Erzbischof Paglias âmoralische Revolutionâ verbirgt ein âunaussprechliches Interesseâ â Monsignore Melina
Melina reagierte am 20. Juni auf LaNuovaBq.it auf ein Interview, das Paglia am 21. Mai der âSettimana Newsâ gegeben hatte.
âDeckmantel fĂŒr ein unaussprechliches Interesseâ
Melinas markantester Vorwurf findet sich gegen Ende seines Essays: âPaglias Handeln war nicht von theologischen GrĂŒnden geleitet, sondern von einer ideologischen Kritik am Institut.â
Er deutet an, dass Ideologie dazu dient, tiefere Motive zu verbergen: âIdeologie fungiert, wie Karl Marx uns gelehrt hat, als Deckmantel fĂŒr ein unaussprechliches Interesse.â
Melina vermutet, dass die UnterdrĂŒckung möglicherweise auf der Ăberzeugung beruhte, die traditionelle Lehre der Kirche ĂŒber Ehe und Familie sei âunvernĂŒnftigâ und âundurchfĂŒhrbarâ.
âKeine Tatsachen, nur Interpretationenâ â Nietzsche
Melina wirft Paglias Paradigma vor, auf dem âdem Modernismus eigenen Prinzip der Immanenzâ zu beruhen, bei dem die Interpretation Vorrang vor der objektiven RealitĂ€t hat.
Unter Berufung auf Nietzsches Ausspruch âEs gibt keine Tatsachen, nur Interpretationenâ argumentiert Melina, dass die Lehre durch historische UmstĂ€nde neu geprĂ€gt werde, anstatt als stabiler MaĂstab der Wahrheit zu dienen.
FĂŒr Melina handelt es sich hierbei nicht lediglich um eine pastorale Neuausrichtung, sondern um die Ăbernahme philosophischer PrĂ€missen, die frĂŒhere PĂ€pste als den intellektuellen Kern des Modernismus identifiziert hatten.
Das Gewissen als Quelle der moralischen Norm
Der dogmatische Kern von Melinas Kritik betrifft das Gewissen. Er argumentiert, dass das von Paglia geförderte neue Paradigma dem subjektiven Gewissen eine Rolle zuweist, die die katholische Moraltheologie nicht akzeptieren kann.
Anstatt dass das Gewissen eine Handlung anhand objektiver moralischer Wahrheit beurteilt, lÀuft es Gefahr, selbst zur Quelle der Norm zu werden.
Melina bezeichnet dies als âeine regelrechte Hypertrophie des Gewissensâ.
Er sagt, dieser Ansatz verschmelze die moralische Norm mit dem Gewissen: âAuf diese Weise werden moralische Absolutheiten geleugnet.â
Paglias Paradigma untergrĂ€bt die Lehre von âVeritatis Splendorâ, insbesondere die Lehre, dass manche Handlungen an sich böse sind und niemals durch UmstĂ€nde gerechtfertigt werden können.
âWelche Moral will die Kirche?â
Ein weiteres Ziel ist der Begriff des âmöglichen Gutenâ.
Melina erklĂ€rt, dass in Paglias Ansatz das âmögliche Guteâ zum Kriterium dafĂŒr wird, welche moralische Norm tatsĂ€chlich bindend ist. FĂŒr Melina reduziert dies die christliche Moral auf das, was der verwundete Mensch derzeit leisten kann, anstatt auf das, was die Gnade ermöglicht.
FĂŒr Melina geht es bei dieser Auseinandersetzung um die Ausrichtung der gesamten Kirche. Entweder verkĂŒndet die Kirche weiterhin die GröĂe der menschlichen Berufung in Christus, oder sie passt diese Berufung nach unten an die Grenzen des gefallenen Menschen an.
Er stellt die beiden Möglichkeiten gegenĂŒber: eine herabgesetzte Moral, die SchwĂ€che rechtfertigt, oder eine Moral, die darauf vertraut, dass die Gnade den Menschen verwandelt.
FĂŒr Melina ging es bei der SchlieĂung des ursprĂŒnglichen Johannes-Paul-II.-Instituts letztlich nicht um eine akademische Umstrukturierung, sondern darum, eine Theologie zu ersetzen, in deren Mittelpunkt Gnade, Bekehrung und objektive moralische Wahrheit stehen.
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