[5] Lage in Nahost: Kriegstag 6 / 12.10.2023
12.10.2054 23:54Israelische Luftangriffe auf Syrien und den Gaza-Streifen, Entspannung der Situation an der libanesisch-israelischen Grenze, eine Drohung aus dem Iran und eine katastrophale Verschlechterung der humanitären Lage in Gaza - das war Tag 6 im neuen Nahost-Krieg
Am sechsten Tag des neuen Nahost-Krieges hat das direkte Kampfgeschehen - verglichen mit den Vortagen - etwas an Dynamik abgenommen. Israel hat seine Luftangriffe auf den Gaza-Streifen fortgesetzt, die Opferzahl der getöteten Palästinenser (mindestens 1400 zivile Opfer) übersteigt mittlerweile die Zahl der getöteten Israelis. Gleichzeitig gibt es im Gaza-Streifen weder Strom, noch Wasser und auch die Lebensmittel werden knapp. Bilder zeigen, wie Menschen mit ihren Händen versuchen, Verwandte unter den Trümmern zerbombter Häuser zu retten. Mit jedem Tag, der vergeht, verschlimmert sich die Situation in Gaza weiter.
Ägypten plant weiter einen internationalen Hilfstransport in den Gaza-Streifen, obwohl Israel angekündigt hat, solche Hilfslieferungen, die über den Grenzübergang in Rafah abgewickelt werden sollen, zu bombardieren. Bisher hat jedoch noch kein Hilfstransport Gaza erreicht, möglicherweise sollen erst weitere Länder mitinolviert werden, um eine Schutzwirkung vor israelischen Luftangriffen zu entfalten.
Am Donnerstagmittag attackierten israelische Bomber Syrien und bombardierten Flughäfen in Damaskus, sowie Aleppo. NIcht nur Syrien verurteilte den Angriff scharf, auch Russland erklärte, dass ein solches Vorgehen gegen internationales Recht verstößt. Faktisch fliegt Israel solche Angriffe gegen Syrien jedoch regelmäßig und ohne Konsequenzen, wobei sich die meisten dieser Angriffe gegen Stellungen der Hisbollah in Syrien richten, ein direkter Angriff auf syrische Infrastruktur ist dagegen eine weitere Eskalation. Scharfe Worte gegenüber Israel kommen auch aus dem Iran: Bei einem Besuch in Beirut teilte der iranische Außenminister Hossein Amir-Abdollahian mit, dass die katastrophale humanitäre Lage im Gaza-Streifen, sowie anhaltende Völkerrechtsverstöße durch Israel, die Öffnung "neuer Fronten" notwendig machen könnten. Es ist eine erneute Anspielung auf einen möglichen Kriegseintritt weiterer arabischer Länder zum Nachteil Israels.
Die Gefahr eines Flächenbrandes wird offenbar auch von der NATO ernstgenommen: Nachdem bereits die USA starke Marineeinheiten (inklusive Flugzeugträger) in das östliche Mittelmeer verlegt haben, zieht Großbritannien nun nach und verlagert ebenfalls Schiffe in die Region. Darüber hinaus hat Großbritannien angekündigt, der israelischen Armee auch militärisch zu helfen, zunächst mit Luftunterstützung in Form von Aufklärungsflügen.
Während es rund um den Gaza-Streifen zu weiteren Gefechten kam (die an Intensität verglichen mit den Vortagen abgenommen haben, größere palästinensische Raketenangriffe gab es jedoch auf die israelische Stadt Sderot, die sogar gänzlich evakuiert wurde), ist die Situation an der libanesisch-israelischen Grenze am Donnerstag ruhig geblieben. Zwar gab die IDF mehrmals Warnungen vor angeblichen libanesischen Luftangriffen heraus, diese entpuppten sich später aber erneut als Falschmeldungen, nennenswerte Kämpfe oder Angriffe wurden von beiden Seiten im Tagesverlauf nicht bekannt. Hinsichtlich einer möglichen Bodenoffensive in den Gaza-Streifen, die allseits als "rote Linie" der arabischen Länder gesehen wird, ist offiziell von israelischer Seite noch keine Entscheidung gefallen, die Einheiten sind mittlerweile aber in Angriffsposition rund um den Gaza-Streifen aufgefahren. Nach Angaben von hochrangigen Vertretern der IDF könne die Offensive, sobald die Politik "grünes Licht" gäbe, jederzeit starten.
Michael Brück
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