Galahad
Pius X. und der Modernismus - Teil 2



Ein Gespräch mit Pater Matthias Gaudron
MB: Welche Maßnahmen ergriff Pius X. gegen den Modernismus?
Pater Matthias Gaudron: Neben den verschiedenen Verurteilungen des Modernismus und modernistischer Thesen war die wichtigste Maßnahme des Papstes sicher der Antimodernis-teneid, der mit dem Motu proprio „Sacrorum antistitum" vom 1. September 1910 eingeführt wurde. Diesen Eid mussten alle Kleriker ablegen, die eine höhere Weihe empfangen oder ein höheres kirchliches Amt, wie z. B. eine Pfarr- oder Professorenstelle, übernehmen wollten.
Hier musste man unter anderem bekennen, dass Gott mit dem natürlichen Licht der Vernunft sicher erkannt werden kann, dass die Kirche von Jesus Christus gewollt und gegründet wurde und „dass der Glaube nicht ein blindes religiöses Gefühl ist, das aus dem Dunkel des Unter-bewusstseins im Drang des Herzens und aus der Neigung des sittlich geformten Willens ent-springt, sondern dass er eine wahre Zustimmung des Verstandes zu der von außen durch Hö-ren empfangenen Wahrheit ist, durch die wir auf die Autorität Gottes des Allwahrhaftigen hin für wahr halten, was uns vom persönlichen Gott, unserm Schöpfer und Herrn, gesagt, bezeugt und geoffenbart worden ist".
Verurteilt wird hier auch eine rationalistische Auslegung der Heiligen Schrift, die alles Übernatürliche sowie die von der Kirche gegebenen Normen der Auslegung ignoriert.
Dieser Eid war bis 1967 in Kraft. Die Väter und Theologen des Zweiten Vatikanischen Kon-zils hatten diesen Eid also alle mehrfach abgelegt!

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