Die Geschichte der Grabtücher von Turin und Pavia
Die Überschriften:
1. Die Geschichte des Turiner Grabtuchs
(a) ein Betrugsvorwurf;
(b) von der Sicht des Grabtuchs als Repräsentations-Bildnis
(c) bis hin zur Sicht als blutgefärbtes Grabtuch Christi
2. Hinzuerfundene Geschichte vor dem 14. Jahrhundert
3. Radiocarbon-Datierung und alternative Altersbestimmungen
4. Pollenuntersuchungen, Kreuzfahrer und Grabeskirche
5. Münzen auf den Augen
6. Jesu Blutgruppe AB auf dem Grabtuch
7. Die 3D-Computer-Animation
8. Erklärung des Bildes als Lichtbild bei der Auferstehung (?)
9. Änderung der atomaren Struktur
10. Die Nachbildung des Chemikers Luigi Garlaschelli in Pavia
11. Die Erklärung für den kollektiven Turiner Grabtuchwahn.
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Es folgt der komplette Artikel vom 31. Oktober 2018, denn auf diesen beziehen sich die Kommentare vom Oktober und November. Hauptquelle dazu ist der Wikipedia-Artikel "Turiner Grabtuch". Ich berichte halt in Auszügen und großenteils etwas kürzer.
Zunächst und vorwiegend erzähle ich die Geschichte des Grabtuchs von Turin (linkes und mittleres Bild). Auf das "Grabtuch" von Pavia (rechtes Bild) gehe ich erst ganz am Schluss ein.
Die Beschwerde des Bischofs Pierre d’Arcis
Der amtierende Bischof von Troyes, Pierre d’Arcis, berichtete im Jahr 1389 in einem Beschwerdebrief an Gegenpapst Clemens VII. von einem Skandal, den er in der Kirche in Lirey entdeckt habe. Dort habe man „… fälschlich und betrügerisch, in verzehrender Habgier und nicht aus dem Motiv der Hingabe, sondern nur aus Gewinnabsicht für die dortige Kirche ein listig gemaltes bestimmtes Tuch angeschafft, auf dem mit kleverer Fingerfertigkeit das zweifache Bild eines Mannes dargestellt ist, das heißt Vorder- und Rückansicht, von dem sie fälschlich behaupten und vortäuschen, dass dies das wirkliche Grabtuch sei, in welches unser Heiland, Jesus Christus, in der Grabesgruft eingewickelt war.“ Neben dem seiner Meinung nach nicht plausibel erklärbaren Fehlen der Erwähnung eines Grabtuches mit Körperabbildung in den Evangelien bezog sich Pierre d’Arcis auf seinen Vorgänger, den Bischof Henri de Poitiers. Unter dessen Amtszeit, ca. 30 Jahre früher, sei das Tuch erstmals ausgestellt worden. Demnach unternahm Henri de Poitiers, nachdem er von der Angelegenheit erfuhr, Nachforschungen und „… entdeckte die Betrügerei und wie das Tuch listig gemalt wurde, der Künstler, welcher es gemalt hatte, bestätigte die Wahrheit, nämlich, dass es das Werk menschlicher Fertigkeit sei, und nicht wunderhaft entstanden oder geschenkt sei.“ Der Name des Fälschers wurde nicht genannt. Gestützt wurde Pierre d’Arcis’ Urteil durch Dokumente von Geoffroy de Charnys Sohn Geoffroy II., in denen das Grabtuch durchgehend nur als „Bildnis“ oder „Repräsentation“ erwähnt wurde.[7] Auch dessen Tochter Margaret de Charny und ihr Gemahl Humbert de Villersexel, die im Besitz des Tuches waren, äußerten sich über das Tuch nur in dieser Weise. Aufgrund des bischöflichen Appells legte Gegenpapst Clemens VII. 1392 fest, dass das Tuch keine Reliquie sei. Eine Ausstellung sei aber erlaubt, solange es nicht als das Grabtuch Christi präsentiert werde.[8] Pierre d’Arcis erhielt von Clemens VII. unter Androhung der Exkommunikation die Anordnung, Stillschweigen über seine Ansichten zum Tuch zu wahren.
Vom Repräsentations-Bildnis zum blutgefärbten Grabtuch Christi
Mit dem Besitzübergang des Tuches an Herzog Ludwig von Savoyen 1453 verband sich eine Änderung der offiziellen Einschätzung des Tuches, das von den jeweiligen Herrschern der Familie als Prestigeobjekt auf ihren Reisen von Burg zu Burg innerhalb ihrer Besitztümer mitgeführt wurde. 1464 sprach Francesco della Rovere, der spätere Papst Sixtus IV., vom Tuch als „gefärbt mit dem Blut Jesu“. Sein Neffe, Papst Julius II., widmete 1506 dem Tuch als dem „Heiligen Grabtuch“ einen speziellen Festtag (4. Mai), an dem eine Messe und ein Ritual zu Ehren des Tuches abzuhalten war, obwohl es sich bei dem Tuch nicht um das einzige anerkannte heilige Grabtuch jener Zeit handelte. Papst Gregor XIII. erließ 1582 einen vollkommenen Ablass, den er allen erteilte, die nach Beichte, Buße und Eucharistie vor dem ausgesetzten Grabtuch andächtig zu Gott beten.
Der erste Brand
1532 überstand das Tuch eine Brandkatastrophe. Es trug jedoch am Rand symmetrische Brandflecken und Löschwasserflecken. Die Brandlöcher wurden zwei Jahre später von Nonnen vernäht.
Das Grabtuch kommt nach Turin
1578 ließ Herzog Emanuel Philibert von Savoyen das das Grabtuch nach Turin, der neuen Residenzstadt des Hauses Savoyen, überführen, wo es bis heute in der Kathedrale von Turin aufbewahrt wird. Nur während des Zweiten Weltkriegs wurde es in der süditalienischen Abtei Montevergine versteckt, um 1946 wieder nach Turin zurückzukehren. De facto wurde das Tuch bereits seit 1946 vom Erzbischof von Turin verwahrt.Und nach dem Tod des ehemaligen italienischen Königs Umberto II. von Savoyen im Jahr 1983 wurde es dem Papst und seinen Nachfolgern vererbt, unter dem Vorbehalt, dass es in Turin verbleibe.
Der zweite Brand
Beim Brand der zwischen Turiner Dom und Schloss gelegenen Grabtuchkapelle am 12. April 1997 wurde das Tuch durch den Feuerwehrmann Mario Trematore
unversehrt gerettet, der in letzter Minute das schützende Panzerglas zertrümmerte.
Intensivierung der Verehrung des Tuches seit dem 19. Jahrhundert
Nur die linke Seite des Titelphotos zu den Grabtüchern das Positiv, das am Tuch in Turin zu sehen ist und auch damals bereits zu sehen war, in der Mitte ist bereits das photographische Negativ. Fotografische Negative des Grabtuches, die ein plastisches und lebensnahes Abbild von hohem künstlerischen Wert erkennen ließen, wurden aber erst im 19. Jahrhundert entwickelt; und so setzte die verstärkte Verehrung des Turiner Grabtuchs ein.
Die Radiokohlenstoffdatierung zur Altersbestimmung
1988 wurde das Alter des Grabtuchs mittels der Radiokohlenstoffdatierung geschätzt. Dazu wurde ein etwa 10 × 70 mm großer Streifen in der Nähe einer Stelle entnommen, an der bereits 1973 eine Probe entnommen worden war. Dabei wurde darauf geachtet, dass an dieser Stelle keine Flicken oder verkohlte Stellen vorhanden waren. Gemäß dem Text im Wikipedia wird die Entstehung des Turiner Grabtuchs auf die Zeit zwischen 1260 und 1390 n. Chr. datiert, wobei der Mittelwert 1325 n. Chr. als wahrscheinlichster Wert angegeben wurde. In diese Zeit fällt die älteste gesicherte Erwähnung des Grabtuches im Jahr 1357.
Ersterwähnung im 14. Jahrhundert
Mag man so eine Untersuchung auch anzweifeln - z. B., wenn absichtlich falsche Stoffe und Fäden zur Untersuchung geschickt wurden -, so sollte aber doch die Ersterwähnung des Tuches Mitte des 14. Jahrhunderts bereits die Frage aufwerfen, warum denn so ein beeindruckendes Tuch (wenn es auch damals erst als Positiv vorlag) nie Erwähnung fand. Ein Grabtuch mit Körperabbildung hätte doch bereits in den Evangelien erwähnt werden müssen, meinte Bischof Pierre d’Arcis 1389.
Pollenuntersuchungen, Kreuzfahrer und Grabeskirche
Als ein Argument der Befürworter der Authentizität des Grabtuches werden gern Pollenuntersuchungen vorgebracht. Unter den Partikeln der 1973 genommenen Proben sollen sich knapp 50 Pflanzenpollen befinden, von denen 34 entweder in Israel (bevorzugt Jerusalem) oder der Türkei, nicht jedoch in Westeuropa vorkommen.
Es werden zwar auch die Brauchbarkeit der Pollenuntersuchungen und das Vorhandensein der Pflanzenabbildung auf dem Grabtuch stark angezweifelt, wesentlicher ist aber, dass diese allenfalls die Herkunft aus dem Gebiet um Jerusalem bestätigen.
Und das ist um diese Zeit ganz normal. Wenn es auch der oströmische Kaiser Alexios war, der um Hilfe gegen die Muslime bat, so wurde doch auf päpstlicher Seite der Kreuzzug in Europa vor allem wegen der Schändung der Grabeskirche ins Leben gerufen.
Durch die Kreuzzüge wurde also nicht nur der Kontakt nach Jerusalem gewaltig ausgebaut - es entstand ja das Königreich Jerusalem -, sondern es dürfte das Augenmerk auf die Grabeskirche in der Jerusalemer Altstadt die Idee der Schöpfung eines Grabtuches erst aufkommen haben lassen. Und dazu kann man durchaus ein Tuch aus Jerusalem verwenden.
Ikonen, keine Reliquien
Die katholische Kirche spricht sowohl beim Schleier von Manoppello, einem mit pigmentlosen Farben gemalten Bild auf Muschelseide, als auch beim Turiner Grabtuch von Ikonen, nicht von Reliquien. Diese beiden Ikonen weisen eine gewisse "geometrische Kongruzenz" auf.
Wenn also die Kirche nicht von Reliquien, sondern von Ikonen spricht, wieso dann behaupten wollen, dass das Turiner Grabtuch dasjenige war, in das Jesus gehüllt war! Warum die katholische Kirche durch Behauptungen, die jeglicher Wissenschaft entgegenstehen, ins Lächerliche ziehen!
Es gibt eindeutige Wunder-Bilder wie etwa das Tuch der Gottesmutter von Guadalupe, wo die Farbe sozusagen über dem Bild schwebt - ein immerwährendes Wunder also, wie dies Paul Badde in seinem Buch darüber berichtet.
Das Grabtuch von Pavia
Im Jahr 2009 fertigte der italienischen Chemiker Luigi Garlaschelli eine Nachbildung des Turiner Grabtuchs an, indem er einen mit mittelalterlichen Methoden hergestellten Leinenstoff durch Waschen und Kochen künstlich altern ließ. Er legte das Tuch über einen Freiwilligen und rieb dessen Umrisse mit einer säurehaltigen Pigmentpaste von rötlicher Farbe ab, wie sie im Mittelalter bekannt war. Nachdem die Farbstoffe etwa dreißig Minuten eingewirkt hatten, blieb ein Abbild des Freiwilligen auf dem Tuch zurück, das Garlaschelli zum Abschluss mit Blutspuren, Brandlöchern und Wasserflecken versetzte. Das Ergebnis wies eine starke Ähnlichkeit mit dem Turiner Grabtuch auf. Siehe die rechte Seite auf dem Titelbild.
Mehr dazu auf Spiegel-Online:
Vermeintliches Leichentuch Christi
Forscher fertigt zweites Turiner Grabtuch