"Wenn al-Scharaas Streitkräfte jetzt in das Gouvernement Hasaka im Nordosten Syriens einfallen – vor dem Krieg die Provinz mit dem höchsten Anteil an Christen, treffen sie in der Provinzhauptstadt Hasaka auf einige Tausend assyrische und armenische Christen, die in den vergangenen Kriegsjahren nur zu oft das Ziel islamistischer Gewalt wurden und wissen, welche Gefahr von al-Scharaas Kämpfern ausgeht. Al-Scharaa dürfte jetzt so wenig gegen islamistische Kräfte vorgehen, wie es schon im Fall der Alawiten, Drusen und Kurden getan hat. Denn auch den Kurden hatte al-Scharaa ursprünglich günstige Konzessionen für einen Frieden und ein friedliches Zusammenleben versprochen. Wie sehr man sich auf die Zusagen von Damaskus verlassen kann, haben die letzten Wochen eindrucksvoll gezeigt."
Die syrische Regierung von Ahmad al-Scharaa hat in der letzten Woche einen Großteil des kurdisch kontrollierten Gebietes in Nordostsyrien erobern können. In einer Hauruck-Aktion gelangen den syrischen Streitkräften und islamistische Milizen der Haiʾat Tahrir asch-Scham (HTS) bedeutsame Vorstöße. Beobachter sprechen von der größten strategischen Verschiebung in Syrien seit dem Sturz von Baschar al-Assad. Al-Scharaa hatte damals als Dschihadist die HTS angeführt.