Zusammenfassung: Vatikan stärkt Traditionalisten den Rücken
Das Schreiben verweist auf ein wachsendes Interesse von Gläubigen an dieser Form der Messe. Benedikt XVI. hatte 2007 in dem Erlass «Summorum Pontificum» den 1970 weltweit abgelösten Ritus als «außerordentliche Form» wieder zugelassen, die normale Form bleibt aber die «modernere» Feier gemäß dem Messbuch von Papst Paul VI. (1963-1978).
Das Schreiben präzisiert die Voraussetzungen für die Feier der tridentinischen Messe in Pfarreien. Diese soll auf Antrag einer «dauerhaft bestehenden» Gruppe von Anhängern der alten Liturgie angeboten werden, auch wenn die Gruppe aus Personen mehrerer Pfarreien und Diözesen besteht. Eine Mindestanzahl von Gläubigen ist für die Geltendmachung der Forderung nicht notwendig. Die Nutzung der Pfarrkirche für die Feier des außerordentlichen Ritus sieht die Instruktion auch weiterhin nur «gelegentlich» vor. In diesen Fällen müsse die reguläre Gottesdienstordnung der jeweiligen Pfarrgemeinde beachtet werden.
Zugleich grenzt sich der Vatikan in dem Dokument von radikal traditionalistischen Gruppen ab, die ihrerseits die Gültigkeit der «Neuen Messe» bestreiten oder den Papst nicht als Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche anerkennen.
Solche «Sedisvakantisten»-Gruppen gibt es am äußersten Rand des traditionalistischen Lagers. Die Behauptung, dass die «Neue Messe» ungültig sei, ist aber auch unter Anhängern der traditionalistischen Piusbruderschaft verbreitet, mit denen Rom derzeit Gespräche über eine Wiederannäherung führt.
Eine weitere Neuerung der Instruktion mit dem Titel «Universae ecclesiae» ist die grundsätzliche Zulassung der tridentinischen Messe auch für die besonderen Liturgien von Gründonnerstag bis Ostersonntag.
Die römische Liturgie in ihrer früheren Form sei ein «wertvoller Schatz», den es zu bewahren gelte und der allen Gläubigen angeboten werden solle, heißt es in dem neunseitigen Schreiben der Päpstlichen Kommission «Ecclesia Dei». Es gebe keinen Widerspruch zwischen der ordentlichen und der außerordentlichen Form der Messe. Diese seien vielmehr «zwei Gebrauchsweisen des einen römischen Ritus».
Als Bedingung für die Feier der tridentinischen Messe nennt die Instruktion das Vorhandensein eines geeigneten Priesters. Die Bischöfe werden aufgefordert, die Möglichkeit für eine angemessene Hinführung des Klerus zu dieser Form der Messe zu schaffen. Eine Eignung setze eine grundlegende Kenntnis der lateinischen Sprache voraus. Diese müsse es erlauben, die Worte richtig auszusprechen und deren Bedeutung zu verstehen. Überdies ist eine Vertrautheit mit der außerordentlichen Form notwendig.
Auch in der Priesterausbildung sollen die lateinische Sprache und der tridentinische Ritus eine größere Rolle spielen.
Der Vatikan stärkt zudem die Stellung der Päpstlichen Kommission «Ecclesia Dei», die 1988 für die Belange der Traditionalisten gegründet wurde. Sie soll künftig über Einsprüche gegen bischöfliche Anordnungen entscheiden, die den päpstlichen Bestimmungen «zu widersprechen scheinen». Die Kommission fungiere in dieser Angelegenheit als «hierarchischer Oberer» mit «Hirtengewalt».
Außerdem obliegt ihr in Abstimmung mit der vatikanischen Gottesdienst-Kongregation die Herausgabe liturgischer Texte für die außerordentliche Form des Messritus.