Guntherus de Thuringia

[Abendland #57] TASSILO-KELCH. 788 für den Bayernherzog Tassilo angefertigt. H 26,8 cm. Stift Kremsmünster
Als Tassilokelch bezeichnet man einen im Stift Kremsmünster aufbewahrten Kelch, der um 780 möglicherweise von dem bayerischen Herzog Tassilo und seiner Gemahlin Luitpirga gestiftet wurde, möglicherweise anlässlich der Gründung Kremsmünsters 777. Der Kelch selbst wird in der Schatzkammer des Stiftes aufbewahrt. ...
Die genaue Entstehungsgeschichte ist unklar. Da die Inschrift am Fuß die Hochzeit Tassilos voraussetzt, kommt nur eine Entstehung nach 768/69 in Frage. Als Entstehungsort wird eine Salzburger Werkstätte vermutet, es sind aber auch der übrige bairische oder der oberitalienische Raum nicht völlig auszuschließen. Die im insularen Stil kontinentaler Prägung ausgearbeiteten Flechtband- und Tierornamente führten früher zur Vermutung, dass der Kelch vielleicht sogar in England hergestellt worden sein könnte.
Der Tassilokelch ist ca. 25,5 cm hoch, 3,05 kg schwer, fasst ca. 1,75 Liter und besteht aus Kupfer, wobei Kuppa und Knauf je einzeln gefertigt sind. Auf den teilweise vergoldeten Kelch sind Silbermedaillons aufgelötet, wobei die fünf großen Brustbilder an der Kuppa Christus mit den Initialen IS (Jesus Salvator) umgeben von den vier Evangelisten, die kleineren am Fuß die heilige Maria und Johannes den Täufer und nach einer unsicheren Interpretation die Langobardenkönigin Theodolinde (eine Verwandte Tassilos) und den heiligen Theoto zeigen. Der Kelch ist darüber hinaus mit Ornamenten in verschiedenen Stilrichtungen und Techniken verziert, so Tierornamenten in insularem Stil kontinentaler Prägung, Pflanzenornamenten und geometrischen Motiven.
Aufgrund der Größe und reichen Verzierung des Kelchs handelt es sich wohl um einen sogenannten Spendekelch (calix ministerialis), der den Gästen des Abtes beim Stifterfest gereicht wurde, der jedoch erstmals seit Abt Albert Bruckmayr († 1982) liturgisch verwendet wurde: bei den Gottesdiensten am Stiftertag und Gründonnerstag wird seitdem die Kelchkommunion gereicht.[1][2] Auch Papst Benedikt XVI. hat den Kelch bei der Feier der Heiligen Messe in Mariazell am 8. September 2007 verwendet, wie zuvor Papst Johannes Paul II. 1983 und 1998 bei seinen Österreichreisen.[1]
Die Inschrift am Fuß lautet: „TASSILO DVX FORTIS + LIVTPIRC VIRGA REGALIS“, übersetzt: „Tassilo, tapferer Herzog + Liutpirg, königlicher Spross“. Aufgrund dieser Inschrift wird auch angenommen, dass es sich um den Hochzeitskelch des Tassilo handeln könnte.
Der Kelch wurde wegen einer Ausstellung im Aachener Centre Charlemagne 2014 erstmals seit 1946 aus Österreich verbracht. ... Tassilokelch – Wikipedia
Bild: Der Kelch während einer Ausstellung in Aachen 2014 - Unbekannter Fotograf - Wikimedia Commons - Gemeinfrei

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