sieh, noch mit Stolz im Gang,[221]
Den Großen, der sich keine Klag’ erlaubte,
Dem aller Schmerz noch keine Thrän’ entrang,
85
So königlich noch an Gestalt und Haupte!
Der Jason ist’s, der durch Verstand und Muth
Das Widdervließ dem Volk von Kolchis raubte.
88
Nach Lemnos kam er, als in ihrer Wuth
Die Frau’n, die glühend Eifersucht durchzückte,
Vergossen hatten aller Männer Blut;
91
Wo er durch Worte täuschend ausgeschmückte,
Berückt Hypsipylen das junge Herz,
Die alle Frau’n von Lemnos erst berückte.
94
Dort ließ er schwanger sie in ihrem Schmerz.
Dies bracht’ ihn her; und gleiche Straf’ erheischen
Medea’s Leiden, einst ihm Spiel und Scherz.
97
Auch gehn mit ihm, die gleicher Weise täuschen.
Allein dies sei vom ersten Thal genug,
Und denen, so die Geißeln drin zerfleischen.“[222]
100
Im Kreuz den zweiten Damm durchschneidend, trug
[104]
Der Felspfad uns, der, auf den Widerlagen
Der Dämme hier den andern Bogen schlug.
103
Dort, aus dem zweiten Sack, klang dumpfes Klagen,[223]
Und Leute sahn wir tief im Grunde sich
Laut schnaufend mit den flachen Händen schlagen.
106
Der Dämme Seiten waren schimmelig
Vom untern Dunste, der wie Teig dort klebte,
Für Aug’ und Nase feindlich widerlich;
109
Doch vor dem Blick, so sehr ich forschte, schwebte
Noch dunkle Nacht, weil tief der Abgrund ist,
Bis ich des Felsenbogens Höh’ erstrebte.
112
Von hier, wo erst der Blick die Tiefe mißt,
Sah ich viel Leut’ im tiefen Kothe stecken,
Wie in dem Abort er zu finden ist.
115
Ich forscht’ und sah ein Haupt sich vorwärts strecken,
Doch ganz beschmutzt mit Koth, drum konnt’ ich nicht,
Ob’s Lai’, ob Pfaffe sei, genau entdecken.
118
Da schrie er her: „Was bist du so erpicht,
Mich mehr, als andre Schmutz’ge, zu gewahren?“
Und ich: „„Weil, ist mir recht, ich dein Gesicht
121
Bereits gesehn, allein mit trocknen Haaren.
Alex Interminei heißest du,[224]
Drum seh ich mehr auf dich, als jene Schaaren.““
124
Und er, die Stirn sich schlagend, rief mir zu:
„Mich stürzte Schmeichelei herab zur Hölle,
Die meine Zunge übte sonder Ruh.“
127
Da sprach zu mir mein guter Meister: „Stelle
Dich etwas vor, und in die Augen fällt
Dir eine schmutz’ge Dirn’ an jener Stelle.
130
Sieh die Zerzauste, die sich kratzt und krellt
Mit koth’gen Nägeln, jetzt aufs Neue greulich
[105] Im Mist versinkt und jetzt sich aufrecht stellt.
133
Die Hure Thais ist’s, jetzt so abscheulich.[225]
Fragt’ einst ihr Buhl: „Steh ich in Gunst bei dir?“
Versetzte sie: „Ei, ganz erstaunlich! Freilich!“
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Doch sei gesättigt unsre Schaulust hier.“
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INFERNO
Göttliche Komödie (Streckfuß 1876)/Inferno – Wikisource

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