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Guntherus de Thuringia

[2] La Divina Commedia - Inferno, canto II --- Dante Alighieri, Göttliche Komödie, Hölle, 2. Gesang \\
Zweiter Gesang.

Einleitung: Beatrix. Lucia.
1
Der Tag verging, das Dunkel brach herein,[20]
Und Nacht entzog die Wesen auf der Erden
All’ ihren Müh’n, da rüstet’ ich allein
4
Mich zu dem harten Krieg und den Beschwerden
Des Wegs und Mitleids, und jetzt soll ihr Bild
Gemalt aus sicherer Erinn’rung werden.
7
O Mus’, o hoher Geist, jetzt helft mir mild!
Erinn’rung, die du schriebst, was ich gesehen,
Hier wird sich’s zeigen, ob dein Adel gilt!
[14]
10
„„Jetzt, Dichter,““ fing ich an, „„bevor wir gehen,
Erwäge meine Kraft und Tüchtigkeit!
Kann sie die große Reise wohl bestehen?
13
Du sagst, daß Silvius’ Vater in der Zeit,[21]
Im Körper noch, und noch ein sterblich Wesen
Sei eingedrungen zur Unsterblichkeit.
16
Doch da, der stets des Bösen Feind gewesen,
In seinen Empyre’n zum Stifter ihn
Der Mutter Roma und des Reichs erlesen,
19
Kann Jeder, dem Vernunft ihr Licht verliehn,
Beim hocherhabnen Zweck es wohl ergründen,
Daß er nicht unwerth solcher Huld erschien.
22
Denn Rom und Reich, um Wahres zu verkünden,
Gestiftet wurden sie, die heil’ge Stadt
Zum Sitz für Petri Folger zu begründen.
25
Durch diesen Gang, den du besangest, hat
Er Kunde deß, wodurch er siegt’, empfangen
Und Grund gelegt zur heil’gen Herrscherstatt.
28
Ist das erwählte Rüstzeug hingegangen,
So stärkt’ es in dem Glauben dann die Welt,
In dem der Weg des Heiles angefangen.
31
Doch ich? warum? wer hat mir’s freigestellt?[22]
Ich, Paul nicht noch Aeneas, dessen Schwäche
Nicht ich, noch Jemand dessen würdig hält.
34
[15] Wenn ich dorthin zu kommen mich erfreche,
So fürcht’ ich, daß mein Kommen thöricht sei.
Du Weiser, weißt es besser, als ich spreche.““
37
Und wie, wer will und nicht will, mancherlei
Erwägt und prüft, und fühlt im bangen Schwanken,
Mit dem, was er begonnen, sei’s vorbei;
40
So ich – das was ich leicht und ohne Wanken
Begonnen hatte, gab ich wieder auf,
Entmuthigt von den wechselnden Gedanken.
43
„Verstand ich dich,“ so sprach der Schatten drauf,
„So fühlst du Angst und Schrecken sich erneuen
Und Feigheit nur hemmt deinen weitern Lauf.
46
Das Beste macht sie oft den Mann bereuen,
Daß er zurücke springt von hoher That,
Gleich Rossen, die vor Truggebilden scheuen.
49
Doch hindre sie dich nicht am weitern Pfad,
Drum höre jetzt, was ich zuerst vernommen,
Da mir’s um dich im Herzen wehe tat.
52
Mich, nicht in Höll’ und Himmel aufgenommen,[23]
Rief eine Frau, so selig und so schön,[24]
Daß ihr Geheiß mir werth war und willkommen,
55
Mit Augen, gleich dem Licht an Himmelshöhn,
Begann sie gegen mich gelind und leise,
Und jeder Laut war englisches Getön:
[16]
58
O Geist, geboren einst zu Mantuas Preise,
Deß Ruhm gedauert hat und dauern wird,
So lang die Sterne ziehn in ihrem Kreise,
61
Mein Freund, doch nicht der Freund des Glückes, irrt
In Wildniß dort, weil Wahn im Weg’ ihn störte,
So daß er sich gewandt, von Furcht verwirrt.
64
Schon irrte, fürcht’ ich, also der Bethörte,
Daß ich zu spät zum Schutz mich aufgerafft,
Nach dem, was ich von ihm im Himmel hörte.
67
Du geh; es sei durch deiner Rede Kraft,
Durch das, was sonst ihm Noth, sein Leid geendet;
So sei ihm Hilf’ und Ruhe mir verschafft.

70
Beatrix bin ich, die ich dich gesendet;
Mich trieb die Lieb’ und spricht aus meinem Wort.
Vom Ort komm ich, wohin mein Wunsch sich wendet.
73
Und steh’ ich erst vor meinem König dort,
So werd’ ich oft dich loben und ihm preisen. –
Sie sprach’s und schwieg und ich begann sofort:
76
Herrin der Tugend, Lehrerin der Weisen,[25]
Durch die die Menschheit überraget weit
Was lebt in jenes Himmels kleinern Kreisen!
79
So freudig bin ich dir zum Dienst bereit,
Daß, wär’ vollbracht auch jetzt schon dein Begehren,
Zu spät mir’s schiene! G’nug ward mit Bescheid!
82
Doch wolle jetzt vom Grunde mich belehren,[26]
Weshalb du stiegst zum Mittelpunkt, vom Licht,
Zu welchem du dich sehnst, zurückzukehren.
85
[17] Willst du es denn so tief ergründen, spricht
Die Hohe darauf, so will ich’s kürzlich sagen.
Ich fürchte mich vor diesem Dunkel nicht.
88
Vor solchem Uebel ziemt sich wohl zu zagen,
Das mächtig ist und leicht uns Schaden thut,
Vor solchem nicht, bei welchem nichts zu wagen.
91
Gott schuf mich so, daß ich in seiner Hut
Den Nöthen, die euch drücken, bin entrissen
Und nicht ergreift mich dieses Brandes Glut.
94
Ein edles Weib dort, von den Hindernissen
Des Manns erweicht, zu dem ich dich gesandt,
Sie hat des Höchsten strengen Spruch zerrissen.
97
Sie flehte zu Lucien hingewandt:
Dein Treuer braucht dich jetzt im harten Streite,
Darum empfehl’ ich ihn in deine Hand.
100
Lucia, die sich ganz dem Mitleid weihte,
Bewegte sich zum Orte, wo ich war,
In Ruhe sitzend an der Rahel Seite.
103
Sie sprach: Beatrix, Gottes Preis fürwahr!
Hilfst du ihm nicht, ihm, der aus großer Liebe
Für dich entrann aus der gemeinen Schaar?
106
Als ob dein Ohr taub seinen Klagen bliebe,
Als sähest du ihn nicht im Wirbel dort,
Bedroht, mehr als ob Meeressturm ihn triebe?
[18]
109
Nicht eilt so schnell auf Erden Einer fort,
Den Gier nach Glück und Furcht vor Leid bethören,
Wie ich herabgeeilt bei solchem Wort,
112
Von meinem Sitz in jenen sel’gen Chören,
Vertrau’nd auf deiner würd’gen Rede Macht,
Die Ruhm dir bringt und Allen, die sie hören. –
115
Als nun Beatrix solches vorgebracht,
Da wandte sie die Augenstern’ in Zähren,
Und dies hat mich nur schneller hergebracht.
118
So komm’ ich denn daher auf ihr Begehren,
Das Unthier von dir scheuchend, dem’s gelang,
Den kurzen Weg des schönen Bergs zu wehren.
121
Was also ist dir? warum weilst du bang?
Was herbergst du die Feigheit im Gemüthe?
Was weicht dein Mut, dein kühner Thatendrang,
124
Da sich drei heil’ge Himmelsfrau’n voll Güte
Für dich bemüh’n, und dir mein Mund verspricht,
Daß ihre Sorge dich so treu behüte.“
127
Gleichwie die Blum’ im ersten Sonnenlicht,
Beim nächt’gen Reif gesunken und verschlossen,
Den Stiel erhebt und ihren Kelch entflicht;
130
So hob die Kraft, erst schmachtend und verdrossen,
In meinem Herzen sich zu gutem Muth,
Und ich begann frohsinnig und entschlossen:
133
„„O wie ist sie, die für mich sorgte, gut!
Wie freundlich bist auch du, der den Befehlen
Der Herrlichen so schnell Genüge thut!
136
Mein Sehnen glüht – nicht wird die Kraft mir fehlen[27]
Bei deinem Wort – schon fühl’ ich, nicht mehr bang,
Vom ersten Vorsatz wieder mich beseelen.
139
Drum auf, in Beiden ist ein gleicher Drang,
Herr, Führer, Meister, auf zum großen Wege!““
Ich sprach’s zu ihm, und folgend seinem Gang,
142
Schritt ich daher auf waldig rauhem Stege.
Göttliche Komödie (Streckfuß 1876)/Inferno – Wikisource
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