Msgr. Schneider: Homosexuelle Akte sind böse
Das folgende Interview wurde der irischen katholischen Zeitung "Catholic Voice" gegeben und exklusiv für das "Schweizerische Katholische Sonntagsblatt" übersetzt.Von Anthony Murphy
Exzellenz, das „Instrumentum Laboris“ für die Bischofssynode 2015 besagt, dass es „ein Einvernehmen“ [c' è un comune accordo] zu Gunsten eines „Weges der Buβe für wiederverheiratete Geschiedene“ unter der Aufsicht eines Bischofs für geschiedene und nach Zivilrecht wiederverheiratete Gläubige, die sich in einer unumkehrbaren Situation des Zusammenlebens befinden, geben solle.“ Kann man korrekterweise behaupten, dass es ein „Einvernehmen“ gibt?
Athanasius Schneider: Die Behauptung, dass es ein „Einvernehmen“ bezüglich eines „Weges der Buβe“ gibt, ist nicht zutreffend. Das einzige öffentliche Dokument, welches Aufschluss über die tatsächliche Meinung der Bischöfe zu diesem Thema geben könnte, ist der Synodenbericht („Relatio Synodii“) aus dem Jahr 2014. Darin ist dokumentiert, dass 40% der Mitglieder der Synode einen solchen „Buβweg“ abgelehnt haben. Ausserdem ist darin nicht genau festgelegt, was ein solcher „Weg der Buβe“ beinhaltet.
Ist die Glaubwürdigkeit des Instrumentum Laboris angesichts des Satzes „c' è un comune accordo“ gefährdet? Man könnte sogar zu dem Ergebnis kommen, dass es einen Versuch gibt, die Kommunion für wiederheiratete Geschiedene bei der Synode trotz Widerstand durchzusetzen. Können Sie dies kommentieren?
Athanasius Schneider: In Anbetracht einer gründlichen Analyse der Tatsachen entsteht der Eindruck, dass die Verfasser des Instrumentum Laboris die Agenda einer gewissen Interessengruppe von Geistlichen voranbringen wollen, um das göttliche Gesetz der Nichtzulassung zum Kommunionempfang für wiederverheiratete Geschiedene zu ändern.
In einem Kommentar zur Synode hat Erzbischof Forte gesagt, dass eine der Prioritäten die Diskussion darüber sein sollte, ob wiederverheiratete Geschiedene als „Paten, Katecheten oder Kommunionhelfer“ zugelassen werden können. Was halten Sie von dieser Idee?
Athanasius Schneider: Zuerst einmal muss man sich die Bedeutung von Paten gemäβ der überlieferten Lehre und Praxis der Kirche ins Gedächtnis rufen: Einem Täufling ist, soweit dies geschehen kann, ein Pate zu geben; dessen Aufgabe ist es, dem Täufling bei der christlichen Initiation beizustehen bzw. mitzuhelfen, dass der Getaufte ein der Taufe entsprechendes christliches Leben führt und die damit verbundenen Pflichten getreu erfüllt. Damit jemand zur Übernahme des Patendienstes zugelassen wird, ist Folgendes erforderlich: er muss katholisch und gefirmt sein sowie das heiligste Sakrament der Eucharistie bereits empfangen haben; auch muss er ein Leben führen, das dem Glauben und dem zu übernehmenden Dienst entspricht (Kanon 872 und 874, § 1, 3).
Vor allen übrigen sind die Eltern verpflichtet, durch Wort und Beispiel ihre Kinder im Glauben und in der Praxis christlichen Lebens zu bilden; in gleicher Weise sind dazu diejenigen verpflichtet, welche die Stelle der Eltern einnehmen, und die Paten. (Kanon 774, § 2).
Wenn ein Pate oder Katechet ein Leben führt, das dem sechsten Gebot und der Unauflöslichkeit der Ehe entgegensteht, kann er oder sie gewiss nicht ein Vorbild im Glauben sein. Dies trifft auch auf Kommunionhelfer zu. Das Eintreten für die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen als Paten und Katecheten hat letztendlich nicht das wahre geistliche Gut der Kinder vor Augen, sondern ist vielmehr eine Instrumentalisierung einer bestimmten ideologischen Agenda. Dies ist eine Unwahrhaftigkeit und eine Verhöhnung des Amtes von Paten und Katecheten, die durch ein öffentliches Versprechen die Aufgabe der Unterweisung im Glauben übernommen haben. Im Fall von Geschiedenen und Wiederverheirateten, die offiziell die Aufgabe eines Katecheten wahrnehmen, widersprechen ihre Worte beständig ihren Taten, und daher müssen sie sich der Ermahnung des Heiligen Geistes durch den Mund des heiligen Apostels Jakobus stellen: „Seid aber Vollbringer des Wortes und nicht bloβ Hörer, indem ihr euch selber täuschet“ (Jak 1, 22).
Exzellenz, in der aktuellen Diskussion über gleichgeschlechtliche „Ehe“ haben sich einige katholische Gruppen der Idee geöffnet, dass gleichgeschlechtliche Paare langzeitige Liebesbeziehungen eingehen können und schlussfolgern daher, dass es möglich sein müsse, gleichgeschlechtliche Zivilehen anzuerkennen. Offensichtlich fördern sogar einige Bischöfe diese Idee. Könnte dies jemals ein authentischer katholischer Standpunkt werden?
Athanasius Schneider: Dieser Standpunkt kann niemals wahrhaft katholisch werden, denn er widerspricht direkt dem Wort Gottes, welches besagt, dass homosexuelle Handlungen und ein homosexueller Lebenswandel einen schwerwiegenden Verstoß gegen den göttlichen Willens darstellen (siehe Gen 18, 20; Lev 18, 22; 20, 13; Jes 3, 9, Röm 1, 26-27; 1 Kor 6, 10; 1 Tim 1, 10; Ri 7). Böses in einer dauerhaften und sei es in einer liebenden Beziehung zu tun, verwandelt dieses Böse nicht in Gutes. Nur wahre Reue in Verbindung mit der Buβe und dem festen Vorsatz, das Böse zu meiden, tilgt mit Hilfe der Gnade Gottes das Böse. Es wäre absurd zu behaupten, dass dem Alkoholismus Anerkennung zuteilwürde wegen der langen Liebesbeziehung zweier Menschen, die diese Beziehung wegen ihrer Neigung zum Alkohol eingegangen sind. Die obige Behauptung bezüglich gleichgeschlechtlicher Verbindungen ist ebenso absurd.
Es scheint auch einen Vorstoβ hinsichtlich einer „neuen Sprache“ zu geben. Manche sagen, dass man den Begriff „homosexuelle Neigungen“ anstatt „wesenhaft gestört“ benutzen solle. Was halten Sie von diesem Drang, politisch korrekte Sprache zu verwenden?
Athanasius Schneider: Wir müssen die Dinge beim Namen nennen, denn sonst täuschen wir uns selbst und andere. Die Dinge beim Namen zu nennen hat nichts mit Diskriminierung zu tun, solange wir dabei mit Ehrfurcht und pädagogischer Klugheit vorgehen. Es gibt einige Störungen physischer oder geistlicher Art, wie z. B. Höhenangst, Klaustrophobie, Seekrankheit, Kurzsichtigkeit, etc. Niemand mit einem gesunden Menschenverstand wäre empört, wenn wir solche Phänomene als Störung bezeichnen würden. In der Tat handelt es sich bei homosexueller Anziehung um eine sexualpsychologische Störung, welche die zivilisierte Menschheitsgeschichte als Störung erkannt und bezeichnet hat. Unter dem Druck der neuen Genderideologie, die in der marxistischen Ideologie ihre Wurzeln hat, wurde die Homosexualität in den 70er Jahren aus dem Handbuch für Psychische Krankheiten gestrichen. Dadurch wurden Personen, die eine homosexuelle Anziehung verspüren, zu Geiseln einer radikalen Ideologie, da ihnen eine Heilung oder Besserung ihrer psychischen Störung verweigert wurde. Unter einer Störung zu leiden ist keine Schande, sondern eine Tatsache. Diejenigen, die auf eine effektive Weise Menschen mit einer Störung, d. h. in unserem Fall Personen mit einer homosexuellen Neigung, dazu verleiten, die eigene Störung auszuleben und folglich eine Abhängigkeit zu entwickeln, begehen ein groβes Unrecht gegenüber diesen Menschen, die Hilfe für ihre geistliche und psychische Krankheit erhalten wollen.
Exzellenz, seit die Abtreibung in Irland 2013 erlaubt wurde, haben katholische Krankenhäuser wie das „Mater Misericordiae Universitätskrankenhaus“ in Dublin Verlautbarungen herausgegeben, dass sie sich an die neuen Abtreibungsgesetze halten würden. Was wäre in diesem Fall die Pflicht eines Erzbischofs oder Bischofs, in dessen Jurisdiktion sich das Krankenhaus befindet?
Athanasius Schneider: Die Pflicht eines katholischen Bischofs wäre in einem solchen Fall, dass dem Krankenhaus die Bezeichnung „katholisch“ entzogen würde und er müsste seine Gläubigen daran erinnern, dass Komplizen eines so schweren Verbrechens wie der Abtreibung eine schwere Sünde begehen und ihnen die Exkommunikation droht. Die Strafe der Exkommunikation ist eine „medizinische“ Maβnahme, um die schuldige Person daran zu hindern, weitere Verbrechen zu begehen und so ihr Seelenheil aufs Spiel zu setzen. Dieser Methode haben Gott selbst (die Prophezeiung von Gericht und Strafe durch die Propheten), unser Herr Jesus Christus (die Rede von der Exkommunikation in Mt 18, 15-18) sowie die Apostel (die Exkommunikation durch den Apostel Paulus, siehe 1 Kor 5, 4-5) sich bedient. Daher muss dies auch die Methode der Kirche sein. Wenn die Kirche diese göttliche Methode unterlässt, wird sie Gott nicht länger die Treue halten und keine wirkliche Mutter mehr sein, die ihr Kind bestraft um es zu retten. Eine solche Kirche wird im Gegenteil eine falsche Mutter sein, die ihr Kind zu seinem Nachteil schrecklich verwöhnt oder eine Stiefmutter, der das Heil des Kindes gleichgültig ist. Die folgenden Worte, die der heilige Paulus inspiriert vom Heiligen Geist bezüglich der Exkommunikation gesprochen hat, waren zu allen Zeiten der Kirchengeschichte gültig und sind es auch in unseren Tagen: „Im Namen Jesu, unseres Herrn, wollen wir uns versammeln, ihr und mein Geist, und zusammen mit der Kraft Jesu, unseres Herrn, diesen Menschen dem Satan übergeben zum Verderben seines Fleisches, damit sein Geist am Tag des Herrn gerettet wird“ (1 Kor 5, 4-5).
Exzellenz, im Zuge der Debatte über gleichgeschlechtliche „Ehe“ in Irland sagte ein Bischof, dass Katholiken guten Gewissens für diesen Vorschlag stimmen könnten und ermahnte sie, nicht aus Hassgründen dagegen zu stimmen. Zudem haben viele Geistliche die Medien dazu benutzt, die Ehe neu zu definieren. Diese Situation wiederholt sich überall in der westlichen Welt. Was ist Ihrer Meinung nach mit der Geistlichkeit geschehen, und welche Korrekturmaβnahmen müssen ergriffen werden?
Athanasius Schneider: Diejenigen Geistlichen, die die Gläubigen dazu ermutigen, sich für die gleichgeschlechtliche Ehe auszusprechen, haben sich dadurch selbst als falsche Propheten offenbart; als solche, die das Wort Gottes verdrehen. Sie haben sich als öffentliche Lügner hingestellt, auf die das Wort der heiligen Schrift genau zutrifft: „Wehe denen, die das Böse gut heißen, und das Gute böse; welche Finsternis zu Licht machen, und Licht zu Finsternis; welche Bitteres zu Süßem machen, und Süßes zu Bitterem“ (Jes 5, 20) sowie: „Nichtiges und Ungereimtes haben deine Propheten dir geschaut; und sie deckten deine Ungerechtigkeit nicht auf, um deine Gefangenschaft zu wenden; sondern sie schauten dir Aussprüche der Nichtigkeit und der Vertreibung“ (Klgl 2, 14). Der Apostel Paulus wird solchen Priestern und Bischöfen zweifellos sagen: „Denn solche sind falsche Apostel, betrügerische Arbeiter, welche die Gestalt von Aposteln Christi annehmen“ (2 Kor 11, 13). Um Abhilfe in dieser Situation zu schaffen ist es notwendig, dass glaubenstreue Bischöfe klar und eindeutig die Wahrheit Christi lehren und ausdrücklich die Verkündigung dieser falschen Propheten korrigieren.
Exzellenz, in einer Anzahl von Interviews haben Sie von Versuchen gesprochen, die Protokolle der Synode von 2014 zu manipulieren. Viele Gläubige weltweit fürchten, dass die Synode 2015 beeinflusst werden wird. Wie kann man eine solche Manipulation unterbinden? Was können diejenigen, die nicht direkt in die Synode involviert sind, tun, falls neue Beweise bezüglich einer Manipulation auftauchen?
Athanasius Schneider: Um solche Manipulationen zu unterbinden, müssen wir zuallererst die göttliche und himmlische Hilfe erflehen, damit die folgenden Worte Gottes sich in unserer Zeit bewahrheiten können: „Er zerbricht die Ränke der Listigen, damit ihre Hände nichts Rechtes vollbringen. Weise fängt er in ihrer List, damit der Schlauen Plan sich überstürzt“ (Hiob 5, 12-13). Zudem müssen wir die göttliche Wahrheit bezüglich Ehe und Familie in Wort und Schrift darlegen und verteidigen und uns dabei der Wahrheit als einem wichtigen Akt der Nächstenliebe bedienen. Wenn es sichere Beweise gibt, soll man versuchen, die Machenschaften der falschen Propheten aufzudecken. Der heilige Petrus, der erste Papst, hat in seiner zweiten Enzyklika folgende Worte verfasst, die man auf jene Priester und Bischöfe anwenden kann, die sich heutzutage für einen homosexuellen Lebensstil und für die rechtmäβige Zulassung zur Kommunion jener aussprechen, die öffentlich in ungeordneten Verhältnissen leben: „Es gab aber auch falsche Propheten im Volk; so wird es auch bei euch falsche Lehrer geben. Sie werden verderbliche Irrlehren verbreiten und den Herrscher, der sie freigekauft hat, verleugnen; doch dadurch werden sie sich selbst bald ins Verderben stürzen. Bei ihren Ausschweifungen werden sie viele Anhänger finden und ihretwegen wird der Weg der Wahrheit in Verruf kommen. In ihrer Habgier werden sie euch mit verlogenen Worten zu kaufen versuchen; aber das Gericht über sie bereitet sich schon seit langem vor und das Verderben, das ihnen droht, schläft nicht.“ (2 Petr. 2, 1-3).
Exzellenz, gibt es in diesen Zeiten von noch nie dagewesener Verwirrung und Desorientierung in der Kirche irgendwelche Heilige oder geistliche Lektüre, an die Sie sich zum Trost und zur Ermutigung wenden? Könnten Sie mit unseren Lesern einige Redewendungen oder Einsichten teilen, die uns ermutigen könnten?
Athanasius Schneider: Wir müssen auf diejenigen Heiligen blicken, die als Leuchte in Zeiten groβer Verwirrung in der Geschichte der Kirche auftraten. Unter den Geistlichen würde ich den heiligen Athanasius nennen, wie er uns Zeugnis gibt in seinen Leiden und in seinen Schriften über die Geschichte der Arianer; sodann den hl. Gregor VII, der unerschrocken die Keuschheit (gegen Konkubinat und Sodomie von Priestern) sowie die Freiheit der Kirche, der Braut Christi, (gegen die Einmischung der Staatsmacht in geistliche Belange) verteidigte; ferner den hl. Johannes Fisher, der mit dem Preis seines Lebens als einziger englischer Bischof seiner Zeit die Unauflöslichkeit der Ehe und den Primat des Papstes verteidigte; vor allem auch den hl. Pius X, der in seinen Worten und Taten sehr deutlich und mutig war und sich niemals dem Druck von politischer Korrektheit innerhalb oder auβerhalb der Kirche beugte. Unter den Laien kann man besonders folgende erwähnen: die hl. Katharina von Siena, den hl. Thomas Morus, Gabriel Garcia Moreno, der heiligmäβige und ausserordentlich mutige Präsident von Ecuador, der im Jahr 1875 aus Glaubenshass („in odium fidei“) beim Verlassen der Kirche, in der er eine Stunde lang Anbetung gehalten hatte, ermordet wurde. Dann den Diener Gottes Jerome Lejeune (+ 1994): Er wurde von der medizinischen, akademischen und politischen Elite wegen seiner starken Haltung gegen die Abtreibung ausgegrenzt und hat fast 20 Jahre lang keinen Arbeitslohn erhalten; ihm wurden die Forschungsgelder entzogen und er sah sich gezwungen, sein Labor zu schlieβen.
Die Lektüre der Biographien und Werke der oben genannten Heiligen und Diener Gottes sowie in besonderem Maβe auch der Märtyrer wäre eine wunderbare geistliche Hilfe für uns inmitten der heutigen Verfolgung der Kirche von auβen und mancher innerkirchlicher Ausgrenzungen. Ich hörte einst folgenden Satz, der uns Mut machen kann: „Es ist nicht wichtig, was die Leute heute über uns reden, sondern was sie hundert Jahre nach unserem Tod über uns sagen werden.“
(Aus dem Englischen übersetzt von Melanie G. Host)