Mit den Toten leben?
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Es muss Hochsommer gewesen sein. Ich gehe nach einer Beerdigung zurück ins Pfarrhaus. Und sehe zwei Frauen, die sich unterhalten. "Ei wo machst´n hie?", beginnt die eine. "Ich gehn mein Mann gieße", sagt die andere.
Also: Wohin des Wegs? Ich gehe meinen Mann gießen. Das ist über 30 Jahre her, doch der kurze Dialog ging ins Ohr und blieb im Kopf. Warum, weiß ich nicht. Aber wer weiß schon, warum wir vergessen oder erinnern. Und was.
Die beiden Sätzchen blieben bei mir auch hängen, weil man drüber schmunzeln kann, vermute ich. Und das hab´ ich auch getan. Heute glaube ich jedoch: Der kurze Dialog kratzte damals an meiner Theologie, an meiner Vorstellung vom Tod.
Der Tod, sagte die Theologie in meinem Kopf, ist die totale Verhältnislosigkeit. Die Erinnerung bleibt, aber die Beziehung zu dem verstorbenen Menschen geht nicht weiter. Der Tod ist der absolute Abschied. So hatte ich das gelernt. Alle jungen Theologinnen und Theologen hatten damals Eberhard Jüngels Buch …