Das Lamm in der Bibel
Offenbarung des JohannesDas Lamm in der Bibel
mit Kreuz und Kelch zu Füßen Johannes des Täufers im
berühmten Isenheimer Altar (Matthias Grünewald, 1516).
Foto: wikimedia
In der Offenbarung des Johannes, aus der in der Osterzeit gelesen wird, ist oft vom Lamm die Rede: das Lamm, das neben dem Thron steht, das Lamm, das der Stadt Jerusalem eine Leuchte ist. Was soll das und woher kommt das?
Das Unschuldslamm. Das Opferlamm. Brav wie ein Lamm. In unserer Sprache scheint das Lamm nicht gerade aufregend und heldenhaft. In der christlichen Bildwelt dagegen kommt es zwar auch klein und unschuldig daher, trägt allerdings häufig die Siegesfahne bei sich. Und in der Eucharistiefeier gehört diese liturgische Formel unbedingt dazu: „Seht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.“
Dieser Ausspruch stammt aus dem Mund Johannes des Täufers; als er Jesus das erste Mal zu Gesicht bekommt, sagt er es. (Johannes 1,29) Und tatsächlich findet sich in vielen Darstellungen des Täufers ein Lamm zu seinen Füßen oder auf seinem Arm. Warum aber ein Lamm? Warum ist ein junges Schaf das Symbol für Christus? Und wen hat es denn besiegt? Die Antwort auf diese Fragen führt zurück bis in die Jungsteinzeit.
Lämmer: als Opfertiere günstig und gut
Spätestens seit dieser Zeit existieren Schafe als gezüchtete Rasse und gehören mit Ziege und Hund zu den ältesten bekannten Haustieren. Dass das Schaf auch im Alten Testament eine besondere Rolle spielt, zeigt sich nicht nur an seiner häufigen Erwähnung, sondern auch daran, dass für Schafe jeden Geschlechts und Alters sicher zehn verschiedene Begrifflichkeiten gebraucht werden. Auch war das Schaf im Altertum das häufigste Tier für private religiöse Opfer, da es günstig war und gleichzeitig einen besseren Ruf hatte als die ebenfalls günstigen Ziegen. Eine besondere Rolle spielte bei solchen Opfern der vier bis zehn Kilo schwere Schwanz des im Heiligen Land heimischen, syrischen Fettschwanzschafs, da dieser für den Menschen eine reichhaltige und begehrte Nahrung bot (z.B. Levitikus 3,9) und somit ein würdiges Opfer für Gott war. Die teureren Rinder wurden dagegen als Gaben für große, öffentliche Opferungen bevorzugt.
Beim Auszug des Volkes Israel aus Ägypten rückt das Schlachten und das Blut von Lämmern besonders ins Blickfeld. Mose weist die Ältesten an, Passahlämmer zu schlachten. „Dann nehmt einen Ysopzweig, taucht ihn in die Schüssel mit Blut und streicht etwas von dem Blut in der Schüssel auf den Türsturz und auf die beiden Türpfosten! Bis zum Morgen darf niemand von euch das Haus verlassen.“ Es folgt die letzte Plage in Ägypten, als alle Erstgeburten bei Mensch und Tier sterben. Nur das Blut des Passahlamms schützt vor diesem Tod. Diese Tradition des Bluts, das Unheil und Tod abwendet, ist sowohl im Judentum als auch im Christentum bis heute auf die ein oder andere Weise erhalten geblieben, sei es im jüdischen Ritual des Passahfestes oder in der christlichen Eucharistiefeier, in der Leib und Blut Christi gewandelt werden....Das Lamm in der Bibel | aus.sicht